Markdorfs Bürgermeister Georg Riedmann bezeichnet anlässlich des symbolischen Spatenstichs für Riedwiesen IV die Gewerbeentwicklung in der Gehrenberg-Stadt als "überaus positiv". Vor rund 30 Jahren sei Markdorf eine reine Schlafstadt gewesen, inzwischen gebe es rund 5500 Arbeitsplätze. "Die Pendlerbilanz ist positiv. Es fahren mehr Menschen zum Arbeiten nach Markdorf als umgekehrt." Dies wirke sich positiv auf das Gewerbesteueraufkommen aus. Riedmann legt dar, dass die Grundstücke des zu erschließenden Gewerbegebiets Riedwiesen IV vorzugsweise an ortsansässige und einheimische verkauft werden sollen. "Wir entwickeln die Gewerbeflächen nicht dafür, dass sich Unternehmen von irgendwo hier ansiedeln. Wir wollen die Flächen für Firmen in Markdorf vorhalten." Er verdeutlicht: "Es gibt riesige Wartelisten von Interessenten, doch wir warten zunächst ab, wie sich die Unternehmen hier entwickeln wollen, ehe wir Flächen aus der Hand geben."

Riedmann zeigt zudem die andere Seite der Medaille auf. "Es erscheint derzeit nicht möglich, weitere Gewerbeflächen im Umfeld von Markdorf auszuweisen." Das Gebiet Riedwiesen IV bilde gemäß der geltenden Flächennutzungsplanung den vorläufigen Abschluss für die gewerbliche Erschließung Markdorfs. Im Gemeinderat sei man sich völlig einig, dass noch viele heimische Firmen Platz für ihre Entwicklung benötigen. Bei der bevorstehenden Fortschreibung des Regionalplanes stehen laut Riedmann diesem städtischen Wunsch Interessen des Umwelt-, Natur- und Landschaftsschutzes sowie der Landwirtschaft gegenüber. Letztlich müsse nach behutsamer Abwägung eine Lösung für eine maßvolle Entwicklung weiterer notwendiger Gewerbeflächen auf regionaler Ebene gefunden werden, beispielsweise durch Kooperationen mit anderen Kommunen.

Mit Humor wurde die durch Ausgrabungsarbeiten an einer keltischen Viereckschanze verursachte einjährige Verzögerung genommen. "Die Archäologen haben gezeigt, dass Riedwiesen keine Ersterschließung ist... Nur Glasfaser, das hatten die Kelten nicht", scherzte Stefan Kempf (EnBW), Leiter Kommunale Beziehungen im Regionalzentrum Heuberg-Bodensee.

Das Gewerbegebiet Riedwiesen IV in Markdorfs Osten misst laut Stadtverwaltung rund 4,53 Hektar. Es werden bis zu neun Grundstücke von rund 1000 und bis zu 7500 Quadratmetern für Gewerbeerweiterungen und -ansiedlungen verfügbar gemacht. Die Erschließung soll bis Jahresende erledigt sein, der Quadratmeterpreis beträgt 150 Euro. Jedes der Grundstücke wird mit Glasfaserleitungen für schnelles Internet ausgestattet. Die reinen Baukosten für Riedwiesen IV werden auf 1,2 Millionen Euro netto beziffert.

Viereckschanze aus Keltenzeit

Während Planungsarbeiten für das Gewerbegebiet Riedwiesen IV hat man auf Luftbildaufnahmen auffällige Strukturen im Boden entdeckt.

  • Es hat sich um einen rund vier Meter breiten Grünstreifen gehandelt, der sich von der Umgebung unterscheidet. Die Schlussfolgerung: Es könnte eine Anlage aus der Keltenzeit sein, womöglich eine Viereckschanze.
  • Anfang August 2016 beginnen unter Leitung des Landesamtes für Denkmalpflege Ausgrabungen, die bis Mitte Dezember 2016 dauern.
  • Gut einen Monat nach Grabungsbeginn werden erste Vermutungen bestätigt. Es sind zahlreiche sogenannte Pfostengruben – also Überreste einer Eingrabung, in die ehemals ein senkrecht stehender Holzpfosten gestellt worden war – freigelegt worden. Daraus schlussfolgert Grabungsleiter Friedrich Klein: „In der südwestlichen Ecke innerhalb der Viereckschanze befindet sich eine eindeutige Gebäudestruktur."
  • Mitte Dezember 2016 steht fest, dass es sich um ein Gebäude handelt, das im Grundriss etwa 13 bis 15 Meter in der Länge und etwa sieben bis acht Meter in der Breite misst. Im südöstlichen Bereich sind weitere Pfostengruben freigelegt, die sich sehr nahe am Graben der Anlage befinden. Es könnte eine Toranlage sein, vermutet Friedrich Klein. Das müsse aber erst eine abschließende Auswertung bestätigen. Es steht weitgehend fest: „Durch den Fund und die Bestimmung einiger weniger Scherben können wir sicher sagen, dass die Anlage aus dem zweiten bis ersten Jahrhundert vor Christus stammt“, erklärt der Grabungsleiter damals.
  • Laut Klein zeigen Keramikreste, "dass der Geländerücken in den Riedwiesen bereits im ausgehenden 2. Jahrtausend vor Christus während der mittleren späten Bronzezeit besiedelt war". (gan)