So viele Könige hatte es schon lange nicht in Markdorf. Das freute Vikar Johannes Treffert, als er am gestrigen Dienstagvormittag jene rund 40 Mädchen und Jungen begrüßte, die bis zum 6. Januar in Markdorf, im Teilort Hepbach und in Kluftern an der Sternsingeraktion 2018 teilnehmen. Begleitet von etlichen Jugendlichen, werden allein zehn Gruppen im Markdorfer Stadtgebiet an Haus- und Wohnungstüren klingeln, um Spenden für notleidende Kinder in aller Welt zu sammeln und ein Zeichen zu setzen gegen Kinderarbeit.

"Wenn ihr dasteht, mit festlichen Gewändern, mit Umhängen und mit Kronen auf dem Kopf, sagt ihr dann nach dem Klingeln bloß Hallo und Tschüss?", wandte sich Vikar Treffert zu Beginn der Aussendungsfeier in der St.-Nikolaus-Kirche an die jungen Gottesdienstbesucher – und antworte selber: "Nein." Neben den Liedern, die an die Rückseiten der mitgeführten Sterne geheftet sind, gibt es auch Sprüche. Die Könige stellen sich vor, Balthasar und Kaspar, ebenso Melchior. Schließlich segnen sie alle, die Geld für bedürftige Kinder gegeben haben. Geld, das die zahlreichen Hilfsprojekte des Kindermissionswerks in aller Welt unterstützt.

Beim "Hallo" und knappen "Tschüss" bleibe es also nicht, erklärte Vikar Treffert. "Viele Menschen in unserer Gemeinde warten schon auf euch." Sie freuten sich auf die Lieder, Sprüche sowie den Segen. Letzterer erscheint, für jeden sichtbar, als Kombination aus Buchstaben und Ziffern an den Türstöcken. Neben dem Jahr 2018 sind dort außerdem die Namenskürzel der heiligen Drei Könige zu lesen sind. Aufgeschrieben nicht mit irgendeiner Kreide, sondern mit Kreidestücken, die während der gestrigen Aussendungsfeier ebenso gesegnet wurden wie auch die kleinen Könige in den Kirchenbänken.

Auch Kinder aus Hepbach sind zum Aussendungsgottesdienst der Sternsinger in der St.-Nikolaus-Kirche gekommen.
Auch Kinder aus Hepbach sind zum Aussendungsgottesdienst der Sternsinger in der St.-Nikolaus-Kirche gekommen. | Bild: Jörg Büsche

"Warum ihr euch auf den Weg macht", das erläuterte zur Sicherheit noch einmal Lennart Schöttke, ein 15 Jahre alter Ministrant. Er erinnerte daran, wie fatal Kinderarbeit ist. Ohne die könnten viele Familien in zahlreichen Ländern kaum überleben. Die arbeitenden Kinder jedoch nehmen häufig Schaden daran – gesundheitlich. Ganz zu schweigen von den verheerenden Folgen, die die deshalb ausbleibende Schulausbildung für ihren weiteren Lebensweg hat. Dem entgegenzuwirken und vorzubeugen sei Ziel des Kindermissionswerk, so Vikar Treffert. Die Kinder in Indien seien stark betroffen. Doch stünden sie lediglich als Beispiel für ihre in Armut lebenden Altersgenossen auf sämtlichen Kontinenten. All das stehe auf einem Informationsblatt, "falls euch jemand fragt. Und für den Fall, dass jemand die Drei Könige an seiner Tür "für verkleidete Verbrecher hält", tragen die Kinder auch noch einen Ausweis bei sich mit dem Stempel der Gemeinde.

Die Sternsinger

  • Der bundesweite Auftakt zur Aktion Dreikönigssingen 2018 oder Sternsingeraktion 2018 hat am 29. Dezember im Trierer Dom stattgefunden. Zu Gast waren 2600 Sternsinger. Das Kindermissionswerk "Die Sternsinger" ist das Kinderhilfswerk der katholischen Kirche in Deutschland. Seit 1959 organisiert es nach eigenen Angaben in Deutschland die Aktion Dreikönigssingen, seit 1961 zusammen mit dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Seit fast 60 Jahren ist das Kindermissionswerk somit das Hilfswerk der Sternsinger.
  • Das Motto der diesjährigen Sternsingeraktion lautet "Segen bringen, Segen sein. Gemeinsam gegen Kinderarbeit – in Indien und weltweit". Alle Spenden, die Sternsinger in diesen Tagen einsammeln, fließen ausschließlich in Projekte für Kinder in Not. Bei ihren Hausbesuchen schreiben die Sternsinger den Segen "20*C+M+B+18" über die Türen. Das aktuelle Jahr steht getrennt am Anfang und am Ende. Der Stern steht für den Stern, dem die Weisen aus dem Morgenland gefolgt sind. Zugleich ist er Zeichen für Christus. Die Buchstaben stehen für „Christus Mansionem Benedicat“ – Christus segne dieses Haus.
  • In Markdorf werden die Sternsinger noch bis zum Dreikönigstag unterwegs sein zwischen 9.30 und 17 Uhr. Wie viel Geld sie dabei eingesammelt haben, werden die Ministranten abends auf ihrer Internetseite und in den sozialen Medien mitteilen.