In die ehemaligen Räume des EP-Geschäfts in der Poststraße 4, wird ein Franchise-Unternehmen des Sportwettenanbieters Tiptorro einziehen, eine Marke der Torro Tec Limited aus Malta. Tiptorro hat nach eigenen Angaben über 100 Filialen in Deutschland und ist Sponsor des 1. FC Heidenheim 1846 (2. Bundesliga) sowie des 1.FC Normannia Gmünd 1904 (Oberliga). Die Eröffnung soll voraussichtlich am Wochenende kommender Woche erfolgen. Betreiber wird die MMBC Sports GmbH sein, die Anfang September gegründet wurde. Dahinter stehen großteils die Gesellschafter der Tiptorro-Filiale in Friedrichshafen in der Aistegstraße, die MBC Sportwetten GmbH, wie der dortige Geschäftsführer Koral Calisir auf Nachfrage des SÜDKURIER berichtet.

Stadträte widerwillig, aber ohne Chance

Die notwendige Nutzungsänderung für die Geschäftsräume in Markdorf wurde nach Auskunft von Jürgen Hess, Leiter des Amts für Öffentliche Ordnung, am 3. August erteilt. Eine Beratung erfolgte im Technischen Ausschuss, der aber trotz Widerwillen keine rechtliche Möglichkeit zur Ablehnung hatte, da in einem Kerngebiet Vergnügungsstätten zulässig sind, so Baurechtsamtsleiter Torsten Schneider.

Die Nutzungsänderung hatte die Rammbock GmbH aus Friedrichshafen beantragt, bei der Koral Calisir ebenfalls Geschäftsführer ist. Auch das ist rechtlich zulässig, so Hess: "Der Antragsteller muss nicht zwingend der Betreiber sein."

"Die Vermietung für private Partys an Jugendliche und junge Erwachsene hat erstmal nicht funktioniert."Jürgen Hess, Ordnungsamt
"Die Vermietung für private Partys an Jugendliche und junge Erwachsene hat erstmal nicht funktioniert."Jürgen Hess, Ordnungsamt | Bild: Grupp, Helmar

Behörden hatten keine Einwände

In dem Verfahren bei der Baurechtsbehörde hatten neben dem Amt für öffentliche Ordnung weitere Behörden, unter anderem das für die Zulassung von Wettbüros zuständige Regierungspräsidium Karlsruhe, Gelegenheit zur Stellungnahme. Nach Auskunft von Hess und Schneider gab es keine Einwände. Es ging laut Schneider dabei um die Stellplätze, von denen drei vorhanden sein müssen.

Beim Bau des Gebäudes Anfang der 80er-Jahre waren diese fiktiv in der Innenstadt für das Geschäft angenommen worden, weil es unmittelbar am Gebäude real keine gibt. Man rechnete deshalb jetzt fiktiv einen Stellplatz für rund 15 Quadratmeter bei einer Vergnügungsstätte, was eine Verkleinerung des Raums auf 48,65 Quadratmeter bedeutet. Wenn alle baurechtlichen Voraussetzungen erfüllt seien, müsse die Genehmigung erteilt werden, erläuterte Hess, willkürliche Versagungen gebe es nicht. Calisir ist sich des "falsches Bildes" von Wettbüros bewusst. Das sei in der Aistegstraße auch so gewesen. Inzwischen wüssten die Anwohner, dass es ruhig zugehe.

Kreistag hatte Veto gegen VHS eingelegt

Calisir berichtet, dass er und seine Partner schon länger nach einer Immobilie für ein zweites Wettbüro gesucht hätten. Die Poststraße 4 sei eine schöne Lage. "Es ist doch besser, dass es überhaupt jemand mietet, als dass es leer steht", meint Calisir. Dort war ursprünglich der EP-Laden. Dann sollten die Geschäftsräume für die Volkshochschule Bodenseekreis (VHS) genutzt werden, weil der alte Standort an der Ravensburger Straße im Spätherbst 2018 wegen einer Baustraße für das Bischofsschloss abgerissen werden sollte – inzwischen ist dies verworfen.

Die Stadt mietete damals jedoch die Räume in der Poststraße ab 1. Dezember 2017 für 1500 Euro kalt für zehn Jahre von dem vor kurzem verstorbenen Eigentümer Hans Schleicher an. Der Landkreis sollte 950 Euro Miete übernehmen plus Umgestaltungskosten von etwa 30 000 Euro tragen. Doch der Kreistag strich Ende Dezember die Summe im Haushalt. In der Folge entschied sich der Kreis für das Bibliotheksgebäude am Bildungszentrum als VHS-Standort.