Immer dann, wenn die Mutter krankheitsbedingt oder wegen Überlastung ausfällt, springt die Dorfhelferin, in Städten als Familienpflegerin bekannt, ein. Die Einsätze werden von der 43-jährigen Bermatingerin Sonja Hummel koordiniert und organisiert, die bei der Sozialstation Bodensee die Nachfolge von Cilla Ganter übernommen hat. Neu an ihrer Position ist, dass die Stelle nicht mehr zum Dorfhelferinnenwerk Sölden zählt, sondern direkt zur Sozialstation. "So können wir uns untereinander noch besser helfen", erklärt der Vorsitzende Wolfgang Jauch. Das Team in Markdorf besteht aus vier Dorfhelferinnen und zwei Bereitschaftskräften.

Sonja Hummel freut sich über ihre neue Aufgabe. Die gebürtige Allgäuerin ist in Bermatingen aufgewachsen und in Markdorf zur Schule gegangen. "Ich komme aus einer großen Familie und wollte immer schon einen sozialen Beruf erlernen", erzählt die dreifache Mutter im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Sie hat eine Ausbildung an der Familienpflegeschule Freiburg absolviert, dann eine Zeit lang in dem Beruf gearbeitet und schließlich eine Familie gegründet. Nachdem die Kinder nun größer sind, steigt sie wieder ein. "Allerdings hat sich das Aufgabenfeld einer Familienpflegerin in den vergangenen 20 Jahren sehr verändert." Der Bedarf sei ein anderer, die Einsätze werden kürzer, die Zeit und das Geld knapper. "Es wird nur das bewilligt, was wirklich nötig ist", sagt Hummel. Neben geplanten Unterstützungen wie beispielsweise bei einem längeren Kuraufenthalt müssen auch kurzfristige Ausfälle einer Mutter aufgefangen werden. "Gerade liegen einige wegen der Grippe flach.

Die Kinder müssen trotzdem versorgt und betreut werden", so Hummel. Da ist ein gutes Netzwerk wichtig. Über 20 Dorfhelferinnenstationen gibt es im Gebiet Bodensee-Hohenzollern, da hilft man bei Bedarf untereinander aus. Und Sozialstation-Vorsitzender Wolfgang Jauch betont, wie wichtig der Austausch untereinander sei. "Wir nehmen unseren Bereich sehr ernst und wir wollen helfen, wo Hilfe gebraucht wird."

Als der Beruf der Dorfhelferin in den 50er Jahren entstand, halfen die Frauen fast ausschließlich in der Landwirtschaft aus. Das ist heute kaum noch der Fall. "Die Gesellschaft hat sich geändert und somit auch die Art der Einsätze", erklärt Sonja Hummel. Die Dorfhelferin bekommt einen Einblick in das Leben der Familie, bekommt positive aber auch negative Sachen mit. "Auch psychische Probleme, häusliche Gewalt oder Alkoholismus sind Themen, die wir miterleben und mit denen wir uns auseinandersetzen müssen", so Wolfgang Jauch.

Neben der Einsatzleitung für die Dorfhelferinnen koordiniert Sonja Hummel einen Helferkreis von rund 15 ehrenamtlichen Frauen in Markdorf und Salem. "Sie sind sehr wertvoll für die Familien und die Pflegerinnen, da es meist ehemalige Mitarbeiterinnen von uns sind, die über eine jahrelange Erfahrung verfügen", lobt Jauch dieses Engagement.
 

Hauswirtschaft und Kinderbetreuung

Dorfhelferinnen übernehmen bei den Familien ein breites Aufgabenfeld. Die Einsatzleitung wird für das Gebiet Bodensee in verschiedenen Stationen koordiniert.

Wo erhalte ich Hilfe?

Der Einsatz einer Dorfhelferin muss vom Haus- oder Klinikarzt verordnet und von der Krankenkasse genehmigt sein. Weitere Kostenträger sind die Rentenversicherungsträger, die Beihilfe oder das Sozial- und Jugendamt. Wer ein Attest hat, sollte sich bei der Antragsstellung auf eine Haushaltshilfe mit der Sozialstation Bodensee in Verbindung setzen.

Wann kommt die Dorfhelferin zum Einsatz?

Die Dorfhelferin kommt in die Familie, wenn hier ein oder mehrere Kinder unter 12 beziehungsweise 14 Jahren leben und der haushaltführende Teil der Familie ausfällt. Die Frauen springen unterstützend ein bei Kur- und Klinikaufenthalten, Risikoschwangerschaften, nach der Entbindung, bei körperlichen oder psychischen Erkrankungen oder bei Erschöpfungszuständen. Im landwirtschaftlichen Betrieb hilft die Dorfhelferin auch wenn keine Kinder im Haushalt sind. Hier geht es um die Weiterführung des Betriebes.

Welche Augaben übernimmt die Dorfhelferin?

Sie kümmert sich um die hauswirtschaftliche Versorgung der Familie und übernimmt das Kochen, Waschen und Einkaufen. Sie unterstützt die Kinder bei den Hausaufgaben, gestaltet die Freizeit mit und sorgt für einen geregelten Tagesablauf.

Wie kann ich Kontakt aufnehmen?

Einsatzleiterin Sonja Hummel deckt von ihrem Büro bei der Sozialstation in Markdorf die Region Markdorf, Kluftern, Deggenhausertal und Immenstaad ab. Weitere Informationen über die Dorfhelferinnen gibt es unter der Telefonnummer 07544/95590 oder per E-Mail an sonja.hummel@sozialstation-markdorf.de (shn)