Dazu Geschäftsführer Manfred Schlett: "Wir sehen die Digitalisierung gerade im Automotive Markt als äußerst wichtige, disruptive Herausforderung für Firmen – insbesondere im Mittelstand".

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Es sei wichtig, die Technologien zu verstehen, gezielt einzusetzen und im Rahmen neuer Produkte umzusetzen, nur so könne die Transformation heutiger Firmen gelingen. "Wir gehen davon aus, dass die Schulung der Mitarbeiter ein Schlüsselelement dazu ist", so Schlett. Bei Kendrion hilft der Einsatz von digitalen Fertigungselementen die Produkte schneller und effizienter zu produzieren. Beispiele hierzu sind Elektronikelemente in klassischen Produkten wie Kupplungen und Bremsen.

Digitaler Kommunikationspool

Ein weiteres Beispiel für die Digitalisierung im Haus: Die verschiedenen Automotive-Standorte von Kendrion sind mit einem digitalen Kommunikationspool miteinander verbunden. Dieses unterstützt das Ziel wechselseitiger Transparenz und enger Kooperation.

Geschäftsführer Manfred Schlett.
Geschäftsführer Manfred Schlett. | Bild: Nosswitz, Stefanie

"Die Digitalisierung ist für den deutschen Mittelstand eine vielleicht einmalige Chance weiter weltweit führend tätig zu sein", sagt Manfred Schlett. Kendrion sei auf einem guten Weg dahin. Sechs Mitarbeiter erzählen, wie dieser Weg ihren Arbeitsplatz verändert und welche Chanchen, Möglichkeiten, Herausforderungen, aber auch Schwierigkeiten er bereit hält.

Das sagen Kendrion-Mitarbeiter

Stefan Saum arbeitet seit über 20 Jahren für das Unternehmen, in das er 1997 als Maschinenbaumeister eingetreten ist – damals hieß es noch Linnig Antriebstechnik. Seit 2006 hat Stefan Saum die Leitung Fertigung inne. "Dank der Digitalisierung arbeiten wir heute mit konstantem Personal mehr Aufträge ab", sagt Saum. Auf der einen Seite vereinfachen neue Maschinenkonzepte mit Roboterschnittstellen den Ablauf. Auf der anderen Seite stehen weniger Fachkräfte zur Verfügung. "Es braucht immer Menschen, die dem Roboter sagen, was er tun muss", so Stefan Saum. CNC-Fräser Stavros Simeonidis hat seine Ausbildung bei Kendrion gemacht und gehört seit zehn Jahren zum Team, seit 2014 arbeitet er in der Fertigung. "Früher war alles aufwendiger. Wir mussten Programme neu schreiben, die Laptops an die entsprechenden Maschinen anschließen und überschreiben", berichtet er.

Stefan Saum und Stavros Simeonidis im Fräsbereich. Sie freuen sich über die zunehmende Automatisierung in der Produktion.
Stefan Saum und Stavros Simeonidis im Fräsbereich. Sie freuen sich über die zunehmende Automatisierung in der Produktion. | Bild: Nosswitz, Stefanie

Mittlerweile kann er mit einer CNC-Programmdatenbank zentral von einem Programm auf drei Fräsmaschinen zugreifen. So gehe alles schneller und die Rüstzeit verkürze sich, so Stavros Simeonidis. Es bleibe Zeit für andere Tätigkeiten wie Entstandsetzung und Wartungsarbeiten. Ein digitaler Werkzeugschrank erfasst 670 Werkzeuge und Wendeplatten. "Früher lag das Werkzeug an jeder Maschine. Heute wissen wir genau, was aus dem zentralen Schrank entnommen wird", erklärt Saum. Man habe einen Überblick über den Verbrauch und Kosten.

Börries Prohmann

Börries Prohmann ist seit 2001 Ausbilder für gewerbliche Auszubildende. Jeder Auszubildende muss einen Tätigkeitsnachweis erbringen, ein so genanntes Berichtsheft, das bei der Abschlussprüfung vorgelegt werden muss. "Wenn man ehrlich ist, schaut sich der Prüfer das keine fünf Minuten an und man hat viele Stunden für nichts investiert", berichtet Prohmann. Gemeinsam mit anderen Unternehmen, die im Bodenseeraum Mitglied der IHK sind, wurde in einem Pilotprojekt nach einer anderen Lösung gesucht und eine Software für einen digitalen Ausbildungsnachweis entwickelt.

Börries Prohmann ist bei Kendrion Automotive für die Ausbildung zuständig.
Börries Prohmann ist bei Kendrion Automotive für die Ausbildung zuständig. | Bild: Nosswitz, Stefanie

Auf einer Internetplattform entstand eine Transparenz zur Umsetzung des Ausbildungsrahmenplans. "Es kann jeder sehen, was der Azubi macht und wieweit er in den einzelnen Modulen ist." So können kontinuierlich Feedback-Gespräche zum Ausbildungsstand geführt werden. Außerdem hat man von verschiedenen mobilen Geräten Zugriff. Der digitale Ausbildungsausweis hat noch einen Vorteil: Er kann nicht verloren gehen.

Philipp Günther

Philipp Günther hat 2002 als Industriemechaniker bei Linnig Antriebstechnik begonnen. Beruflich hat sich der Entwicklungsingenieur mit Unterstützung des Unternehmens weiterentwickelt. Er absolvierte eine Weiterbildung zum Maschinenbautechniker und von 2012 bis 2015 machte Günther ein berufsintegriertes Studium zum Bachelor of Engineering. "Ich hab gesehen, wie sich die Arbeitswelt verändert und mich im Zuge dessen weiterentwickelt". Als Entwicklungsingenieur ist er die Schnittstelle zwischen den Abteilungen.

Entwicklungsingenieur Philipp Günther hat sich beruflich weitergebildet.
Entwicklungsingenieur Philipp Günther hat sich beruflich weitergebildet. | Bild: Nosswitz, Stefanie

Bei der elektomagnetischen Kupplung sind bei der Entwicklung mehr 3-D-Magnetsimulation eingeflossen. Durch eine bessere Software kann er Simulationsstreifen am Rechner durchführen. "Ich weiß genauer, in welchem Leistungszentrum sich die Kupplungen einspielen." Durch die Digitalisierung werde die Vernetzung besser, das Unternehmen produktiver. Er sagt aber auch: "Man kann noch so viel automatisieren. Wo man kreativ sein muss, braucht es immer Menschen."

Christine Engler

Christine Engler, technische Zeichnerin, hat an der Wareneingangsprüfung die Umstellung von analog auf digital miterlebt. Seit 17 Jahren arbeitet sie bei Kendrion Automotive. "Es hat sich schon sehr viel verändert", sagt Engler. Früher wurde alles per Hand kontrolliert und mit einem Messschieber nachkontrolliert, heute überprüft sie jeden fünften Wareneingang. Diese Spannbreite wurde so festgelegt.

Christine Engler ist seit 17 Jahren an der Wareneingangsprüfung tätig.
Christine Engler ist seit 17 Jahren an der Wareneingangsprüfung tätig. | Bild: Nosswitz, Stefanie

Christine Engler überprüft an ihrem Arbeitsplatz metallverarbeitete Neu- und Probenteile. Der digitale Messchieber ist an ein System angeschlossen, das Engler direkt über den PC mitteilt, ob die Ware "i.O." (in Ordnung" oder "n.i.O." (nicht in Ordnung) ist.

Sobald die Ware nicht in Ordnung ist, meldet ein neues Programm dies direkt an die Reklamation und es wird eine E-Mail an den Lieferanten geschickt. "Das ist eine richtig feine Sache", freut sich Christine Engler über die Entwicklung. "Die Arbeitswelt macht große Schritte und es ist wichtig, dass man als Mitarbeiter diese mitgeht."

Kendrion-Mitarbeiter berichten: So hat sich ihr Tätigkeitsfeld verändert

Börries Prohmann ist seit 2001 Ausbilder für gewerbliche Auszubildende. Jeder Auszubildende muss einen Tätigkeitsnachweis erbringen, ein so genanntes Berichtsheft, das bei der Abschlussprüfung vorgelegt werden muss. "Wenn man ehrlich ist, schaut sich der Prüfer das keine fünf Minuten an und man hat viele Stunden für nichts investiert", berichtet Prohmann. Gemeinsam mit anderen Unternehmen, die im Bodenseeraum Mitglied der IHK sind, wurde in einem Pilotprojekt nach einer anderen Lösung gesucht und eine Software für einen digitalen Ausbildungsnachweis entwickelt. Auf einer Internetplattform entstand eine Transparenz zur Umsetzung des Ausbildungsrahmenplans. "Es kann jeder sehen, was der Azubi macht und wieweit er in den einzelnen Modulen ist." So können kontinuierlich Feedback-Gespräche zum Ausbildungsstand geführt werden. Außerdem hat man von verschiedenen mobilen Geräten Zugriff. Der digitale Ausbildungsausweis hat noch einen Vorteil: Er kann nicht verloren gehen.

Philipp Günther

Philipp Günther hat 2002 als Industriemechaniker bei Linnig Antriebstechnik begonnen. Beruflich hat sich der Entwicklungsingenieur mit Unterstützung des Unternehmens weiterentwickelt. Er absolvierte eine Weiterbildung zum Maschinenbautechniker und von 2012 bis 2015 machte Günther ein berufsintegriertes Studium zum Bachelor of Engineering. "Ich hab gesehen, wie sich die Arbeitswelt verändert und mich im Zuge dessen weiterentwickelt". Als Entwicklungsingenieur ist er die Schnittstelle zwischen den Abteilungen. Bei der elektomagnetischen Kupplung sind bei der Entwicklung mehr 3-D-Magnetsimulation eingeflossen. Durch eine bessere Software kann er Simulationsstreifen am Rechner durchführen. "Ich weiß genauer, in welchem Leistungszentrum sich die Kupplungen einspielen." Durch die Digitalisierung werde die Vernetzung besser, das Unternehmen produktiver. Er sagt aber auch: "Man kann noch so viel automatisieren. Wo man kreativ sein muss, braucht es immer Menschen."

Christine Engler

Christine Engler, technische Zeichnerin, hat an der Wareneingangsprüfung die Umstellung von analog auf digital miterlebt. Seit 17 Jahren arbeitet sie bei Kendrion Automotive. "Es hat sich schon sehr viel verändert", sagt Engler. Früher wurde alles per Hand kontrolliert und mit einem Messschieber nachkontrolliert, heute überprüft sie jeden fünften Wareneingang. Diese Spannbreite wurde so festgelegt. Christine Engler überprüft an ihrem Arbeitsplatz metallverarbeitete Neu- und Probenteile. Der digitale Messchieber ist an ein System angeschlossen, das Engler direkt über den PC mitteilt, ob die Ware "i.O." (in Ordnung" oder "n.i.O." (nicht in Ordnung) ist. Sobald die Ware nicht in Ordnung ist, meldet ein neues Programm dies direkt an die Reklamation und es wird eine E-Mail an den Lieferanten geschickt. "Das ist eine richtig feine Sache", freut sich Christine Engler über die Entwicklung. "Die Arbeitswelt macht große Schritte und es ist wichtig, dass man als Mitarbeiter diese mitgeht."

Neue Konzepte vereinfachen Ablauf

Stefan Saum arbeitet seit über 20 Jahren für das Unternehmen, in das er 1997 als Maschinenbaumeister eingetreten ist – damals hieß es noch Linnig Antriebstechnik. Seit 2006 hat Stefan Saum die Leitung Fertigung inne. "Dank der Digitalisierung arbeiten wir heute mit konstantem Personal mehr Aufträge ab", sagt Saum. Auf der einen Seite vereinfachen neue Maschinenkonzepte mit Roboterschnittstellen den Ablauf. Auf der anderen Seite stehen weniger Fachkräfte zur Verfügung. "Es braucht immer Menschen, die dem Roboter sagen, was er tun muss", so Stefan Saum. CNC-Fräser Stavros Simeonidis hat seine Ausbildung bei Kendrion gemacht und gehört seit zehn Jahren zum Team, seit 2014 arbeitet er in der Fertigung. "Früher war alles aufwendiger. Wir mussten Programme neu schreiben, die Laptops an die entsprechenden Maschinen anschließen und überschreiben", berichtet er. Mittlerweile kann er mit einer CNC-Programmdatenbank zentral von einem Programm auf drei Fräsmaschinen zugreifen. So gehe alles schneller und die Rüstzeit verkürze sich, so Stavros Simeonidis. Es bleibe Zeit für andere Tätigkeiten wie Entstandsetzung und Wartungsarbeiten. Ein digitaler Werkzeugschrank erfasst 670 Werkzeuge und Wendeplatten. "Früher lag das Werkzeug an jeder Maschine. Heute wissen wir genau, was aus dem zentralen Schrank entnommen wird", erklärt Saum. Man habe einen Überblick über den Verbrauch und Kosten.

Marco Weimer

Marco Weimer ist seit seiner Ausbildung zum Industriemechaniker 2005 Teil des Unternehmens. Heute ist er Teamleiter der Prozessplanung, war aber zuvor auch in der Fertigung und Montage tätig. Seit 2015 macht er berufsbegleitend eine Weiterbildung zum staatlich geprüften Techniker. Ihm geht es vor allem darum, Prozesse zu optimieren und die Produktion so transparent wie möglich zu machen. Von seinem Arbeitsplatz in Markdorf, hat Marco Weimer die Möglichkeit die Prozesse an anderen Standorten, beispielsweise in Shelby, zu verfolgen und zu überprüfen. "Heute ist alles über einen Rechner miteinander vernetzt, das erleichtert die Sache enorm", sagt der Teamleiter. Im Mittelstand sei die digitale Entwicklung noch lange nicht am Ende, das sei ein Weg, den ein Unternehmen über Jahre geht. "Es geht darum, wie weit man in Echtzeit den Fertigungsgrad messen kann", so Weimer. Dazu gibt es Pilotprojekte, um die Durchlaufzeiten zu reduzieren. "Je früher ich planen kann, desto besser kann ich kalkulieren."