Bei Emely, 8, geschah es beim Bummel durch die Stadt, bei Marie, 7, war‘s das Klavierspiel ihrer Mutter, das den entscheidenden Anstoß gegeben hat. Als Emely im Schaufenster der Musikalienhandlung eine Geige sah, wusste sie, „die gefällt mir, die möchte ich spielen lernen“. Marie begeisterte, was sie von ihrer klavierspielenden Mutter hörte. Vorerst aber übt die Siebenjährige auf der Blockflöte.

Emely, 8, nimmt Geigenunterricht bei Andrea Diersch – und ihr Bruder Lennard, 5, schaut zu.
Emely, 8, nimmt Geigenunterricht bei Andrea Diersch – und ihr Bruder Lennard, 5, schaut zu. | Bild: Jörg Büsche

Der Mensch an sich ist musikalisch

Aller Anfang sei Singen, sagt Andrea Diersch. Sie unterrichtet Violine und Bratsche an der Musikschule Markdorf. Und sie meint, dass Eltern nichts besseres tun können, als so früh wie möglich und so viel wie möglich mit ihren Kindern zu singen, wenn sie deren Musikalität fördern möchten. Musikalität gehöre zwar zum Wesen des Menschen, wie Gerhard Eberl, Leiter der Musikschule betont, aber sie könne sich – je nach Anlage und Art der Begegnung mit der Welt der Töne – in durchaus unterschiedlicher Weise entwickeln. Der Musikschulleiter empfiehlt daher die möglichst frühe Begegnung.

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Angebote bereits fürs Babyalter

In seiner Schule findet solches Begegnen sehr strukturiert statt. Es gibt einen Musikgarten für Babys. Es gibt den Musikgarten I und den Musikgarten II für die Kleinkinder im Alter von 18 Monaten bis zu den Vierjährigen. Es gibt eine musikalische Früherziehung, eine allgemeine Grundausbildung, eine Grundausbildung mit Blockflöte, aber auch Grundausbildungen mit Klavier, Streichinstrumenten oder mit Gesang. Eltern, die weniger mit ihren Kindern gesungen haben, finden also Gelegenheit, ihr Gewissen zu beruhigen.

„Tröt macht der graue Elefant!“ Während die einen singen, dürfen die anderen ins Horn tuten.
„Tröt macht der graue Elefant!“ Während die einen singen, dürfen die anderen ins Horn tuten. | Bild: Jörg Büsche

Vereine spielen wichtige Rolle

Es hängt also nicht alles an den Eltern, aber viel. „Hier in der Region lässt sich besonders gut beobachten“, erklärt Andrea Diersch, „wie sehr das soziale Umfeld die musikalische Entwicklung junger Menschen mitunter prägt.“ Die Geigen- und Viola-Lehrerin beobachtet, dass es Kinder mit in Musikvereinen aktiver Verwandtschaft durchaus zu den Blasinsturmenten ziehe. Der Vater spiele Tuba oder Waldhorn. Und so wolle es dann auch der Sohn. Erlernt werde das Instrument dann auch folgerichtig beim Lehrer, den der Musikverein dazu bestellt hat.

Was bieten die Musikvereine?

Schule und Musikschule im Team

Dass es mehr gibt als Bleichblasinstrumente und Schlagwerk, das zeigen die regelmäßigen Instrumentenvorstellungen, zu denen die Musikschule in ihr Gebäude einlädt oder die sie an den Grundschulen veranstaltet. „Das sind ganz, ganz wichtige Erfahrungen für die Kinder“, erklärt Andrea Diersch, „dort können sie Instrumente ausprobieren – sie begreifen buchstäblich, was eine Geige, was eine Querflöte ist.“

Ihr Können zeigen die Kinder und Jugendlichen des Gemeinschaftsjugendorchesters bei den alljährlichen „Kids-in-Concert“-Konzerten. Hier unter Leitung von Martin Schmid.
Ihr Können zeigen die Kinder und Jugendlichen des Gemeinschaftsjugendorchesters bei den alljährlichen „Kids-in-Concert“-Konzerten. Hier unter Leitung von Martin Schmid. | Bild: Jörg Büsche

An den Grundschulen findet übrigens auch eine fruchtbare Zusammenarbeit mit den Musikvereinen statt. Dort gibt es zum Beispiel gemeinsame Bläserklassen. Überdies werde zum Teil aber auch gemeinsamer Unterricht in Streicherklassen angeboten, wie Geigenlehrerin Diersch erläutert.

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Mehr Betreuung, mehr Angebot

Dank des sich ausdehnenden Ganztagesbetriebs an den Grundschulen könne sich auch das musikalische Ausbildungsangebot ausweiten. „Bis zu zwölf AGs gibt es mitunter“, so Andrea Diersch. Eltern sollten sich also in der Schule informieren. Parallel dazu bietet die Musikschule an, dass Kinder einen kostenlosen Schnupperunterricht besuchen. Auch der dient zum Kennenlernen der Instrumente. „Unsere Schnupperkurse wurden in diesem Jahr ausgesprochen gut angenommen“, blickt Gerhard Eberl auf die letzten Monate zurück.

Musikschulleiter Gerhard Eberl und Ulrike Specker, eine der beiden Musikschulsekretärinnen freuen sich, Eltern beraten zu können, wenn‘s um die kindliche Begegnung mit der Musik geht.
Musikschulleiter Gerhard Eberl und Ulrike Specker, eine der beiden Musikschulsekretärinnen freuen sich, Eltern beraten zu können, wenn‘s um die kindliche Begegnung mit der Musik geht. | Bild: Jörg Büsche

Angeborene Fähigkeiten

„Alle Kinder sind musikalisch“, lautet auch das Credo von Inge Augner. Sie spricht aus Erfahrung. Schließlich arbeitet sie seit vielen Jahren als Musikpädagogin im Elementarbereich der Markdorfer Musikschule. Schon im frühesten Alter zeigen Mädchen wie Jungen ein tiefes Gespür für Rhythmus. Und singen können sie ohnehin von Anfang an.

In Inge Augners Elementarunterricht macht die frühe Begegung mit einfachen Instrumenten besonders viel Spaß – gerade weil sie in der Gruppe stattfindet.
In Inge Augners Elementarunterricht macht die frühe Begegung mit einfachen Instrumenten besonders viel Spaß – gerade weil sie in der Gruppe stattfindet. | Bild: Jörg Büsche

„Das sind angeborene Fähigkeiten“, erklärt die Musikpädagogin, die diese Fähigkeiten in ihrem Unterricht auf spielerische Weise aufgreift. Natürlich keineswegs nur durch Tanz, Gesang und Sprache, sondern auch durch Zu- und Hinhören. Wenn die Klangstäbe zusammenschlagen, die Schellen klingen und alle im Rund lauschen, sei dies bereits der erste Schritt zu einer gesteigerten „auditiven Sensibilisierung“, wie die studierte Musikpädagogin es ausdrückt.

Und auch die jungen Musiker der Musikschul-Anfänger-Orchester führen bei „Kids in Concert“ vor, was sie neu gelernt haben.
Und auch die jungen Musiker der Musikschul-Anfänger-Orchester führen bei „Kids in Concert“ vor, was sie neu gelernt haben. | Bild: Jörg Büsche