Der September steht jedes Jahr aufs Neue für ganz viele junge Menschen für den Start in einen neuen Lebensabschnitt. Typischerweise starten in diesem Monat die meisten Ausbildungsberufe. Einige Plätze sind heiß begehrt, für andere gibt es keine Bewerber oder geeignete Kandidaten. Dabei gibt es auch einige Überraschungen.

Walter Nägele ist Pressesprecher der Bundesagentur für Arbeit Konstanz-Ravensburg. Diese ist zuständig für die Landkreise Konstanz, Ravensburg und den Bodenseekreis. Innerhalb des Bodenseekreises fällt Markdorf in den Bereich der Geschäftsstelle Überlingen. Kennzahlen ausschließlich für den Markdorfer Stadtbereich gibt es keine, bloß für die gesamte Geschäftsstelle.

Offene Stellen in allen Bereichen

Dort stehen aktuell 230 offene Ausbildungsplätze zur Verfügung. Mit vorgesehenem Beginn noch in diesem Jahr. Die Zahl sei jedoch nicht ungewöhnlich hoch, sondern halte sich seit einigen Jahren konstant. "Im Bodenseekreis ist in allen Bereichen aktuell noch etwas offen", verdeutlicht Walter Nägele, "Jede Branche und jedes Unternehmen sucht". Laut Nägele ist aus Arbeitgebersicht nur clever, den Nachwuchs selbst ranzuziehen: "Fertig ausgelernt, kennen die jungen Menschen die Abläufe im Betrieb, verfügen über ein großes Netzwerk und haben Stallgeruch."

Eine Suche nach freien Ausbildungsplätzen im Internet über die "Jobbörse" der Bundesagentur für Arbeit ergibt in einem Umkreis von fünf Kilometern von Markdorf insgesamt 56 freie Plätze. Davon zehn ab sofort und 37 noch in diesem Jahr. Kurios: Bei der Arbeitsagentur sind aktuell ebenfalls 56 sogenannte "unversorgte Bewerber" im Bereich der Geschäftsstelle Überlingen gemeldet. Das würde also genau passen.

Start in diesem Jahr noch möglich

"Ein verspäteter Einstieg ist nicht unmöglich", betont Nägele. Wer aktuell noch auf der Suche ist, brauche nicht zu resignieren. Es könnten noch getrost Bewerbungen verschickt oder der Kontakt zur Arbeitsagentur aufgenommen werden. Meist hätten die Unternehmen keine Probleme mit einem späteren Ausbildungsbeginn. Auch die Kammern, welche die Ausbildungsverträge absegnen müssen, hätten keine Einwände. Bloß die Berufsschulen stellen ab einem gewissen Zeitpunkt quer. "Gerade in Berufen, wo es zunächst vier Wochen Blockunterricht gibt, würde es schwer werden, das aufzuholen", weiß Nägele. Doch noch gilt es: "In den nächsten Wochen werden täglich Plätze vergeben."

Altenpfleger/-in

Bild: Heuser, Christoph

Überraschung! Im Pflegebereich gestaltet sich die Akquirierung von Auszubildenden nicht überdurchschnittlich schwierig. Zumindest bei der Sozialstation Linzgau in Markdorf. Christine Endres lässt sich zur Altenpflegerin ausbilden und steht sinnbildlich für die Philosophie ihres Arbeitgebers. Es werden in erster Linie Quereinsteiger im Alter von 30 bis 45 Jahren gesucht. Eine Zielgruppe mit riesigem Potenzial. Auf junge Mütter wird etwa durch Dienstplanmodelle Rücksicht genommen, außerdem ist die Ausbildung auch in Teilzeit möglich. Es werden Menschen gesucht, die mit beiden Beinen im Leben stehen – so wie Auszubildende Christine Endres und Altenpfleger Andreas Förster.

Einzelhandelskaufmann/-frau

Bild: Heuser, Christoph

Der Einzelhandel ist bei Schulabgängern meist nicht die erste Wahl. Die Suche nach Auszubildenden stellt sich auch deswegen so schwierig dar, weil dem Beruf ein negatives Image anhaftet. "Viele denken, man würde jeden Tag an der Kasse hocken, aber das stimmt nicht", unterstreicht die Auszubildende Melanie Herrmann, "es ist sehr vielfältig". Nicht zu unterschätzen ist der kaufmännische Teil der Ausbildung. Edeka Sulger schöpft alle Werbemaßnahmen aus: Plakate, Facebook-Werbung und Präsenz bei Veranstaltungen. Bewerben können sich auch Hauptschulabsolventen. Nur eine Fünf in Mathe und Deutsch sollten sie nicht haben. Aber selbst dann können sich junge Menschen über ein Praktikum empfehlen.

Zimmerer/-in

Bild: Heuser, Christoph

Johannes Beck von der gleichnamigen Zimmerei bildet seit 25 Jahren ununterbrochen aus. Gute Bewerber kämen immer seltener zu ihm. "Sonst bekamen wir immer mal wieder Initiativbewerbungen, aber dieses Jahr nicht eine einzige", sagt der Unternehmer, "die Industrie ist meist die erste Wahl". Keine rosigen Aussichten für seine Zunft. Zumal Beck im Gesellenprüfungsausschuss ist und genau weiß: "Zuletzt wurde 14-mal die Gesellenprüfung absolviert. Die Besten gehen sofort weiter an die Uni, es bleiben die mit der Note befriedigend und ausreichend." Aus diesem Grund macht sich Beck große Sorgen um seine Zunft. "Unsere Arbeit muss auch in Zukunft gemacht werden", betont Beck, "deswegen hätten gute Nachwuchskräfte wunderbare Aussichten".

Elektroniker/-in

Bild: Heuser, Christoph

Im Juli konnte Erich Wild den Ausbildungsplatz in seinem Unternehmen endlich an einen geeigneten Kandidaten vergeben. Die Talsohle sei vor zwei Jahren erreicht worden. Allmählich erhole sich die Situation wieder. Die Ausschreibung über die Agentur für Arbeit nimmt Wild etwa neun Monate vor Ausbildungsbeginn vor. "Es gab schon Jahre, da hatten wir keinen einzigen Bewerber", sagt der Elektromeister und schüttelt den Kopf. Doch woran liegt es? Die jungen Leute ziehe es eher in die Industrie, weil es attraktiver auf sie wirke. "Das Handwerk hat aber Zukunft", sagt Wild. Seine Rechnung ist eine ganz einfache: Den Altersschnitt in seiner Branche schätzt er auf 50 Jahre. Klar sei, dass Handwerk immer gefragt sein würde. "Wenn es so weitergeht, gibt es in zwanzig Jahren ganz viel Arbeit für nur noch wenige Elektroniker", sagt Wild.