Ein Smartphone zu besitzen, ist für die meisten Jugendlichen heute selbstverständlich. Die Nutzung der Geräte mitsamt Apps hat das Gymnasium Markdorf aus diesem Grund jüngst in den Mittelpunkt eines Informationsabends für die Eltern von Fünft- und Sechstklässlern gestellt.

Ab Klassenstufe 8 besteht quasi Vollabdeckung

"In Klassenstufe 8 besitzt beinahe jeder Schüler ein Smartphone", schilderte Christian Schmidt vom Landesmedienzentrum Baden-Württemberg den Eltern. "Es besteht quasi eine Vollabdeckung." Warum Smartphones stark begehrt sind, erklärte er so: "Über verschiedene Apps spielen die Jugendlichen, kommunizieren untereinander oder lassen sich einfach nur unterhalten."

Was früher der Fernseher oder der Gameboy gewesen seien, ist ihm zufolge heutzutage das Smartphone. Die mobile Internetnutzung sei zwischenzeitlich fester Bestandteil im Alltag von Jugendlichen. Wichtig sei es, gemeinsam mit den Kindern einen Weg für einen vernünftigen Umgang mit dem Smartphone zu finden, rät Schmidt. Verbote seien keine geeignete Lösung.

In der Unterstufe sind Smartphones noch nicht so verbreitet

Viele Eltern signalisierten während der anschließenden Diskussion, dass sie ihre zehn- bis elfjährigen Kinder von Smartphones fernhalten wollen, solange es geht. „Mein Sohn in der fünften Klasse hat noch kein Handy", sagte etwa Angela Pittermann aus Markdorf. "Im Moment geht es gut so, weil seine engsten Freunde auch keines haben." Wie lange das noch so ist, sei allerdings fraglich. Ähnlich sieht Judith Hameister aus Kluftern die Situation: „Bei meinem Sohn in der Klasse haben mehrere Kinder noch kein Handy, daher gibt es bislang keinen Gruppenzwang und das ist gut." Nach ihrer Ansicht müssen Kinder langsam an das Medium herangeführt werden.

Judith Hameister und Damir Ehlizevak (von links) tauschen sich nach dem Vortrag mit Kathi Otto aus. Sie ist Lehrerin und Multimediaberaterin am Markdorfer Gymnasium.
Judith Hameister und Damir Ehlizevak (von links) tauschen sich nach dem Vortrag mit Kathi Otto aus. Sie ist Lehrerin und Multimediaberaterin am Markdorfer Gymnasium. | Bild: Gabriele Münzer

Damir Ehlizevak, dessen Tochter bereits ein Smartphone besitzt, meint: „Digital ist die Zukunft, daher finde ich es schwierig, 'Nein' zu sagen." Man müsse mit den Kindern über die Gefahren reden und erklären, wie man sich davor schützen kann. Lutz Pietsch, ebenfalls aus Kluftern, berichtet: "Meine Tochter hat auch noch kein Handy und bisher dadurch keine gravierenden Probleme." Er empfinde es als eine große Aufgabe, mit dem Thema Smartphones und Apps richtig umzugehen.

Der Druck vom Umfeld kann hoch sein

Dass das Thema Smartphone kein einfaches ist, erfährt Kathi Otto, Lehrerin am Gymnasium und Multimediaberaterin der Schule, nur zu oft. Wenn einzelne Kinder kein Smartphone haben, könne es tatsächlich zu sozialer Ausgrenzung kommen, erklärte sie. Der Druck vom Umfeld sei schon sehr hoch.

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Und durch die intensive Smartphone-Nutzung der Schüler ergeben sich noch weitere Herausforderungen im Schulalltag. „Jugendliche sind zunehmend abhängig von ihren Smartphones und benutzen dadurch die Handys in der Schule trotz Verbots", beschreibt Diana Amann, Schulleiterin am Gymnasium, auf Nachfrage des SÜDKURIER. Das beeinträchtige den Schulalltag insofern, dass es für die Lehrer ein beträchtlicher Aufwand sei, das Verbot durchzusetzen.

"Der Kopf ist nicht immer fürs Lernen frei"

Auch auf die Lernleistung habe der Handykonsum einen negativen Einfluss. „Die Schüler sind zu Hause über ihr Smartphone mit Freunden vernetzt, verbringen viel Zeit mit dem Medium", so Amann. "Selbst wenn der Konsum von den Eltern eingeschränkt wird, ist der Kopf fürs Lernen nicht immer frei. Die Erwartungshaltung, was in der Zwischenzeit online passiert, während der Schüler offline ist, ist einfach sehr groß."

Aber nicht nur die exzessive Nutzung der Smartphones ist mitunter ein Problem, für das in der Familie eine Lösung gefunden werden müsse. Vielmehr sollte man sich auch intensiv mit den Themen Datenschutz und Sicherheitseinstellungen befassen, wenn Apps benutzt würden, erklärten Christian Schmidt und Kathi Otto den Eltern.