Eigentlich sind die aktuellen Smartphone-Modelle toll. Einfach mal schnell ein Foto machen, diesem bei Bedarf mit ein paar Fingertippern einen Effekt verpassen und dann in den sozialen Medien mit Freunden teilen. Ähnlich komfortabel funktioniert das auch mit Videoschnipseln. Im Internet surfen, E-Mails abrufen? Eh klar, ist längst gängiger Standard. Ach ja und telefonieren kann man natürlich auch noch mit diesen Schlautelefonen.

Ein Turnschuh mit Zahl

Doch manche Geräte sind je nach Ausstattung und Software smarter als einem lieb ist, wie mir mein neues Gerät vor Augen führt: Fortlaufend gibt's Informationen auf dem Sperrbildschirm: ein Turnschuh, daneben eine Zahl. Ja klar, das ist ein Schrittzähler. Aber wenn das Telefon schon so schlau wie irgendmöglich sein soll, könnten IT-Experten dieser Kiste auch Manieren und Benimm beibringen – sprich programmieren. So eine Überwachung auf Schritt und Tritt brauche ich nicht, will ich auch nicht. Ich merke schon von alleine, dass ich in Markdorf oder sonst wo zu Fuß unterwegs bin und mir ist es völlig schnuppe, wie viele Schritte ich von A nach B und weiter nach C oder D benötige.

Schrittzähler bleibt beharrlich

Aber der Schrittzähler meldet sich beharrlich, ohne dass ich diese Funktion jemals aktiviert habe. Die Kiste hätte anstandshalber ja schon während der Inbetriebnahme fragen können, ob es mich überhaupt interessieren könnte, wie viele Schritte ich alltäglich gehe. Also in der App-Kiste gekramt, wo dieser unerwünschte Schrittzähler zu finden ist. Auf dass er stillgelegt, sozusagen mundtot gemacht werde.

Kramen im der App-Kiste

Doch nun spielt diese Kiste ihre künstliche Intelligenz mit der ganzen ihr zur Verfügung stehenden Programmierung und Prozessormacht aus... Die erste Vermutung war ja, dass da irgend so ein Gesundheitsprogramm, so ein "Health"-Ding zugange ist. Beim Tippen auf das passende Symbol wird gleich klar, dass diese App nicht aktiviert ist. Also sofort auf "Abbrechen" und raus aus dieser Nummer, ehe noch so ein Wächter auf Patrouille ist.

Das Kramen in der App-Kiste entwickelt sich nach ein paar Minuten zum noch weniger erwünschten Geduldsspiel. Die Begriffsuche "Schrittzähler" zeitigt auch keinen Erfolg. Also muss doch die Bedienungsanleitung herhalten und mich angenervten Telefonbenutzer darüber informieren, wo dieser Schrittzähler versteckt worden ist.

Irrgartengleiches Menü

Diese Funktion ist im irrgartengleichen Menü "Einstellungen, Sicherheit & Datenschutz, Bildschirmsperre & Passwörter" sowie "Schrittzähler anzeigen" getarnt. Alles klar? Natürlich dort, wo jeder Nicht-IT-ler zuerst sucht. Ist doch vollkommen logisch, wo sonst sollte ein Schrittzähler zu finden sein. Auf das Turnschuh-Symbol tippen zu können, um dann mit einem zweiten Tipper diese Funktion auszuschalten? Nee, is' nich' – das wäre doch viel zu simpel. Genau, warum einfach, wenn's auch kompliziert geht.

Unversehens im nächsten Labyrinth

Und so lernst du gezwungenermaßen Seiten von deinem Telefon kennen, von denen du gar nicht wusstest, dass es sie gibt. Das erste Labyrinth ist nach Anleitung gemeistert. Und was hab' ich jetzt davon? Fast nix. Denn höchstwahrscheinlich stolpert man unversehens gleich schon ins nächste. Und wehe, die Kiste erzählt mir auch noch, wie oft ich am Tag blinzle, die wievielte Tasse Kaffee getrunken wurde oder weiß der Geier was sonst noch unbemerkt kontrolliert werden könnte... Ach, blas' mir doch in' Schuh.