„Räder, E-Bikes, Teile, Reparaturen“ heißt es knapp. All das gibt‘s allerdings nur am Samstag – und dann auch lediglich von neun bis vierzehn Uhr. So wirbt „Fahrrad Hienerwadel“ schon seit Jahren Woche für Woche im Markdorfer Amtsblatt. Laufkundschaft verirrt sich nur selten in die Jahnstraße. In der die Hienerwaldels wohnen und in der Karl-Otto Hienerwadel seinen Fahrradladen betreibt. Und das gelbe Schild am Grundstückseingang mit den Öffnungszeiten darauf springt auch wohl eher dem ins Auge, der schon weiß, dass er nun abbiegen und einige Stufen nehmen muss, um zur Werkstatt zu gelangen.

Fahrradgeschäft war immer Nebenerwerb

Dass hier jemand Reifen flickt, defekte Speichen austauscht, neue Schalt- und Bremszüge montiert, hat sich unterdessen herumgesprochen in der Stadt. Insbesondere seitdem Fahrrad Hienerwadel das einzige Fahrradgeschäft ist. Dementsprechend lag sind auch die Wartezeiten für Reparaturen. Reparaturen, für die sich Karl-Otto Hienerwadel keineswegs nur an Samstagen Zeit nimmt. Erst recht nicht, seitdem er Rentner ist. Sein Fahrradgeschäft war stets nur Nebenerwerb – neben dem Hauptberuf als Ingenieur in der Raumfahrt. „Unsere Öffnungszeiten gelten natürlich nur für die „normalen“ Kunden“, erklärt Hienerwadel. Keine „normalen“ Kunden seien Radtouristen. Reisende, deren Reise wegen eines Velo-Defekts stockt. Für die gibt‘s immer einen Ersatzschlauch. Oder ein ganzes Hinterrad.

Das Einspeichen eines Laufrades verlangt Geschicklichkeit, Geduld und sehr, sehr viel Erfahrung. Die hat Hienerwadel.
Das Einspeichen eines Laufrades verlangt Geschicklichkeit, Geduld und sehr, sehr viel Erfahrung. Die hat Hienerwadel. | Bild: Jörg Büsche

Seit 29 Jahren betreibt Karl-Otto Hienerwadel sein Fahrradgeschäft. „Aus Spaß“, sagt er. Aber er tut es auch aus Überzeugung. „Weil ich das Fahrrad für ein ausgesprochen sinnvolles Fortbewegungsmittel halte. Eine bessere Umweltbilanz sei kaum zu erreichen. Für ihn ist das Rad eine vernünftige Alternative zum Auto. Seinen Weg zur Arbeit habe er jedenfalls Tag für Tag auf dem Velo-Sattel bewältigt. Es sei denn, es ging per Flugzeug zu einem der Weltraum-Bahnhöfe in Russland oder auf Französisch Guyana. Aber selbst dort, in Kourou hatte Hienerwadel ein „Dienstrad“.

Eigene Erfahrungen mit eingeflossen

Angefangen habe es mit Reiserädern. Die müssen zuverlässig sein, auch bequem. Damals Ende der 1980er-Jahre „hatte das Rad allmählich seinen Ruch als Arme-Leute-Vehikel verloren“, erklärt Hienerwadel. „Doch bis man in Hotels und Gasthöfen mit offenen Armen empfangen wurde hat es noch etwas gedauert.“ Die Hienerwadels, das Elternpaar und seine beiden Kinder, hat das nicht abgeschreckt. Sie tourten mit ihren Reiserädern unverdrossen durch Skandinavien. „Und unsere Erfahrungen von unterwegs sind selbstverständlich ins Geschäft eingeflossen.“ Komponenten, Material, Ausstattung sollten alltags-, das heißt vor allem reisetauglich sein. Und lange Jahre hatte Fahrradhändler Hienerwadel auch Zubehör im Sortiment wie Fahrradkleidung, Gepäcktaschen, Regenzeug – und „von Anfang an auch Helme“. Helme, auf die bei Touren in den Niederlanden die Holländer irritiert reagiert haben, die der Fahrradhändler aus Markdorf indes nach wie vor für unabdingbar hält.

Steht eigentlich immer am Montageständer

Sofern er nicht gerade Kunden bedient, ihnen die Vorzüge dieses Mountain-Bikes gegenüber jenem erklärt oder wie ein E-Bike zu bedienen ist, steht Fahrradhändler Hienerwadel eigentlich immer an seinem Montageständer. Wo er Schaltungen neu einstellt, Bremsklötze oder -belege austauscht oder defekten Fahrradlampen wieder zum Leuchten bringt beziehungsweise sich seit einigen Jahren nun auch an Pedelec-Elektronik zu schaffen macht. Mitunter sitzt er auch, zwei Meter neben dem Montageständer, an einer Felge und zentriert. „Glasvitrinen mit Highend-Edel-Komponenten gibt‘ bei mir nicht“, so Hienerwadel. Stattdessen werde Pragmatik ganz groß geschrieben. Was seine Kunden sehr zu schätzen wissen. Darunter übrigens eine ganze Reihe Velo-Fahrer, die das ganze Jahr über zwischen Markdorf und Friedrichshafen pendeln.