Schlimmer geht immer. Aber viel Luft nach unten blieb – was das Wetter belangt – beim 28. Dreikönigslauf nun wirklich nicht: Am Parkplatz Vogelsang oberhalb von Möggenweiler standen die Teilnehmer am Sonntagmorgen gegen 9.30 Uhr im Schneeregen, das Thermometer zeigte gerade einmal zwei Grad an. Wassermassen schossen die Fahrrinne herunter, die mehr einem Bachbett glich, als einer Straße. Präsentierte sich tags zuvor der Gehrenberg noch als echtes Winterwunderland, war am Sonntag kaum noch etwas davon übrig.

Insgesamt rund 60 Läufer, Walker und Wanderer gingen beim Dreikönigslauf am Gehrenberg an den Start. Bei Schneeregen und Schneematsch bewältigten sie unterschiedlich anspruchsvolle Strecken.
Insgesamt rund 60 Läufer, Walker und Wanderer gingen beim Dreikönigslauf am Gehrenberg an den Start. Bei Schneeregen und Schneematsch bewältigten sie unterschiedlich anspruchsvolle Strecken. | Bild: Helga Stützenberger

Teilnehmer auch aus dem Allgäu

Ein echtes Wunder also, dass gut 60 Läufer, Walker und Wanderer trotz der erschwerten Bedingungen den Weg zum Berg gefunden hatten. "Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung", sagte Organisator Herbert Eberhardt vor dem Start. "Und eine gute Ausrede", fügte er scherzhaft bei.

Das könnte Sie auch interessieren

Tatsächlich waren einige Läufer mehr für den traditionellen Lauf angemeldet, als an diesem Morgen erschienen waren. "Da hat wohl mancher das Sofa heute vorgezogen", sagte Eberhardt. Andere haben dafür sogar richtig weite Anfahrten auf sich genommen. Karin Gutemann etwa kam mit dem Auto an diesem Sonntagmorgen direkt aus Wangen im Allgäu. "Da weiß man erst, was viel Schnee und schlechte Straßenverhältnisse bedeuten", erzählte die gebürtige Markdorferin. Die Verhältnisse am Gehrenberg seien dagegen kaum der Rede wert. "Ich wollte den Lauf unbedingt mitlaufen, weil die Stimmung jedes Jahr so toll ist", betonte sie ihren persönlichen Bezug zu dieser Laufveranstaltung.

Die Jacken noch trocken, die Schuhe noch dicht. Rund eineinhalb Stunden später sahen die sechs Läufer etwas anders aus. Von links: Jörg Angrik, Reiner Kammer, Gregor Traub, Willi Metzger, Margret Höll-Roth und Albert Braig.
Die Jacken noch trocken, die Schuhe noch dicht. Rund eineinhalb Stunden später sahen die sechs Läufer etwas anders aus. Von links: Jörg Angrik, Reiner Kammer, Gregor Traub, Willi Metzger, Margret Höll-Roth und Albert Braig. | Bild: Helga Stützenberger

Wege nur schwer zu erkennen

Viele der Teilnehmer kennen sich am Gehrenberg aus, kommen direkt aus Markdorf, aber auch aus dem gesamten Bodenseekreis und sogar von weiter weg. Viele waren zum wiederholten Male bei dieser Laufveranstaltung mit von der Partie, aber für manche war es auch eine Premiere. Felix Bellgardt etwa hat an diesem Sonntag den Berg erst kennengelernt – und der Linzgau-Drumlin zeigte sich beileibe nicht von seiner besten Seite. "Wir müssen unbedingt zusammen bleiben, habe ich irgendwann zu den anderen gesagt", erzählte der Sipplinger nach dem Lauf. Denn wenn das Wegenetz auf dem Gehrenberg ohnehin schon äußert schwierig zu durchschauen und zu durchstreifen ist, wie schwer findet man sich dann erst zurecht, wenn aufgrund der Schneehöhen überhaupt keine Wege mehr zu erkennen sind?

Barbara Mayer, Hermann Braun und Volker Joos (von links) kurz vor dem Start.
Barbara Mayer, Hermann Braun und Volker Joos (von links) kurz vor dem Start. | Bild: Helga Stützenberger

Läufer müssen Strecke abkürzen

"Tatsächlich mussten wir die Strecke variieren", sagte Willi Metzger, der zusammen mit Felix Bellgardt und sieben weiteren Läufern in dieser kleinen Gruppe unterwegs war. "Je höher wir kamen, desto mehr hat es geschneit, und bald war von den Wegen überhaupt nichts mehr zu sehen", erzählte er. Sogar für den geübten Läufer sei das Laufen bei diesen Schneeverhältnissen sehr schwierig gewesen. "So schwierig, dass wir die Strecke abkürzten, denn die lange Distanz von 22 Kilometern wollte heute keiner laufen", erklärte der ambitionierte Langstreckenläufer.

Gregor Traub (links) und Willi Metzger ließen sich vom Wetter nicht den Spaß nehmen.
Gregor Traub (links) und Willi Metzger ließen sich vom Wetter nicht den Spaß nehmen. | Bild: Helga Stützenberger

Schwierige Orientierung auf verschneiten Abschnitten

Auch wenn von Wollen nicht die Rede war – ein Teilnehmer lief unfreiwillig weiter, als geplant. Reiner Kammer aus Salem-Beuren war in einem Zweierteam unterwegs. "Irgendwann verlief sich die Spur völlig und der Weg war nicht mehr erkennbar. Dann mussten wir wohl falsch abgebogen sein", erzählte er. Der Schnee sei immer höher geworden, sie seien immer tiefer eingesunken, und das Durchkommen sei immer beschwerlicher geworden. Die beiden Läufer mussten den Gehrenberg von einer ganz neuen Seite entdeckt haben: "Da war ich mein Leben lang noch nie, wo wir überall gelaufen sind", sagte der Salemer, der sich bislang in seiner Heimat auszukennen glaubte. "Wir hatten keinen Plan mehr, wo wir sind. Und eigentlich wollten wir auch nicht so weit laufen", erzählte Reiner Kammer, der im Nachhinein darüber lachen konnte – und das nach immerhin rund 20 Kilometern.

Analog zu jedem Höhenmeter stieg auch die Schneehöhe, und der anfängliche Schneeregen ging bald in kräftigen Schneefall über.
Analog zu jedem Höhenmeter stieg auch die Schneehöhe, und der anfängliche Schneeregen ging bald in kräftigen Schneefall über. | Bild: privat

Strapazen sind nach dem Lauf schnell vergessen

Die Strapazen des Laufs im Tiefschnee waren ihm nach dem Lauf nicht mehr anzusehen. Er strahlte, und seine Wangen waren gut gerötet. So, wie alle Wangen der nach und nach in ihren triefenden Jacken und schmatzenden Schuhen im Gasthof Paradies eintrudelnden Läufer, Walker und Wanderer. Beim traditionellen Hock nach dem Dreikönigslauf vergaßen sie schnell das Wetter draußen vor der Tür.