Um der Taubenkolonie in Markdorf Herr zu werden, die Taubenpopulation und Verschmutzungen zu verringern, wird eine kontrollierend betreute Taubenanlage nach dem Regensburger Modell im Parkhaus Poststraße eingebaut. Der Gemeinderat hat das in jüngster Sitzung am Dienstagabend beschlossen und die geschätzten Gesamtkosten von 71 000 Euro für den Einbau inklusive Strom- und Wasserversorgung und einen gebrauchten Hubsteiger bewilligt.

In das Parkhaus Poststraße wird eine betreute Taubenstation nach dem Regensburger Modell eingebaut. Der Taubenschlag wird betreut, es gibt frisches Wasser und gutes Futter, es werden Locktauben eingesetzt, die Gelege werden kontrolliert und die Eier ausgetauscht.
In das Parkhaus Poststraße wird eine betreute Taubenstation nach dem Regensburger Modell eingebaut. Der Taubenschlag wird betreut, es gibt frisches Wasser und gutes Futter, es werden Locktauben eingesetzt, die Gelege werden kontrolliert und die Eier ausgetauscht. | Bild: Georg Wex

Derzeit rund 100 bis 150 Tauben

Berater Frank Wilm, Astum GmbH, hat im Gemeinderat eine Einschätzung zur Markdorfer Taubenproblematik abgegeben und einen Lösungsvorschlag nach dem Regensburger Modell unterbreitet: "Geschätzt gibt es in Markdorf zirka 100 bis 150 Stadttauben. Eine Taube produziert im Jahr zirka zehn Kilogramm Kot, das bedeutet für Markdorf zirka eine bis 1,5 Tonnen pro Jahr." Der Taubenkot stelle ein erhöhtes Gesundheitsrisiko für Mensch und Tier dar.

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Tauben vermehren sich sehr schnell

Der Experte rechnete beispielhaft vor, dass 50 Taubenpaare in fünf Wochen etwa 100 Jungtauben ausbrüten können. Die Vermehrung sei im Wesentlichen vom Futter-, Brut- und Nistplatzangebot abhängig. Vergrämungsmaßnahmen (Abwehr/Vertreibung) führten lediglich zu einer Verlagerung des Problems in die unmittelbare Umgebung.

Diese Aufnahme zeigt Beispiel für ein Taubenhaus nach Regensburger Modell mit Nistmöglichkeiten, in denen die Gelege kontrolliert und die Eier ausgetauscht werden.
Diese Aufnahme zeigt Beispiel für ein Taubenhaus nach Regensburger Modell mit Nistmöglichkeiten, in denen die Gelege kontrolliert und die Eier ausgetauscht werden. | Bild: Ferry Wittke

Hauptproblemzone: Bereich Ochsenlücke

Im Wesentlichen sind die Tauben in den Bereichen entlang der Markt- und Hauptstraße. Als Hauptproblemzone nannte Wilm den Bereich Ochsenlücke. Deshalb und weil Tauben sehr standorttreu sind, sei das Parkhaus Poststraße für das Einrichten eines Taubenschlags mit Betreuung, Einsatz von Locktauben und Gelegekontrolle mit Austausch von Eiern geradezu ideal. Es könne bis zu zwei Jahren dauern, bis die Maßnahmen gute Erfolge zeitigen. Wilm riet, unverzüglich tätig zu werden: "Die Brutsaison beginnt im März."

Stadttauben auf einem Dach im Bereich Ochsenlücke. Dieses Areal ist die Hauptproblemzone in Markdorf.
Stadttauben auf einem Dach im Bereich Ochsenlücke. Dieses Areal ist die Hauptproblemzone in Markdorf. | Bild: Georg Wex

Personalkosten bei 400 bis 450 Euro

Stadträtin Susanne Strässle (CDU) hakte wegen weiterer Kosten zum Beispiel für Betreuer nach. Hauptamtsleiter Schiele erklärte, es seien 400 bis 450 Euro monatlich zu veranschlagen. Die Verwaltung habe den Kleintierzuchtverein kontaktiert, dort gebe es eine erfahrene Person, die bereit sei, tätig zu werden. Zudem brauche es frisches Wasser und gutes Futter, damit die Tauben das Angebot annehmen und sesshaft werden.

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Stadtrat schlägt Einsatz von Falknern vor

Stadtrat Roland Hepting (UWG) war skeptisch. Er als Jäger schlug vor, einen Falkner zu engagieren. Wilm hielt dagegen. Die Stundensätze von Falknern seien hoch. Es gebe zahlreiche Beispiele dafür, dass solches Bejagen der Tauben auf Dauer nicht erfolgreich sei. Wie Hepting führte Stadtrat Andreas Schley (UWG) die notwendige Sanierung des Parkhauses an.

Bürgermeister Georg Riedmann erklärte, dass die Sanierung der Tiefgarage Bischofsschloss dringlicher sei. Wilm sagte, die Tauben könnten wegen der Bauarbeiten erforderlichenfalls vom Parkhaus Poststraße umgesiedelt werden. Entweder innerhalb Markdorfs oder sogar bis nach Radolfzell. Allerdings würden die Tauben zurückkehren, weil für sie der Bereich Parkhaus das Zuhause sei.