Nathan heißt der Junge. Seine Mutter und sein Vater sind geschieden. Nun muss er nur noch gegen sie ankämpfen – beim fortwährenden Mühen um die Sprache. Die Mutter will ihm die derben Ausdrücke verbieten, sagt aber selbst öfter Derbes. Wenn‘s ihr herausrutscht – beim schwierigen Versuch, den Alltag ihrer geschrumpften, keineswegs auf Rosen gebetteten Rest-Familie zu bewältigen. Doch was sich auf den ersten Seiten wie eine weitere Geschichte über prekäre Lebensverhältnisse liest – Nathans Mutter ist Pianistin und erträgt ihre Situation nur, weil sie Beruhigungsmittel einnimmt – das entwickelt sich keineswegs zur Milieustudie, sondern zu einer veritablen Gruselgeschichte.

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Geheimnisvolles Gartentor, normales Londoner Vorstadtleben und eine verwesende Katze

Eigentlich nicht das Genre, das Uschi Hütz, Bibliothekarin an der Bibliothek des Markdorfer Bildungszentrums, besonders mag. Bei Nathan und all den anderen Figuren in David Mitchells neuem Roman „Slade House“ macht sie aber eine Ausnahme. Nicht nur, weil die beschriebene Atmosphäre so dicht ist. Viel gruseliger, viel geheimnisvoller und vor allem viel britischer als hier hinterm überraschend leichtgängigen Eisentor von Lord und Lady Grayers Garten kann es kaum sein. Schon deshalb nicht, weil sich draußen, vor der geheimnisvollen Gartentür, das ganz normale Londoner Vorstadtleben abspielt. Sieht man einmal ab von einer verwesenden grauen Katze.

Autor als Meister im Zusammenführen von Stimmungen

„Brillant geschrieben“, sagt Bibliothekarin Hütz über Mitchells Buch. Der Autor habe einmal mehr seine überbordende Fantasie spielen lassen. „Und für einen Schauerroman steckt erstaunlich viel Humor drin“, findet Uschi Hütz. Überhaupt sei Mitchell Meister im Zusammenführen von Stimmungen, Situationen und Seelenlandschaften seiner Figuren. Alles, auch das Unwirklichste, geschehe märchenhaft plausibel. „Alle neun Jahre finden Besucher den Weg durch die Gartentür“ skizziert Uschi Hütz den Plot, „um im Slade House ihre Seele zu verlieren“. Und das mit größter Selbstverständlichkeit – quasi wie im Traum.

David Mitchell: Slade House. Roman. 240 Seiten. Rowohlt Buchverlag. 20 Euro. Weitere Lektüretipps folgen.