Die Programme anlässlich der literarisch-musikalischen Sommerkonzerte in der Markdorfer Mauritiuskapelle, gestaltet von Katja Verdi (Blockflöte) und Tina Speckhofer (Cembalo und Blockflöte), haben laut Veranstalter immer eine besondere Note. Dieses Mal holten sie Jörg Büsche als Sprecher und Mitgestalter mit ins Boot und entwickelten eine Auswahl an Musik und Literatur zum Thema "Licht und Schatten, Schatten und Licht". Dabei holten sie, wie jedes Jahr zu den Sommerkonzerten der Musikschule, die Kapelle aus ihrem Schattendasein.

Die drei Renaissancealtäre glänzten farbenfroh im Licht der Pultleuchten. Ein achsensymmetrisches Programm. Anfang und Ende bildeten Renaissance-Stücke auf Sopran- und Tenorflöten (Licht und Schatten "umgarnen" einander), im Wechsel mit Texten von Hölderlin und Schiller. Dann je ein Präludium aus dem "Wohltemperierten Klavier" von J. S. Bach zu "Schatten" aus "Meyers großes Konversationslexikon (1905)" und einem Text von Heinrich Heine (1823). Das nächste Symmetriepaar bildete Musik von G.P. Telemann aus seinen Solofantasien und Flötenduetten, mit Texten aus Goethes "Faust I", "Werther" und aus Chamissos "Peter Schlemihl", bei dem sich der Protagonist seinen Schatten vom Teufel abkaufen läßt. Ein altes Motiv, das aus Volkssagen wohlvertraut ist.

Symmetrieachse bildet den Höhepunkt

Die Symmetrieachse bildete gleichzeitig den Höhepunkt: die großartige dreisätzige Triosonate BWV 530 von Bach, kombiniert mit einem längeren Erzählstrang aus Christoph Martin Wielands Schelmenroman "Die Abderiten". Hier streiten zwei, ob auch der Schatten eines gemieteten Esels vom Mieter genutzt werden darf oder gesondert bezahlt werden muss. Eine vertrackte Schildbürgerei, über die sich eine ganze Stadt entzweit und zum Schluss den unschuldigen Esel in Stücke reißt und aufisst.

Autor Wieland war übrigens Biberacher und der Eselsschatten steht als Skulptur von Peter Lenk auf dem Biberacher Marktplatz. Und ein Augenzwinkern mit auf den Heimweg: Am Ausgang gab's für jeden ein Stück (Esels)Salami ...