Zahlreiche Vereine klagen über fehlenden Nachwuchs. Nicht der Schachklub Markdorf, denn der betreibt eine zielgerichtete Jugendarbeit – und ist erfolgreich dabei. Der verhältnismäßig kleine Verein mit 35 Aktiven betreut eine Kinder- und Jugend-Gruppe, in der ein Dutzend junger Talente spielen.

Bei Aikko Wiethoff war es ein Kommentar. Der 13-Jährige kann sich noch gut erinnern, wie er den Weg in den Markdorfer Schachklub gefunden hat. Sechs Jahre sei das nun her. Zusammen mit seinem Vater habe er beim großen Schachbrett am Immenstaader Hafen gestanden und den Spielenden zugeschaut. "Das hat mich schon immer fasziniert", erklärt der Schüler. Einmal sei ihm eine Bemerkung herausgerutscht, als eine günstige Gelegenheit übersehen worden war. Das war der Moment, der Matija Kolas hellhörig machte. Der passionierte Spieler und Co-Jugend-Trainer im Markdorfer Schachklub war ebenfalls unter den Zuschauern. Sofort sprach er Aikko an, ob der Junge nicht in Markdorf mitspielen wolle.

Der Schachklub Markdorf ist dank seiner guten Jugendarbeit noch lange nicht in der Endspiel-Phase.
Der Schachklub Markdorf ist dank seiner guten Jugendarbeit noch lange nicht in der Endspiel-Phase. | Bild: Jörg Büsche

"Wir sind immer auf der Suche nach Talenten", erklärt Kolas. Seinen Nachwuchsspielern begegne man durch Zufall – wie am Schachbrett auf dem Immenstaader Hafengelände. Auf Nachwuchs könne man aber auch gezielt zugehen, indem man etwa an einer Grundschule eine Schach-AG gründet. "Wir haben das vor einiger Zeit gemacht und waren recht erfolgreich damit", sagt Kolas. Seit der Club in der Markdorfer Jakob-Gretser-Schule im Rahmen der Ganztagsbetreuung zum königlichen Spiel einlädt, nehmen dort stets etliche junge Schachbegeisterte teil.

"Ich habe selber drei Kinder", schmunzelt Donald Colljer, "ich weiß wie man sie zu etwas motiviert." Colljer geht im Auftrag des Schachklubs regelmäßig an die Grundschule, um den rund acht Mädchen und Jungen in der AG Spielzüge nahezubringen. "Schach fördert die Konzentration", wirbt der jungenhaft wirkende Trainer für seinen Sport, "Schach fördert das logische Denken, auch das vorausschauende Denken." Seine Begeisterung für das Brettspiel ist Donald Colljer deutlich anzuhören: "Selbstvertrauen und den Respekt vor dem Gegner gewinnt man ebenfalls beim Schach spielen."

Schachtrainer Donald Colljer weiß Kinder zum königlichen Brettspiel zu motivieren.
Schachtrainer Donald Colljer weiß Kinder zum königlichen Brettspiel zu motivieren. | Bild: Jörg Büsche

An gesundem Selbstvertrauen mangelt es Eric Bravo Granström nicht. Der 12-Jährige spielt seit zwei Jahren wieder intensiver Schach, mit großem Erfolg. Neben dem ein Jahr älteren Aikko zählt er zu den vielversprechenden Talenten des Markdorfer Clubs. Gutes Abschneiden bei den Wettbewerben bestärken diese Hoffnungen.

Auch beim 12-jährigen Erik hat die Begeisterung für das Schachspiel ihren Ausgang in der Familie genommen. "Mein Vater hat es mir beigebracht", erinnert er sich. Damals war er vier. Und er habe sein Interesse bald wieder verloren – bis es etliche Jahre später erneut aufkeimte. "Man muss dranbleiben", erklärt Donald Colljer. "Das ist genauso wie beim Fußball – nur wer kontinuierlich trainiert, wird besser und behält den Spaß an der Sache." Der Spaß am Spiel sei das Entscheidende beim Schach. Und der Spaß sei altersunabhängig. "Wir haben Spieler im Club, die sind jetzt über 90, gehörten vor 60 Jahren zu den Gründungsmitgliedern", erklärt Matija Kolas. Zum regelmäßigen Training kommt jedoch auch eine Gruppe 15- bis 17-Jähriger, denen das Spiel am quadratischen Brett mit seinen 32 weißen und 32 schwarzen Feldern großes Vergnügen bereitet.

Eine kaum zu unterschätzende Rolle spielt dabei, wovon der junge Erik berichtet. "Unser Club-Vorsitzender ist ein FIDE-Meister." Mit "FIDE" kürzt sich der Weltschachbund ab. Dass sich Vereinschef Dieter Knödler in dessen Spielerlisten sehr weit nach oben gespielt hat, beeindruckt viele junge Spieler. Desgleichen beeindrucken sie die Eröffnungen und Endspiele, die ihnen Dieter Knödler beim gemeinsamen Training nahebringt.

 

Schachklub Markdorf

Der Markdorfer Schachklub wird in diesem Jahr 60. Am 30. November 1958 wurde er im Gasthaus "Walser" gegründet. Dank seiner guten Jugendarbeit erlebte der Verein in den End-70er- und 80er-Jahren eine Blüte mit großen Siegen in der Landesliga. Das Glück blieb den Markdorfer Spielern aber nicht hold, wie die wechselvolle Vereinsgeschichte zeigt. Derzeit kann sich der Verein auf 35 aktive Spieler stützen. Außerdem gehören ihm 20 passive Mitglieder an. Die Jugend trainiert freitags von 18 bis 19.30 Uhr im Vereinsheim an der Marktstraße. Das gilt bis 15. März auch für die Senioren (ab 19.30 Uhr), die sich sonst im Gasthaus "Krone" treffen.

Der Verein im Internet: www.skmarkdorf.schachvereine.de