Wer hätte das gedacht? "Ich nicht!", beteuert Franziska. Auch Nico und Julius, Luis und Philipp, Sebastian, Verena und Matilda glaubten nicht so recht daran, dass das Papierboot, zusammengehalten von eingekleisterten SÜDKURIER-Seiten, Holzlatten und einer dicken Schicht Bootslack, seetauglich sei. Nur einer war sich sicher: "Nach der ersten Lackschicht wusste ich: das Ding wird halten", sagt Uwe Schulz, der mit Ideengeber Dietmar Bitzenhofer und der Jugend der Historischen Narrenzunft Markdorf das Vorhaben des wagemutigen Wassergefährts verwirklicht hat.

Nun wurde nach wochenlangem Arbeiten am vergangenen Freitag das Boot in Meersburg zu Wasser gelassen. Zunächst jedoch galt es – wie es sich für richtige Seefahrer gehört – in einem feierlichen Akt die Taufe zu vollziehen. "Eine Frau dies der Tradition nach tut", erklärte Zunftmeisterin Birgit Beck in einer launigen Rede in Gedichtform. Und so wurde nach erfolgter Sekttaufe das Narrenschiff "NS Swimmy" seiner Bestimmung übergeben.

"Auf deine Mannschaft sei Verlass, wirst du unsterblich paddeln auf dem trauten Nass", dichtete Zunftmeisterin Birgit Beck anlässlich der Sekttaufe des "NS Swimmy".
"Auf deine Mannschaft sei Verlass, wirst du unsterblich paddeln auf dem trauten Nass", dichtete Zunftmeisterin Birgit Beck anlässlich der Sekttaufe des "NS Swimmy".

Das war zunächst gar nicht so einfach, denn das Boot erwies sich als ganz schön wackelig. Es war zu wackelig, um den Wellen der großen Kursschiffe sowie der Strömung im Konstanzer Trichter standzuhalten. Und der Seeweg war zu weit, um von den Kindern gepaddelt zu werden. "Hätten wir den kleinen Hilfsmotor nicht gehabt, würden wir wohl heute noch paddeln", schmunzelt im Nachhinein Dietmar Bitzenhofer. Dass dieses Unterfangen, das Boot über den Seeweg von Meersburg bis zum SÜDKURIER-Medienhaus nach Konstanz zu überführen, kein Leichtes werden würde, war ihm bewusst. Dass der Schwimmkörper ein recht kippanfälliger sein würde, auch damit rechnete Bitzenhofer.

So galt es zunächst, eine tragfähige Konstruktion anzufertigen aus einem weiteren, unbemannten Kanu, das zum Einen dazu diente, zwei Autobatterien zu transportieren, und zum Anderen das Boot mit einem Gegengewicht stabilisierte.

Gegen 15 Uhr konnte das Boot schließlich zu Wasser gelassen werden. Und eine halbe Stunde später saß Sebastian, der erste Kapitän des "NS Swimmy", mit Steuermann Dietmar Bitzenhofer im Pappmachée-Rumpf, um Kurs aufs Konstanzer Hörnle zu nehmen. Begleitet von einer Abordnung der Historischen Narrenzunft und der eigens für diesen Anlass gecharterten "Lädine" unter Steuermann Markus Boese, durfte jedes der Kinder im Wechsel einmal das Bötchen steuern.
 

Als das rettende Ufer unter der Neuen Rheinbrücke im Seerhein endlich zum Greifen nah war, war die Erleichterung in den Kinderaugen sichtbar. Kein Grund freilich, in diesen Momenten des Glücks innezuhalten. Jetzt mahnte die Zeit zur Eile! Als auch noch die letzte Hürde, nämlich ein verschlossenes Tor, genommen war, galt es zu dieser späten Stunde – immerhin war es schon fast 18.30 Uhr – nur noch Fersengeld zu geben. Denn längst wurden die Schifffahrer erwartet im SÜDKURIER Medienhaus. Das letzte Stück mit dem Boot im Schlepptau über den Landweg zurückgelegt, tauchte endlich der blaue Schriftzug des "Anstifters" zu diesem Projekt auf. Das Narrenschiff erreichte seinen Heimathafen! Und SÜDKURIER-Chefredakteur und "Hausherr" Stefan Lutz empfing die ganze Kinderschar mit einem laut vernehmbaren Staunen über diese Aktion.

Nach einer abenteuerlichen Seefahrt haben die Kinder der Historischen Narrenzunft Markdorf mit ihrem Zeitungspapier-Boot endlich das SÜDKURIER-Medienhaus in Konstanz erreicht. Chefredakteur Stefan Lutz begrüßte die Kinder höchstpersönlich. Bilder: Helga Stützenberger
Nach einer abenteuerlichen Seefahrt haben die Kinder der Historischen Narrenzunft Markdorf mit ihrem Zeitungspapier-Boot endlich das SÜDKURIER-Medienhaus in Konstanz erreicht. Chefredakteur Stefan Lutz begrüßte die Kinder höchstpersönlich. Bilder: Helga Stützenberger

Die Aktion

Die Bewerbungsfrist für die SÜDKURIER-Aktion "Vereinshelden" ist mit dem 30. September geendet. Weitere Bewerbungen können nicht mehr berücksichtigt werden. In den kommenden Wochen werden wir aber noch einige fristgerecht eingegangene Projekte vorstellen. Mit dieser Aktion setzt der SÜDKURIER Markdorf insgesamt 5000 Euro als Preis aus für herausragende Vereinsprojekte, die besonders unterstützenswert, nachhaltig oder innovativ sind. (hst)