Ist Nachwuchs unterwegs, sind die Eltern voller Vorfreude und betreiben eifrig Nestbau. Noch stärker sind sie nach der Geburt ihres Baby gefordert, schlaflose Nächte inklusive. Auch wenn immer mehr Väter Elternzeit nehmen, stehen insbesondere die Mütter vor der Frage, wie nach der turbulenten Phase der Wiedereinstieg in den Job am besten gelingt.

Ende März waren bei der Agentur für Arbeit im Bodenseekreis insgesamt 60 Berufsrückkehrerinnen gemeldet. „Jeder berufliche Wiedereinstieg stellt eine Herausforderung dar. Dabei erhöhen sich die Chancen auf einen Arbeitsplatz deutlich durch eine gute Planung, Organisation sowie eine gezielte Förderung“, sagt Katharina Franken von der Arbeitsagentur Konstanz-Ravensburg.

Frauen kehren nach Babypause früher zurück

Tendenziell sei zu beobachten, dass Frauen nach der Babypause heutzutage früher in den Beruf zurückkehren möchten oder müssen, als dies noch vor einigen Jahren der Fall gewesen sei. Umgekehrt habe aber auch die Zahl der Personen zugenommen, die aufgrund der Pflege von Angehörigen beruflich pausieren mussten.

Nach wie vor sei der berufliche Wiedereinstieg in erster Linie „Frauensache“. „Männliche Berufsrückkehrer stellen eher die Ausnahme dar“, stellt Franken fest. Dabei sei die Frage der Kinderbetreuung nicht selten ein Problem – je nachdem, wie sie vor Ort ausgebaut sei, insbesondere bei Kindern unter drei Jahren. „Die Beschränkung auf Teilzeittätigkeiten, insbesondere ausschließlich am Vormittag, verringern trotz der regional guten Arbeitsmarktsituation die Chancen erheblich ein“, berichtet Katharina Franken.

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In der Regel seien Frauen heutzutage gut qualifiziert und würden auf dem Arbeitsmarkt gebraucht. Je länger die praktische Berufserfahrung jedoch zurückliege, umso sorgfältiger sei zu prüfen, ob die beruflichen Kenntnisse noch auf dem aktuellen Stand seien. „Oft kann eine Auffrischung in Form einer Weiterbildung die Arbeitsmarktchancen deutlich erhöhen“, weiß Franken.

Wiedereinstieg klappt bei Elisabeth Kempf gut

Bei Elisabeth Kempf ist der Wiedereinstieg nach der Elternzeit vergleichsweise reibungslos gelungen. Ihre beiden Jungs sind drei und sechs Jahre alt und im Februar kam sie zurück an ihren Arbeitsplatz in der Auftragsabwicklung bei der Firma Wagner in Markdorf. „Hier habe ich bereits 2002 meine Ausbildung zur Industriekauffrau begonnen“, berichtet Kempf, die in dem kleinen Ort Denkingen in der Nähe von Pfullendorf wohnt.

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Bei der Geburt ihres ersten Sohnes habe sie drei Jahre Elternzeit eingereicht. „Ich habe aber bereits nach einem Jahr wieder an einem Tag pro Woche gearbeitet.“ Dank Oma vor Ort habe sich das mit dem Kleinen gut organisieren lassen. Später stockte sie auf 20 Stunden pro Woche auf. In der zweiten Elternzeit nutzte Elisabeth Kempf jedoch die vollen drei Jahre, um sich ganz auf ihre Familie zu konzentrieren. „Ich wusste, dass diese Zeit nie wieder kommt.“

Hilfe bei Betreuung und gute Organisation

Nun besuchen beide Kinder den Kindergarten, der in Denkingen allerdings nur von 7.30 bis 13.30 Uhr geöffnet ist. Da die Großeltern und der Papa die Betreuung der Jungs an Kempfs Vollzeittag übernehmen, kann sie ihre 16 Stunden-Woche, verteilt auf drei Tage, gut organisieren. Im Zeitfenster sind auch die 35 bis 40 Minuten, die sie für die 30 Kilometer nach Markdorf mit dem Auto benötigt. Der Firma Wagner sei sie sehr dankbar für das individuelle Arbeitszeitmodell.

Rückkehr an den Arbeitsplatz nach der Familienphase: Elisabeth ist der Wiedereinstieg ins Berufsleben bei der Firma Wagner in Markdorf gelungen.
Rückkehr an den Arbeitsplatz nach der Familienphase: Elisabeth ist der Wiedereinstieg ins Berufsleben bei der Firma Wagner in Markdorf gelungen. | Bild: Claudia Wörner

Mit Unterstützung ihrer hilfsbereiten Kollegen haben sie sich trotz einiger Änderungen im Zuge der Digitalisierung wieder schnell zurechtgefunden. „Für mich ist es in Ordnung, dass ich meine vorherige Stelle als Teamleiterin gegen die einer Sachbearbeiterin eingetauscht habe“, sagt Elisabeth Kempf. Jetzt betreue sie Projekte, was sich gut mit ihrer Arbeitszeit vereinbaren lasse. Bisher würden die Kinder gut mitspielen. „Es funktioniert, aber ich bin froh, dass wir uns die drei Jahre Zeit gegeben haben“, so ihr Fazit.

Firma Wagner setzt auf Flexibilität

Bei der Firma Wagner besteht der Kontakt zwischen Mitarbeiterin und Führungskraft während der Elternzeit meist weiter. So werden die Rückkehrmöglichkeiten meist schon vor dem offiziellen Antrag besprochen. „Wir sind sehr offen was die Arbeitszeitmodelle betrifft, denn Flexibilität ist eine Grundvoraussetzung, damit die Rückkehr gelingt“, berichtet Veronika Daue. Dies könne sowohl die Arbeitszeit als auch die Stundenverteilung betreffen.

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Ein Gleitzeitmodell sorge für zusätzlichen Freiraum. Flexibilität betrifft aber auch den Arbeitsort. „Immer öfter gibt es die Möglichkeit, teilweise vom Home Office aus zu arbeiten“, sagt Daue. Im Sommer bietet Wagner außerdem ein Ferienprogramm an, bei dem Mitarbeiterkinder an Aktivitäten teilnehmen können und betreut sind.

Spezielle Wiedereinstiegsberatung im Bodenseekreis

Frauen, die länger als vier Jahre aus dem Job sind, zählt die Agentur für Arbeit zur „stillen Reserve“. Für diesen Personenkreis – im Bodenseekreis waren es Ende März 26 Frauen – gibt es eine spezielle Wiedereinstiegsberatung.

Im Gesamtbezirk der Arbeitsagentur Konstanz-Ravensburg nutzten 2018 insgesamt 168 Personen die Wiedereinstiegsberatung, etwa zu Themen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, der individuellen Berufswegeplanung oder auch der Aus- und Weiterbildung. „Für 106 Personen begann im Anschluss der Arbeitsvermittlungsprozess, 75 konnten bis Jahresende erfolgreich in Arbeit integriert werden“, berichtet Katharina Franken.