Hitzesommer, Überschwemmungen, abschmelzende Gletscher – all dies sind Folgen des Klimawandels. Warum der kommt beziehungsweise längst schon da ist, waren Fragen, die beim Klimaabend der „Parents for Future“-Gruppe und des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in der Stadthalle thematisiert wurden.

Folgen des Klimawandels im Fokus

Als Redner eingeladen hatten die Organisatoren Christian Serrer, Student der Betriebswirtschaftslehre an der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen und Co-Autor von „Kleine Gase – Große Wirkung“, einem Buch über Ursachen und Folgen des Klimawandels. Der zweite Autor des Buchs, David Nelles, war ebenfalls eingeladen. Doch er konnte nicht erscheinen, weil sein Zug wegen eines Unwetters ausfiel. „Die Folge der klimawandelbedingten Veränderungen in unserer Umwelt“, wie Christian Serrer kommentierte.

 

Rund 350 Zuhörer in der Stadthalle

Die rund 350 Zuhörer im Saal indes waren pünktlich – abgesehen von einigen wenigen Klimaaktivisten, die, von einem Termin in Überlingen kommend, mit einigen Minuten Verspätung in die Kabarettnummer von Uli Boettcher hineinplatzten. Und von dem Schauspieler so spontan wie souverän ins Programm integriert wurden. Ging es bei seinem Auftritt doch vor allem um Augenhöhe.

Uli Boettchers Auftritt unter dem Motto: „Lass stecken!“

Mit gedanklichen Anleihen an „Ü50 – Silberrücken im Nebel“, seinem Programm über den Orientierungsverlust von Männern in den vermeintlich besten Jahren, offenbarte Boettcher seine Wissenslücken beim Thema Klimawandel. Schiere Ahnungslosigkeit traf auf Allgemeinplätze – und vermengte sich mit den neuen Freiheiten, die Eltern wiedererlangen, wenn ihre erwachsenen Kinder ausziehen.

Schauspieler und Kabarettist Uli Boettcher bei seiner „Lass stecken“-Kampagne.
Schauspieler und Kabarettist Uli Boettcher bei seiner „Lass stecken“-Kampagne. | Bild: Jörg Büsche

Der rote Faden des Auftritts war das Heilige Blechle, eingedellt von einem Einkaufswagen. Und die überteuerte Reparatur lehrt den Familienvater die stille Größe des Los- beziehungsweise Steckenlassens. Das Publikum erhielt von dem bekennenden Gänsestopfleber-Genießer keine moralischen Belehrungen, aber den Rat zu mehr Gelassenheit. Mehr Gelassenheit und mehr Geduld – nicht beim Umgang mit dem Klimawandel, sondern mit dessen Leugnern. Sofern die aus Unwissenheit nicht handeln. Boettchers Motto: „Lass stecken!“

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Erderwärmung schreitet voran

Auf den Auftritt des Kabarettisten folgte der Vortrag von Christian Serrer. In knappen Worten, mit anschaulichen Zeichnungen und Diagrammen erläuterte der Student, warum die Erderwärmung unausweichlich ist. Warum das Verbrennen fossiler Energieträger wie Öl und Kohle die Atmosphäre quasi in ein Treibhaus verwandelt.

Student Christian Serrer erklärt den Treibhauseffekt.
Student Christian Serrer erklärt den Treibhauseffekt. | Bild: Jörg Büsche

Ein Treibhaus, in dem die Temperaturen immer weiter ansteigen – und inzwischen schon so weit gestiegen sind, dass sich dieser Anstieg längst nicht mehr nur auf natürliche Effekte wie Vulkanismus oder Sonneneinstrahlung zurückführen lässt.

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Die von Christian Serrer und David Nelles für ihr Buch „Kleine Gase – Große Wirkung“ gesammelten Daten sprechen eine klare Sprache: Sie zeigen den Klimawandel als Folge der Industrialisierung und des damit einhergehenden vermehrten CO2-Ausstoßes.

Unrevidierbare Entwicklungen durch Zerstörung des Regenwaldes

Serrer erläuterte auch den Mechanismus der Kippelemente im Klimasystem. Kippelemente wie etwa das Schmelzen des grönländischen Eisschilds oder die endgültige Zerstörung des Regenwaldes lösen unrevidierbare Effekte aus und steigern die Folgen fürs Klima in erheblichem Ausmaß, erläuterte der Referent. Sodass Pflanzen, Tiere und auch Menschen keine Chance hätten, sich darauf einzustellen. Massenhafte Wanderbewegungen würden die Folge sein, prophezeite er.

Aufforderung zum Handeln

Im Ton blieb er moderat, nüchtern. Da argumentierte kein Apokalyptiker, sondern einer, der sich nach Alternativen umschaut, wenn der Zug abgefahren ist. Bis zur Streckenstilllegung bleibe noch ein wenig Zeit – sofern die vielen einzelnen Akteure nun handeln, bilanzierte Serrer, der seine CO2-Vermeidungsszenarien wissenschaftlich untermauert hatte.

Im Anschluss an den Vortrag beantwortet Christian Serrer noch viele Fragen der Zuhörer.
Im Anschluss an den Vortrag beantwortet Christian Serrer noch viele Fragen der Zuhörer. | Bild: Jörg Büsche

Handeln könne – und müsse – jetzt jeder, forderte er. Verantwortliches Handeln sei nun die Aufgabe der Politik, schloss Silja Beck von der Markdorfer „Parents for Future“-Ortsgruppe.

An den Informationsständen diverser Gruppen und Institutionen gab es am Ende des Abends noch weitere Informationen zum Thema Klimawandel.
An den Informationsständen diverser Gruppen und Institutionen gab es am Ende des Abends noch weitere Informationen zum Thema Klimawandel. | Bild: Jörg Büsche

Publikum fühlt sich nach Vortrag gut informiert

Gabriele Lindner, eine Dame aus dem altersgemischten Publikum, zog nach dem Vortrag folgendes Fazit: „Nach einem emotional-launigen Einstieg klare und überzeugende Fakten“ – und dürfte damit für viele Zuhörer gesprochen haben.