Als Leimbach 2018 sein 750-jähriges Jubiläum feierte, hat der Leimbacher Kurt Wörner eine Ortschronik verfasst. Nach intensiver Arbeit hatte er über 800 Seiten und 3000 Bilder auf zwei CDs zusammen. Die Bilder wurden ihm teils von den Einheimischen zur Verfügung gestellt, teils stammten sie aus dem eigenen Fundus von Eltern und Großeltern. Aber schon damals sagte er im Gespräch mit dem SÜDKURIER, dass er mit seinen Recherchen noch lange nicht am Ende sei, dafür gebe es viel zu viele interessante Geschichten zu erzählen.

Am Parkplatz bei der Ortsverwaltung und de Feuerwehr gibt es einen Überblick über Ortsvorsteher, Gebäude und Brände im Ortsteil.
Am Parkplatz bei der Ortsverwaltung und de Feuerwehr gibt es einen Überblick über Ortsvorsteher, Gebäude und Brände im Ortsteil. | Bild: Nosswitz, Stefanie

Todesfall in Hepbach 1892

Eine, um die sich der 63-Jährige derzeit vorrangig kümmert, ist die Geschichte über die Ermordung der Kreszentia Obser am 13. März 1892 in Hepbach. Über das Landesarchiv Freiburg hat sich Kurt Wörner die Gerichtsunterlagen zukommen lassen und übersetzt diese von Altdeutsch in die heutige Sprache. „Ich habe das damals in der Schule gelernt und kann es noch ganz gut lesen“, sagt Kurt Wörner.

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Damit auch die Öffentlichkeit von seiner Sammlung profitiert, wurden anlässlich des 750-jährigen Dorfjubiläums 20 Schautafeln (in verschiedener Größe) mit Bildern und Geschichten an markanten Punkten in Leimbach aufgestellt. „Leider haben die Bilder aufgrund der Sonneneinstrahlung ihre Ansehnlichkeit verloren“, erzählt Wörner. Gemeinsam mit dem Stadtmarketing wurden die Schautafeln nun erneuert und erinnern an die alten Zeiten.

Vom 14. Jahrhundert bis zur Neuzeit

Hier kann man in die Riedheimer Geschichte ab dem 14. Jahrhundert bis zur Neuzeit eintauchen und wird über Themen wie die Dorffasnet, ehemalige Bürger, Dorfentwicklung, Gebäude und Vereinsleben informiert. Wer alle Tafeln ablaufen möchte, für den ergibt sich ein schöner Rundgang durch Leimbach. „Ich denke mal, dass man so rund 45 Minuten unterwegs ist.“

An der Schautafel über die alte Mühle ist eine Urkunde von 1478 erkennbar. Auf dieser wurde die Mühle „zu Leimbach“ zum erstem Mal erwähnt.
An der Schautafel über die alte Mühle ist eine Urkunde von 1478 erkennbar. Auf dieser wurde die Mühle „zu Leimbach“ zum erstem Mal erwähnt. | Bild: Nosswitz, Stefanie

Für Kurt Wörner, der sich selbst als „sehr wissbegierig und neugierig“ bezeichnet, ist es wichtig, die Geschichte des Ortsteils für die nachfolgenden Generationen sichtbar zu machen. „Viele wissen irgendwann nicht mehr, dass es in diesem Gebäude eine Post gab und in einem anderen die Bäckerei„, so Wörner. Aber nicht nur Geschichte interessiert ihn, sondern auch die aktuelle Entwicklung. So dokumentiert er gerade die Veränderungen auf dem ehemaligen Trübenbacher-Areal. Hier entstehen 22 neue Wohneinheiten.

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Für die Narrenzunft Hugeloh, zu deren Gründungsmitgliedern Kurt Wörner zählt, hat sich er in den vergangenen Monaten die Chronik erstellt. „Da war ich in den vergangenen 40 Jahren auch Teil davon.“ Langeweile kommt bei ihm nicht auf.

Denn er arbeitet ehrenamtlich noch an einem Projekt des Kreisarchivs Salem mit, in dem Kleindenkmale wie Feld- und Wegkreuze, Brunnen, Inschriften, Statuen, Gedenk- oder historische Grenzstein systematisch erfasst werden. Wörner sucht anhand einer alten Karte Grenzsteine rund um den Gehrenberg – und ist schon des Öfteren fündig geworden.

Das Elternhaus von Kurt Wörner, in dem er heute noch lebt, in den 30er Jahren: Sein Großvater Hans Müller vom Beruf Maurer und Gipser erbaute dieses Haus.
Das Elternhaus von Kurt Wörner, in dem er heute noch lebt, in den 30er Jahren: Sein Großvater Hans Müller vom Beruf Maurer und Gipser erbaute dieses Haus. | Bild: Nosswitz, Stefanie

Ermordung in Hepbach

Am 13. März 1892 wurde die Frau Kreszentia Obser, geb. Striegel, von ihrem Ehemann Friedrich Obser mit einer Peitschenschlinge erdrosselt. Der Mörder hat die Leiche in die Jauchgrube seines Nachbarn geworden. Am 5. Mai 1982 wurde Friedrich Obser wegen Ermordung seiner Frau durch das Großherzogliche Schwurgericht in Konstanz zum Tode verurteilt. Durch seine Königliche Hoheit, den Großherzog von Baden, erfolgte eine Begnadigung am 21. Juni 1892. Die Todesstrafe wurde umgewandelt in eine lebenslange Zuchthausstrafe. Am 2. Juli 1892 trat Friedrich Obser seine Strafe in Bruchsal an.

Am 26. August 1907 schrieb der Zuchthauspfarrer von Bruchsal an das Pfarramt Hepbach: „Obser habe sich im Zuchthaus gut geführt und er sei entschieden zu hart bestraft worden. Seine Ehefrau war entschieden ein streitsüchtiger, zänkischer, eigensinniger und unfreundlicher Charakter“. Am 1. September 1907 stellte der Pfarrer Grießhaber, Bürgermeister Hillebrand und die Gemeinderäte von Hepbach an den Badischen Großherzog den Antrag auf Begnadigung nach 15-jähriger Haft. Seine Begnadigung erfolgte am 7. Dezember 1907. Er fand Aufnahme beim Landwirt Johann Frick als Knecht. Später arbeitete er als Knecht bei Landwirt Josef Fischer.

Die Eheleute Obser hatten einen Sohn Namens Adolf, geboren am 21. Mai 1890, in Hepbach. Am „Weißen Sonntag“ , am 19. April 1903, erhielt er als Geschenk der Großherzogin ein Gebetbuch mit Bild. Der Junge befand sich in Pflegschaft bei dem Landwart Erhard Massal. Adolf Obser ist im Ersten Weltkrieg gefallen.

Quelle: Die Pfarrei St. Sigismund Markdorf-Hepbach, 1986