Die Einsicht der Angeklagten kam zu spät: Zu mehrjährigen Freiheitsstrafen verurteilte der Vorsitzende Richter am Landgericht Konstanz sechs Angeklagte, die in einen Raubüberfall mit Pistole und Messer in Markdorf verwickelt waren. Vier von ihnen hatten den Einbruch begangen und ein Paar sowie dessen Sohn bedroht. Sie müssen wegen besonders schweren Raubs hinter Gitter. Einer nur für sechs Jahre, weil er selbstständig zur Polizei gegangen war und ein umfassendes Geständnis abgelegt hatte, zwei für acht Jahre, der Anführer für neun Jahre und sechs Monate.

Der Auskundschafter des Hauses erhielt wegen schweren Raubs fünf Jahre Freiheitsstrafe, der Hehler, der die wertvollen gestohlenen Uhren verkaufte, ein Jahr und neun Monate Haft. Damit folgte das Gericht den „moderaten Anträgen“ der Staatsanwaltschaft.

Fünf Tage dauerte der Prozess um die fünf Kosovaren und einen Albaner, die mit fünf Geständnissen, sehr aussagekräftigen Chatverläufen, DNA-Spuren, Aussagen, Fotos und Videos von Geld und Waffe sowie Observationen der Tat überführt worden waren. Das Gericht war überzeugt, dass sich die Angeklagten zu einer Bande zusammengeschlossen hatten, um Raubüberfälle und Einbrüche zu begehen in Nordrhein-Westfalen und am Bodensee.

Täter beteuert seine Reue

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Bis zuletzt hatte der Haupttäter versucht, den Verdacht von sich auf einen unbekannten Mann zu lenken, was das Gericht als falsche Verdächtigung bezeichnete. In seinem letzten Wort ließ er Emotionen mitschwingen, bat um eine Chance und Mitleid mit Verweis auf seine Frau und sein kleines Kind, beteuerte seine Reue, entschuldigte sich mehrfach, sagte, dass er nicht direkt an der Tat beteiligt gewesen sei und er die Schulden begleichen wolle. Als Jüngster könne er kein Anführer gewesen sein. Doch das Gericht hatte keine Zweifel, dass er selbst im Haus und der Chef war, berief sich auf Zeugenaussagen, entlarvende Chatverläufe, die ihn als Organisator ausmachten sowie Fotos, die ihn mit Geld und Waffe zeigten.

Vergeblich waren die Versuche der Angeklagten und deren engagierten Pflichtverteidigern, die Schwere der Tat mit diversen Überlegungen und Schilderungen, unter anderem von desolater Kindheit, Traumen und Armutsverhältnissen, abzuschwächen. Die – nie gefundene – Waffe war scharf und kein Replikat. Das habe man auf einem Video mit Schuss gesehen, gehört, dass man keine Patrone verschwenden solle und dass sie beim Fesseln der Geschädigten durchgeladen wurde.

Drogensucht vorgeschoben

Zwei Angeklagte erhofften sich wegen ihrer Cannabis- und Kokainsucht Schuldminderung. Doch der ärztliche Gutachter konnte nur bei einem eine Abhängigkeit feststellen; ihm wird auch die erbetene Hilfe mit einer Therapie zuteil werden. Bei dem anderen, der einen Kokainkonsum von zehn Gramm wöchentlich angegeben hatte, seien keine Beeinträchtigungen festgestellt worden, und auch der Justizvollzugsanstalt seien keine Entzugserscheinungen bekannt. Chatverläufe, Kauf und Mitnahme von Klebeband widerlegten die Angaben einiger, sie wollten nur dort einbrechen, wo keine Bewohner anzutreffen seien. Nur zwei der sechs Angeklagten waren einmal wegen gemeinschaftlichen Diebstahls vorbestraft.

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Die Tat an sich weise besondere Umstände auf, so der Richter: Sie sei lange geplant gewesen, es wurden erhebliche Werte entwendet, es gab Sachschäden, Pistole und Messer wurden eingesetzt und vor allem litten die Geschädigten an gravierenden Folgen der Tat.