Am 16. Dezember findet der Bürgerentscheid über das Vorhaben Rathaus im Bischofsschloss statt. Mit welcher Gefühlslage blicken Sie dem Bürgerentscheid entgegen?

Uwe Achilles: Grundsätzlich gehe ich offen, zuversichtlich und optimistisch auf den 3. Advent zu und hoffe auf eine hohe Wahlbeteiligung der Bürgerinnen und Bürger bei dieser wichtigen Entscheidung für unsere Stadt. Mein Wunsch wäre nur, dass wir bei aller Emotionalität zu diesem Thema den gegenseitigen Respekt vor der anderen Meinung bewahren können.

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Wie letztendlich das Ergebnis sein wird, lasse ich mit der gebotenen Spannung gerne auf mich zukommen. Freuen würde ich mich auf ein klares Ergebnis. Mein Abstimmungsverhalten beim Bürgerentscheid dürfte hingegen bekannt sein.

Die SPD hat am 24. Juli geschlossen gegen den Baubeschluss zum Umzug des Rathauses ins Bischofsschloss gestimmt und sich seinerzeit auch für einen Bürgerentscheid ausgesprochen. Was sind Ihre Beweggründe, die gegen die Nutzung des Schlosses als Rathaus sprechen?

Wir hatten uns bereits frühzeitig gegen ein Rathaus im Bischofsschloss ausgesprochen. Durch die im Frühjahr vorgelegte Planung wurden wir in unserer Einschätzung bestätigt. Der geplante Umbau zeichnet sich durch Kompromisse aus, die zu Lasten von Verwaltung und Bürgern gehen.

So ist beispielsweise vorgesehen ein Amt über drei Stockwerke zu verteilen. Die Wege innerhalb der Schlossanlage werden für alle länger und Besucher des Rathauses benötigten ein Leitsystem, um sich in den drei Gebäudeteilen und unterschiedlichen Ebenen zurechtzufinden.

Eine moderne und flexible Arbeitswelt könnte nur in der Schlossscheuer verwirklicht werden. Im Schloss und Turm hingegen würden lediglich modernisierte Räume innerhalb mittelalterlicher und barocker Mauern entstehen.

Die Schlossscheuer aus einem Fenster des Neuen Schlosses fotografiert. Dieser Teil des Markdorfer Schloss-Ensembles ist nicht denkmalgeschützt und kann abgerissen werden.
Die Schlossscheuer aus einem Fenster des Neuen Schlosses fotografiert. Dieser Teil des Markdorfer Schloss-Ensembles ist nicht denkmalgeschützt und kann abgerissen werden. | Bild: Grupp, Helmar

Die erforderliche Barrierefreiheit für ein Verwaltungsgebäude gibt es nur nach dem Abriss und Neubau in der Schlossscheuer. Menschen mit entsprechendem Handicap werden den Turm und das Schloss hingegen selbstständig nicht erreichen können.

Die Kosten für den Umbau sind von der damaligen Schätzung mit rund elf Millionen Euro nach jetzigem Stand auf rund 18 Millionen Euro berechnet. Weitere Kostensteigerungen wird es in der Bauphase sicher geben.

Diese Kosten stehen für uns in keinem Verhältnis für etwa 55 bis 60 Arbeitsplätze neben Sitzungssaal, Rittersaal, Nebenräume und einer Gastronomie im Gewölbekeller.

Die umzugskritische Bürgerinitiative Bischofsschloss hat den Bürgerentscheid am 16. Dezember erwirkt. Wie stehen Sie zu dem Bürgerentscheid?

In meiner Stellungnahme beim diesjährigen Neujahrsempfang hatte ich schon angekündigt, dass bei deutlich höheren Kosten erneut über den Umzug zu entscheiden sei. Nach der öffentlichen Vorstellung der Planung im ersten Halbjahr hatten wir bereits einen Antrag zu einem Bürgerentscheid angekündigt und diesen in einer Gemeinderatssitzung im Juli gestellt. Leider hatte dieser Antrag bekanntermaßen nicht die erforderliche Mehrheit im Gemeinderat gefunden.

Durch die Initiative Bischofsschloss wurde mit dem erfolgreichen Bürgerbegehren die Möglichkeit für einen Bürgerentscheid geschaffen. Insofern freue ich mich, dass die Initiative erfolgreich war. Zumal wir mit unserer Einschätzung richtiglagen, dass die Bürger mitentscheiden wollen.

Das Wahrzeichen der Stadt: Das Bischofsschloss.
Das Wahrzeichen der Stadt: Das Bischofsschloss. | Bild: Wex, Georg

Wie stehen Sie zu dem Vorwurf der Umzugskritiker, Stadt und Gemeinderat hätten die Bürgerschaft zu spät in das Vorhaben eingebunden und das bisherige Vorgehen bei der Planung des Vorhabens nicht transparent genug gestaltet?

Dies kann ich aus der Wahrnehmung von außen zum Teil nachvollziehen. Innerhalb der Verwaltung und des Gemeinderats wurde die Diskussion lange ohne direkte Beteiligung der Bürgerschaft geführt. Letztendlich wurde die wesentliche Entscheidung ohne Bürgerdialog getroffen und das Ergebnis vorgestellt. Und dies, obwohl wir in der Vergangenheit die Bürger bei der Planung anderer Objekte beteiligt hatten.

So wurde beispielswiese bei Spielplätzen die Bewohner des Quartiers in die Planung mit einbezogen. Die Widersprüchlichkeit wird deutlich, wenn man die Einbeziehung der Bürgerschaft beim Bischofsschloss und Rathausareal betrachtet. Beim Rathausareal durften die Bürger ihre Vorstellungen aktiv mit einbringen, während beim Bischofsschloss eine echte Beteiligung der Bürger hinsichtlich seiner Nutzungsmöglichkeiten nicht stattfand.

Sollte der Bürgerentscheid gültig sein und gegen das Vorhaben Rathaus ins Bischofsschloss ausfallen, welche möglichen alternativen Nutzungen könnten Sie sich für das Schloss vorstellen?

Auf jeden Fall sollten wir nicht wieder den gleichen Fehler machen und ohne eine offene Beteiligung der Bürgerschaft nach einer sinnvollen Nutzung für das Bischofsschloss suchen.

Der von den Umzugsbefürworten geprägte Begriff „Ein Haus für die Bürger“ gefällt mir als Ansatz ganz gut. Wobei ein Rathaus tatsächliche kein Haus für die Bürger im eigentlichen Wortsinn ist, sondern ein Verwaltungs- bzw. Dienstleistungsgebäude, dass in der Regel, nur während der Dienstzeiten geöffnet ist.

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Lediglich an Sitzungstagen und Veranstaltungen im Rittersaal würde es länger zugänglich sein. Das historische Gebäudeensemble Bischofsschloss hätte es verdient, als Bürgerhaus für kulturelle oder soziale Zwecke der Allgemeinheit zur Verfügung zu stehen. Aber auch eine kommerzielle Nutzung wäre für mich vorstellbar. Ebenso eine Mischung aus verschiedenen Nutzungsformen. Hier freue mich auf einen offenen Dialog.