Am 16. Dezember findet der Bürgerentscheid über das Vorhaben Rathaus im Bischofsschloss statt. Mit welcher Gefühlslage blicken Sie dem Bürgerentscheid entgegen?

Dietmar Bitzenhofer: Mit gemischten, aber mit Zuversicht auf Erfolg. Dennoch wird es keine Gewinner geben. Markdorf hat auf jeden Fall verloren. Auf Jahre hinaus. Auf diese Aussage darf man mich gerne die nächsten Jahre ansprechen.

Die Freien Wähler sprechen sich für den Umzug des Rathauses ins Bischofsschloss aus, auch wenn die Fraktion am 24. Juli nicht geschlossen für den Baubeschluss gestimmt hat. Skizzieren Sie dennoch bitte die wesentlichen Kernpunkte, die für Ihre Fraktion maßgeblich in der Einschätzung des Vorhabens sind.

Um es kurz zu machen in Stichworten: „Invest für die Zukunft und für Generationen“, „eine nachhaltige Lösung für Jahrzehnte und Werte erhaltend“, „Win-Win-Situation und große Chance durch die Neugestaltung des jetzigen Rathausareales".

Diese Möglichkeit hatten wir letztmals 1842 (leider bedingt durch eine tragische Katastrophe) nach dem großen Stadtbrand. Hierauf sollten wir den Fokus legen und uns Überlegungen machen. Und zwar gemeinsam. Hier bietet sich die Gelegenheit, Zukunft zu gestalten, sie anzustoßen und sie in ein hoffentlich erfolgreiches Fahrwasser zu leiten.

Dietmar Bitzenhofer, FW-Fraktionsvorsitzender, sagt, dass Markdorf auf Jahre verloren hat.
Dietmar Bitzenhofer, FW-Fraktionsvorsitzender, sagt, dass Markdorf auf Jahre verloren hat. | Bild: Grupp, Helmar

Die umzugskritische Bürgerinitiative Bischofsschloss hat den Bürgerentscheid am 16. Dezember erwirkt. Wie stehen Sie zu dem Bürgerentscheid?

Es ist ein legitimes und ein direktes Instrument unseres demokratischen Systems. Leider meines Erachtens im Falle Bischofsschloss ohne machbare und finanzierbare Alternativen initiiert. Die Vorschläge, die von den „Befürwortern eine Nichtumzuges“ ins Bischofsschloss gemacht wurden, möchten wir nicht schlecht reden.

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Aber auch diese müssen beheizt werden, müssen dem Brandschutz standhalten und müssen barrierefrei ausgebaut sein. Diese Argumente wurden bisher nur den „Befürwortern des Umzuges“ kritisch entgegengehalten. Wir stellen sie einfach mal zur Diskussion. Auch kann man die Anforderungen einer modernen Verwaltung ebenso in einem historischen Gebäude umsetzen. Die heutige Verwaltung funktioniert digital und vernetzt und findet nicht auf Fluren und Gängen statt.

Wie stehen Sie zu dem Vorwurf der Umzugskritiker, Stadt und Gemeinderat hätten die Bürgerschaft zu spät in das Vorhaben eingebunden und das bisherige Vorgehen bei der Planung des Vorhabens nicht transparent genug gestaltet?

Man kann immer mehr. Doch wer Interesse zeigte, der konnte von Beginn an dieses befriedigen und den Sachstand des Projektes Bischofsschloss erfahren. Sei es bei Veranstaltungen in der Stadthalle, bei Gemeinderatssitzungen, bei Führungen, auf der Website, bei Veranstaltungen wie "I' mein halt" und vielem mehr.

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Sollte der Bürgerentscheid gültig sein und gegen das Vorhaben Rathaus ins Bischofsschloss ausfallen, welche möglichen alternativen Nutzungen könnten Sie sich für das Schloss vorstellen?

Nur solche, die jedoch nicht mehr in städtischer Hand zu realisieren wären. Verweise hier gerne nochmals auf Antwort zur ersten Frage. Unsere Finanzlage ist gut und lässt für die nächsten Jahre einige Großprojekte zu. Aber die Verwirklichung einer Neuanlage „Rathaus“ und parallel die Umgestaltung Bischofsschloss wird schlichtweg unmöglich sein. Dieses würde bedeuten Leerstand für viele Jahre oder alternativ auch ein Verkauf. Wollen sie dieses?