Markdorf – Wer den Garten von Paula Welke in Riedheim betritt, weiß nicht, wo er zuerst hinsehen soll. Gelbe, blaue, weiße, rote und violette Blumen stehen in voller Blütenpracht und verströmen einen süßen, zarten Duft. "Gerade blühen die gelben Schwertlilien so schön", freut sich die Malerin. An einer Stelle wachsen sogar noch die Schwertlilien ihrer Mutter. Sie selbst hat aber diese Pflanze und deren Schönheit erst später für sich entdeckt. "Vor ungefähr 20 Jahren habe ich mit meinem Mann die Staudengärtnerei der Gräfin von Zeppelin in Sulzburg besucht und war total beeindruckt von all den Schwertlilien", erzählt die Riedheimerin. Seither wurden sie mit Freude gepflanzt und inzwischen auch getauscht. Gelb gegen blau und weiß gegen rot, sodass der Garten noch bunter wird.

"Ich kaufe eigentlich kaum etwas für den Garten. Das Meiste habe ich geschenkt bekommen und so hat jede Pflanze ihre Geschichte und Erinnerung", erklärt Paula Welke. Beispielsweise wurde 1966, als das Haus fertig gebaut war, auch ein Kirschbaum im Garten gepflanzt. Hier ist auch Paula Welkes Lieblingsplatz zum Lesen, malen oder Kaffee trinken. Unter dem Kirschbaum steht die "zweite Stube", ein kleiner selbst gebauter Pavillon. Nebenan ein Grill und das "Rentnertischchen", das Ehemann Eckhard zur Rente von den Kindern geschenkt bekam. "Wir lieben es, wenn hier was los ist und ganz spontan die Familie zusammen kommt", beschreibt Paula Welke das Leben im Garten.

Paula Welke erfreut sich an den Blumen, den Bienen – und den Figuren Pit und Pat. Bilder: Nicole Burkhart
Paula Welke erfreut sich an den Blumen, den Bienen – und den Figuren Pit und Pat. Bilder: Nicole Burkhart
"Die blaue Ecke" heißt dieser Teil des Gartens.
"Die blaue Ecke" heißt dieser Teil des Gartens. | Bild: Nicole Burkhart

Für Paula Welke ist der Garten auch ein Ort des Zusammenkommens, der Kommunikation. Die Nachbarn und ein gutes Verhältnis zu ihnen sind dabei auch sehr wichtig. "Die Männer reden über den Gartenzaun hinweg, ich bekomme Salat oder Mirabellen und gebe dafür Pflanzen", freut sich die 74-Jährige. Sie gibt und teilt gerne und bekommt auch jede Menge zurück. Den Zwetschgenbaum gab es von Freunden zum Geburtstag, der Pfirsichbaum ist von Freundin Inge. Zudem wachsen Himbeeren, Johannisbeeren, Heidelbeeren, Mini-Kiwis und Trauben und machen den Garten zu einem wahren Naschparadies.


Paula Welkes Gartensteckbrief

  • Meine Lieblingspflanze: Die Hortensie. Sie ist pflegeleicht, hat aber so eine Farbenvielfalt und überrascht mich jedes Jahr neu.
  • Was ich an Gartenarbeit gar nicht mag: Schnecken und das lästige Bücken beim Unkraut jäten. Aber ohne geht es halt nicht.
  • Meine teuerste und meine günstigste Gartenanschaffung: Die teuerste Anschaffung war wohl die echte Paeonia (Pfingstrose), die ich im Urlaub in Südtirol gekauft habe. Das Allermeiste andere ist aber mehr als günstig, da geschenkt.

"Den restlichen Nutzgarten habe ich aufgegeben, die Schnecken haben mir die Freude am Gemüsegärtnern genommen. Das macht jetzt meine Enkelin. Aber Kräuter wie Salbei, Pfefferminz, Schnittlauch, Petersilie oder Zitronenmelisse habe ich im Garten und auf der Terrasse", verrät Paula Welke. Dabei werden die Kräuter sowohl frisch zum Kochen als auch getrocknet zu Heilzwecken verwendet. Neben Kräutern und Beeren wachsen allerlei Blumen in Paula Welkes Garten: Clematis neben Rosen, Schneeballen und Zierlauch, Pfingstrosen und Blaukissen. "Und der große Klatschmohn ist gerade heute über Nacht aufgegangen", sagt die Malerin strahlend. Auch die Akeleien, die sie überwiegend noch von ihrer Mutter hat, haben es ihr angetan. "Es sind wohl die feinsten, grazilsten Blumen, die ich hier habe", meint sie.

Über Nacht ist der Klatschmohn erblüht.
Über Nacht ist der Klatschmohn erblüht. | Bild: Nicole Burkhart

Es sind die kleinen Ecken, die Details, die einen Garten besonders machen. So wie der Mühlstein, den Freund Heinz aus dem Wald gezogen hat, eine kleine "Igel-Villa" oder Pit und Pat, die Figuren aus Metall von Freunden aus dem Fichtelgebirge. "Hier ist nichts geplant, man findet keine gerade Stelle in meinem Garten", sagt die Gartenliebhaberin lachend. Unvorstellbar für sie, dass jemand ihren Garten plant oder anlegt. Sie wurde sogar schon gefragt, ob ihr Garten nach Feng Shui ausgerichtet sei. "Ich wusste damals ja gar nicht, was das ist, sondern habe einfach alles intuitiv gemacht", erzählt sie.
 

  • Tipp: „Schnittlauch und Petersilie sollte man nicht nebeneinander wachsen lassen. Ich habe das selbst erst erfahren und gleich ausprobiert. Ich hatte noch nie so schöne Petersilie!“ Paula Welke

Ihr Gespür für die Pflanzen hat Paula Welke sicherlich von ihrer Mutter mitbekommen. "Jeden Abend war meine Mutter im Garten, er war ihr Ein und Alles. Die Leute sind sogar am Zaun stehen geblieben und haben ihre Pflanzen bewundert", erinnert sie sich. Sie selbst gärtnert mit, seit sie ihre Hände bewegen kann und hat die Freude daran immer noch nicht verloren. All die Pflanzen und Blumen zu sehen, zu riechen, zu schmecken und zu fühlen gibt der Künstlerin unglaublich viel. "Früher habe ich auch sehr viel mit Freundinnen hier gemalt", verrät sie wehmütig. Heute genießt sie es, auf dem 1200 Quadratmeter großen Grundstück im Garten zu arbeiten, aber auch einfach mal gemütlich einen Kaffee zu trinken oder Zeitung zu lesen. Im Sommer nach dem Abendessen gießen ihr Mann und sie die Pflanzen, das ist schon zum Ritual geworden. "Und wenn der Nachbar auch da ist, kann es schon mal ein langer Gießabend werden", meint Paula Welke und lacht.

Ein Platz zum verweilen, lesen, reden, Kaffee trinken.
Ein Platz zum verweilen, lesen, reden, Kaffee trinken. | Bild: Nicole Burkhart
Pit und Pat behalten den Überblick im Garten.
Pit und Pat behalten den Überblick im Garten. | Bild: Nicole Burkhart

Die Serie

"Wer mich kennenlernen will, muss meinen Garten kennen, denn mein Garten ist mein Herz." Hermann Fürst Pückler-Muskau

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