Und dabei hat alles so manierlich begonnen. Mit dem Auftritt eines veritablen Zeremonienmeisters, der, ausgestattet mit Zeremonienstab, das Programm ankündigte. „Experimental Show“ heißt es. Es erinnert auch durchaus an die Zeit, da Forscher noch mit gepuderten Allongeperücken auf ihren Köpfen den Dingen auf den Grund zu gehen versuchten und mit Phiolen, Pülverchen, heiklen Instrumenten hantierten.

Das Chaos-Theater Oropax mit seiner Frühstücks-Nummer.
Das Chaos-Theater Oropax mit seiner Frühstücks-Nummer. | Bild: Jörg Büsche

Nur dass das Brüderpaar Volker und Thomas Martins aus Freiburg, das als das Comedy-Duo Oropax durch die Republik tourt, nicht mit Phiolen, Pülverchen und heiklen Instrumenten agiert, sondern mit Rollmops-Gläsern, Croissants und Streichinstrumenten. „Es ist ja ein Streichinstrument“, grient Thomas Martins, das ist der mit den Haaren, auf die ihm eigene offenherzige Weise – und taucht die Schnecke der Violine in den Streichkäse.

Erste Szene kommt operettenhaft daher

Die Ohren freilich sind dem Publikum schon zuvor übergegangen. Zumal diese erste Szene des neuen Programms überaus opern- oder doch operettenhaft daherkam. In 18.-Jahrhundert-Gewändern, üppigst wallend, tiefst dekolletiert.

Große Oper mit Oropax im Theaterstadel – allzu frei nach Giacomo Casanova.
Große Oper mit Oropax im Theaterstadel – allzu frei nach Giacomo Casanova. | Bild: Jörg Büsche

Man macht Avancen, kriecht untern Reifrock und taucht wieder auf. Triumphierend mit frisch erbeutetem Roquefort-Käse, räsoniert über Würze, Schärfe, Duft und sofort – Rock fort eben. Aber dies ist nur Rahmenhandlung. Jeder Satz des Dialogs zwischen der würzigen Schönen und ihrem begehrlichen Galan bewegt sich im Sprachraum der Musik. Mal anzüglich, mal weniger anzüglich: „Wie ich ihr So – nate ...“, „wollte nur po – saunen“, immer aber mit der Lizenz zum Kalauern.

Chaos-Theater in Reinkultur geboten

Oropax‘ Sache, Oropax‘ Fach ist das „Chaos-Theater“. Die Martins stiften Verwirrung. Sie mischen die Ebenen der Wörter, ihrer Bedeutungen. Nein, sie mixen sie – schreddern jeden Sinn und setzen durchaus in der Manier der alten Experimentoren die Fragmente zu Neuem zusammen. Wobei ein harmloses Frühstück gern ins Groteske abrutscht, das Publikum laut Malheur rufen muss, dazu triumphale Musik ertönt, ein Maler durch die Tür kommt, anschließend in Rollmops-Soße getunktes Gebäck schlucken muss – und Wasser aus seinen Gummistiefeln einem Gast in die Cola schüttet.

Mönch-Nummer komplettiert das Chaos

Ach ja: „Hallo, hallo – ich bin oin Mönch!“, darf nicht fehlen. Erst der fromme Mann macht das Chaos perfekt. Kurz, die Show ist kaum mehr steigerungsfähig. Sie ist schierer Irrwitz.