Der Bürgerentscheid zum Bischofsschloss ist Geschichte, eine historisch knappe Mehrheit (siehe unten) der Gegner des Vorhabens hat den geplanten und vom Gemeinderat beschlossenen Rathausumzug in das Schloss gestoppt. Doch nach dem Entscheid ist vor den nächsten Entscheidungen: Wie wird es nun mit dem Bischofsschloss weitergehen, wie mit dem bisherigen Rathaus?

Für konkrete Schritte ist es sicherlich noch zu früh, eine knappe Woche nach dem Bürgervotum. Aber der Gemeinderat wird sich frühzeitig den Aufgaben stellen müssen, die der Bürgerentscheid ihm auf den Weg mitgegeben hat. Auf Anfrage des SÜDKURIER äußern sich die Sprecher der Fraktionen darüber, wie sie Stand jetzt in die Zukunft blicken, welche Prioritäten sie setzen wollen und in welche grundsätzliche Richtung sie für das Rathausareal und das Schlossensemble denken.

CDU: Bessere Bürgereinbindung

"Das Bischofsschloss lassen wir im Augenblick mal so, wie es ist", findet CDU-Chefin Susanne Sträßle klare Worte. "Wir haben nun im alten Rathaus dringend notwendige Maßnahmen, die anstehen", verweist sie auf die längst überfälligen Sanierungsaufgaben, die seit Beginn der Planungen für ein neues Rathaus im Schloss auf Eis gelegt worden waren. Abseits davon gehe es für sie nun auch darum, wie man in Rat und Verwaltung mit dem Bürgerbeteiligungsprozess weiter umgehe. "Wie kann es uns gelingen, dass die Bürger sich mitgenommen fühlen? Denn uns wird ja nach wie vor vorgeworfen, dass wir die Bürger nicht hinreichend informiert haben", sagt sie.

Eine wesentliche Rolle spiele die Frage, wie man den Bürger überhaupt erreiche. Dafür könne man Fachleute heranziehen. Sträßle denkt dabei auch an die Studierenden aus Hohenheim, die am Wahlsonntag die Wähler befragt hatten. Auch sie könnten eventuell Möglichkeiten aufzeigen, was man auf der Kommunikationsebene anders machen könne. "Und wie reagieren wir auf soziale Netzwerke? Sollen wir uns auch auf diese emotionale Ebene begeben oder bleiben wir auf der Sachebene?", fragt Sträßle. Zum Bischofsschloss müsse man, wenn es so weit sei, "alle Bürger an einen Tisch setzen, nicht nur die Initiative".

Nach dem Bürgerentscheid, der den Umzug des Rathauses (rechts) ins Bischofsschloss kippte, muss das Rathaus saniert und erweitert werden. Doch wann und wie das geschehen soll, ist offen.
Nach dem Bürgerentscheid, der den Umzug des Rathauses (rechts) ins Bischofsschloss kippte, muss das Rathaus saniert und erweitert werden. Doch wann und wie das geschehen soll, ist offen. | Bild: Helmar Grupp

SPD: Emotionen sacken lassen

Das Wahlergebnis verpflichte den Gemeinderat, das Rathaus am bisherigen Standort weiterzuentwickeln, sagt SPD-Chef Uwe Achilles. Nun gelte es, dort die Sanierung anzugehen sowie Umbau und Erweiterung inklusive der Tiefgarage. Dafür könne man eventuell den ein oder anderen Plan aus dem Wettbewerb weiterentwickeln. Das Thema Bischofsschloss-Nutzung sieht Achilles tendenziell erst nach der Sommerpause als spruchreif an. "Wir haben einen sehr emotionalen Bürgerentscheid erlebt, dieses Thema sollten wir erst einmal sacken lassen und es so akzeptieren, wie es die Bürger entschieden haben", sagt Achilles. Im nächsten halben Jahr werde das Bischofsschloss "nicht verfallen", zudem stünden im Mai noch die Kommunalwahlen für den neuen Gemeinderat an. "Ich finde, wir sollten das Thema Bischofsschloss aus den Kommunalwahlen draußen lassen, um nicht wieder alte Empfindlichkeiten zu wecken, sondern stattdessen danach dann einen offenen, unbelasteten Dialog zu ermöglichen", sagt Achilles.

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FW: Andere Aufgaben wichtiger

Einen ganz anderen Fokus wählt Freie-Wähler-Chef Dietmar Bitzenhofer. "Im Moment stehen andere wichtige Aufgaben an", sagt er, "wie etwa der Kindergarten im Süden und die Grundschule". Sich nun direkt wieder dem Komplex Rathaus/Schloss zuzuwenden, mache keinen Sinn. "Jetzt muss erst einmal alles abgerechnet werden, die drei Leistungsstufen beim Bischofsschloss und dann die Frage um die Zuschüsse, dann werden wir sehen, wie es weitergeht." Beim Thema Rathaus und Schloss sei alles eine Frage der Finanzierung. "Beides gleichzeitig können wir nicht machen", sagt Bitzenhofer. In punkto Schloss sieht der FW-Sprecher daher auch einen Stillstand von mindestens einem Jahr.

UWG: Auch andere Standorte für einen Rathausneubau prüfen

"In Ruhe drangehen" sollte man ans Thema Bischofsschloss, sagt auch UWG-Sprecherin Susanne Deiters Wälischmiller. Sie plädiert dafür, auch einmal zu prüfen, ob nicht auch noch andere Standorte für einen Rathausneubau in Frage kämen, statt des Rathausumbaus. "Wir wollen im neuen Jahr mit Schwung da rangehen, jetzt aber nichts übereilen", sagt sie. Diese Zeit habe man nun. Sie wirbt dafür, dass mehr Bürger zu den Sitzungen des Gemeinderates kommen sollten. "Wer an der Kommunalpolitik interessiert ist, kann sich dort ein gutes Bild machen", sagt sie.