Joghurt, Quark, ob mit Früchten oder natur, Dickmilch, Buttermilch und Frischkäse entnehmen Ursula Zurell-Hennig und Reinhard Hendricks den Körben auf der Tischfläche. All diese Proben des reichhaltigen Sortiments an Milchprodukten aus den Kühlregalen der Lebensmittelgeschäfte vor Ort beziehungsweise dem näheren Umkreis stapeln die beiden ehrenamtlichen Mitarbeiter der Tafel in die Kühlschränke hinter ihnen. Sehr viel davon wird heute nachmittag Abnehmer finden, wenn die Kunden des Tafelladens, der vom Verein Zukunftswerkstatt getragenen wird, im Stadtgraben einkaufen kommen. Sie zahlen einen eher symbolisch zu begreifenden Obolus und können dafür ihre mitgebrachten Einkaufstaschen mit gespendeten Lebensmitteln füllen.

Wünscht sich einen achtsameren Umgang mit Lebensmitteln: Reinhard Hendricks, stellvertretender Vorsitzender der Zukunftswerkstatt, die die Tafel trägt.
Wünscht sich einen achtsameren Umgang mit Lebensmitteln: Reinhard Hendricks, stellvertretender Vorsitzender der Zukunftswerkstatt, die die Tafel trägt. | Bild: Jörg Büsche

Mehr Milchprodukte als Konserven

Der Anteil an Milchprodukten im Angebot der Tafel ist schon deshalb höher als an Nudeln, Konserven oder anderen haltbareren Produkten, weil Woche für Woche neue Milchprodukte hinzukommen. „Das sind Waren, die das Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht haben und deshalb von den Lebensmittelläden an uns weitergegeben werden“, erklärt Reinhard Hendricks, der vor wenigen Wochen zum stellvertretenden Vorsitzenden der Zukunftswerkstatt gewählt wurde.

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Viele Neukunden achten auf das Mindesthaltbarkeitsdatum

Günther Wieth, der Vorsitzende und verantwortliche Hauptantriebsmotor der Tafel, muss schmunzeln, während er von seinen Erfahrungen mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum und den Neukunden der Tafel erzählt. Ihm sei nun schon öfter passiert, „dass jemand nur ein paar Brocken Deutsch gelernt hat – aber nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum, da erkundigt er sich schon.“ Hier zu erklären, auf der Grundlage noch unzureichender Sprachkenntnisse Aufklärungsarbeit zu leisten, das spare er sich. Umso aktiver tut er dies bei jenen Tafelkunden, die des Deutschen mächtig sind.

Andreas Finkel und Jürgen Schulz bringen von ihren Spendentouren zu den Lebensmittelmärkten auch immer viele Waren mit, die ihr Mindeshaltbarkeitsdatum gerade erreicht haben.
Andreas Finkel und Jürgen Schulz bringen von ihren Spendentouren zu den Lebensmittelmärkten auch immer viele Waren mit, die ihr Mindeshaltbarkeitsdatum gerade erreicht haben. | Bild: Jörg Büsche

Broschüre mit „10 goldenen Regeln“

Unterstützt wird der Tafel-Chef dabei von den ehrenamtlichen Mitarbeitern und vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Dies gibt doch eine Broschüre heraus mit „10 goldenen Regeln gegen Lebensmittelverschwendung“. Darin heißt Regel sieben: „Haltbarkeit beachten“. Auch nach Ablaufen des Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD) „sind die Produkte noch genießbar“, zitiert Günther Wieth aus dem Kopf den Text in der Broschüre.

Bis zum MHD übernehmen Hersteller die Garantie

Aber bis zum MHD übernehme der Hersteller die Garantie für bestimmte Produkteigenschaften, wie zum Beispiel die Farbe, die Beschaffenheit, den Geschmack. Nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums, erläutert der Tafel-Vorsitzende, gehe die Verantwortung dafür an die Lebensmittelgeschäfte. Die aber wollen diese Verantwortung nicht übernehmen, würde eine regelmäßige Kontrolle doch auch mehr Arbeit bedeuten. Stattdessen geben sie den Joghurt, die Milch, die ihr MHD erreicht hat, lieber unkontrolliert weiter – oder entsorgen solche Produkte.

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Milch kann auch drei Wochen nach Ablauf noch gut sein

Drei Wochen sei die Milch schon über dem auf die Tüte gedruckten Mindesthaltbarkeitsdatum gewesen. Ursula Zurell-Hennig berichtet von dem Erlebnis mit einer Verwandten. Auch vom Kopfschütteln, das sie erzeugt hat, als sie die Milch probierte. „War noch vollkommen in Ordnung“, sagt die Tafelmitarbeiterin über die Milch. „Der Augenschein, daran riechen, ein bisschen probieren, dann kommt man schon weiter.“ Eben dies empfiehlt auch die Broschüre vom Berliner Ernährungs- und Landwirtschaftsministerium. „Was gut schmeckt, gut riecht und gut aussieht, ist in aller Regel auch noch gut.“

Nur Fleisch und Fisch sind heikel

Reinhard Hendricks verweist darauf, wie man im englischsprachigen Raum verfährt. Statt des missverständlichen Mindesthaltbarkeitsbegriffs verwenden die Hersteller dort die Formulierung „best before“, übersetzt: am besten vor dem aufgedruckten Datum. „Nachher ist‘s dann also zumindest noch gut“, sagt Hendricks. Etwas ganz anderes sei das Verbrauchsdatum. Haben leicht verderbliche Produkte wie Geflügel, Hackfleisch oder Fisch das Verbrauchsdatum erreicht, sollte man sie tatsächlich besser entsorgen.