Das Bischofsschloss ist das Wahrzeichen von Markdorf im Bodenseekreis. Weithin sichtbar prangt es inmitten der Altstadt. Bis zum vergangenen Herbst war in dem Bauwerk das gleichnamige Hotel untergebracht. Nun gibt es in der 13.500-Einwohner-Stadt zwar kein Hotel mehr, aber dafür eine hitzige Debatte.

Muss das Rathaus ins Schloss umgesiedelt werden oder sollte das historische Gebäude nicht besser einer anderen öffentlichen Nutzung zugeführt werden? Über dieser Frage scheiden sich die Geister. Inzwischen sammelt eine Initiative Unterschriften für ein Bürgerbegehren gegen das Vorhaben. Bis zum 27. Oktober haben die Kritiker Zeit, um knapp 800 Unterschriften einzuholen. Gelingt ihnen dies, müsste der Gemeinderat gegen seinen mehrheitlichen Willen einen Bürgerentscheid beschließen.

Paukenschlag im Herbst 2015

Das schmeckt weder den Stadträten noch Bürgermeister Georg Riedmann. Der 52-Jährige ist nicht nur glühender Verfechter der Schloss-Lösung, er selbst hatte sie aufs Gleis gesetzt – und bei der öffentlichen Präsentation im Herbst 2015 für einen Paukenschlag gesorgt: Nur die Fraktionen waren kurz zuvor eingeweiht worden. Damit hatte die Verwaltung auf einen Schlag eine veritable Kehrtwende hingelegt.

Denn die Vorgeschichte wies in eine andere Richtung: Dass das Rathaus, ein schmuckloser Zweckbau aus den 60ern, marode ist, war seit langem bekannt. Im Dezember 2013 wurde deshalb die Neugestaltung des Areals beschlossen, die ein saniertes Rathaus mit neuem Erweiterungsbau vorsah. Das Stuttgarter Büro Baldauf wurde mit der Konzeption beauftragt, die im Oktober 2014 präsentiert wurde. Damals hatte Riedmann noch betont, das Rathaus stehe "am rechten Platz".

Das Markdorfer Rathaus wurde 1967 gebaut. Es ist inzwischen stark sanierungsbedürftig. Mit dem Rathausumzug ins Bischofsschloss möchte die Stadt auf dem Rathausareal den Weg für eine Investorenlösung ebnen. Bild: Georg Wex
Das Markdorfer Rathaus wurde 1967 gebaut. Es ist inzwischen stark sanierungsbedürftig. Mit dem Rathausumzug ins Bischofsschloss möchte die Stadt auf dem Rathausareal den Weg für eine Investorenlösung ebnen. Bild: Georg Wex | Bild: Wex, Georg

Im Mai 2015 wurde der Architektenwettbewerb ausgeschrieben, dessen Resultat im Oktober ernüchternd ausfiel: Ein zweiter Platz, ein vierter Platz, die restlichen Entwürfe unter ferner liefen. Zugleich hatte sich jedoch klammheimlich das Schloss ins Thema geschlichen. Bereits im April 2015, also einen Monat vor dem Start des Wettbewerbs, wurden Eigentümer Albert Weber, ein Markdorfer Unternehmer, und Hotelpächter Bernd Reutemann bei Riedmann vorstellig. Ihr Anliegen: Eine Eigentumsbereinigung. Entweder die Stadt verkaufe ihm ihre Anteile am Schloss – den Rittersaal und die Tiefgarage – oder er stelle das Gebäude zum Verkauf, so Weber. Sechs Millionen Euro zur nötigen Sanierung wolle er nur investieren, wenn das Haus komplett in seinem Besitz sei.

Denkmalschutz treibt Kosten hoch

Von da an ging alles schnell. Der Rathaus-Neubau am bestehenden Standort, für den zwölf bis 15 Millionen Euro veranschlagt wurden, war quasi über Nacht gestorben, die Stadt ließ den Umzug ins Schloss sondieren, der damals noch auf 11,8 Millionen Euro geschätzt wurde. Schließlich kaufte die Stadt das Schloss im Juli 2016 für 3,85 Millionen Euro und schrieb einen Wettbewerb "Rathaus im Bischofsschloss" aus, den das Ulmer Büro Braunger Wörtz für sich entschied.

Am 15. Juni präsentierte das Büro die Entwurfsplanung und eine detaillierte Kostenaufstellung, die sich nun, auch aufgrund umfangreicher denkmalschützerischer Auflagen, auf 18,4 Millionen Euro beläuft. Ende Juli fällte der Rat mehrheitlich den Baubeschluss, einzig die dreiköpfige SPD-Fraktion stimmte dagegen. Seither nimmt der Gegenwind zu. Die Kritiker bemängeln die fehlende komplette Barrierefreiheit, sehen die Kosten als zu niedrig angesetzt, fordern eine andere öffentliche Nutzung oder einen erneuten Betrieb als Hotel sowie den Rathausneubau am bisherigen Standort. Riedmann hingegen betont die Verantwortung der Verwaltung für das wichtigste Gebäude der Stadt. Eine andere öffentliche Nutzung sehe er nicht. Das seinerzeitige Hotel wiederum war aufgrund der zu geringen Bettenkapazitäten stets ein Zuschussgeschäft für den Eigentümer Weber gewesen.

Bürgermeister Georg Riedmann: "Das ist eine einmalige Chance, das wichtigste Gebäude der Stadt für die Öffentlichkeit zu erhalten."
Bürgermeister Georg Riedmann: "Das ist eine einmalige Chance, das wichtigste Gebäude der Stadt für die Öffentlichkeit zu erhalten." | Bild: Beatrice Strauch

Am Rathausareal hingegen strebt die Stadt nun eine Investorenlösung an, eventuell auch mit einem Hotel. Spannende Monate also: Zum Jahreswechsel wird sich zeigen, ob Bürgermeister und Rathausangestellte ins Schloss umziehen können – oder ob das "Rathaus-Schloss" zum Luftschloss wird.