Die Aussicht werde er vermissen. Denn wenn Klaus Moosmann an seinem Stehpult arbeitet, kann er den Blick auf den Gehrenberg schweifen lassen. Auf den hat der Direktor des Staatlichen Schulamts aus dem dritten Stock des ehemaligen Landwirtschaftsamts im Stadtgraben einen eindrucksvollen Ausblick.

Moosmann war 41 Jahren im Schuldienst

Ab Mai wird Klaus Moosmann diese Aussicht nicht mehr genießen können. Er geht am 30. April in den Ruhestand. Nach 41 Jahren im Schuldienst, fünf davon als Schulleiter in Wurzach, bevor er ab 2004 im damaligen Schulamt Tettnang mit den Realschulen betraut war. Seit 2009 ist Moosmann Amtsleiter im Staatlichen Schulamt Markdorf.

Die Begrüßung und Vereidigung neuer Junglehrer zählte stets zu den Lieblingsaufgaben von Klaus Moosmann.
Die Begrüßung und Vereidigung neuer Junglehrer zählte stets zu den Lieblingsaufgaben von Klaus Moosmann. | Bild: Jörg Büsche

„Mit Menschen bin ich schon immer gut zurechtgekommen“, sagt Moosmann. Ob im Fußballverein, ob in der Schule – gleich ob im Umgang mit Kindern, Eltern oder Lehrerkollegen. „Vielleicht hängt diese Fähigkeit ja mit meinem Menschenbild zusammen“, überlegt der Schulamtsleiter. „Jeder ist wertvoll – egal, wo er steht, was er kann oder ist“, umreißt Moosmann sein Menschenbild. Daraus ergebe sich eine wertschätzende Haltung gegenüber jedermann. Solche Wertschätzung verhindere aber nicht, dass es stets geradlinig zugehen müsse, wenn‘s um die Sache gehe.

Hilfen für schwache Schüler

Schwachen Schülern zu helfen, das sei ihm immer wichtig gewesen. Keine große Herausforderung insofern, als er Kinder einfach möge. Umso mehr freue er sich auch über die wie selbstverständlichen Erfolge starker Schüler. Groß sei auch seine Freude, „wenn ich heute Ehemalige aus meinen Klassen treffe – und höre, was aus ihnen geworden ist“.

Beziehungsebene muss stimmen

Ganz wichtig: „Auf der Beziehungsebene muss es stimmen“, erklärt Moosmann. Seinen Studenten an der Pädagogischen Hochschule in Weingarten habe er das oft gesagt. „Methoden kann man lernen, aber wenn es mit der Beziehung zur Klasse nicht stimmt, dann wird‘s schwierig.“

Große Herausforderungen

Spannende zehn Jahre habe er als Leiter des Staatlichen Schulamts Markdorf erlebt. „Mir ist nie langweilig geworden“, sagt Moosmann schmunzelnd. Tatsächlich war da nur sehr wenig Zeit, die Aussicht aus dem Bürofenster zu genießen. Standen doch so große Herausforderungen wie die Einführung der Werkrealschule neuen Typs, die seit 2010 eine eigene Schulform dargestellt. Gleichfalls neu in Baden-Württemberg waren 2012/13 auch die Gemeinschaftsschulen, von denen es im Schulamtsbezirk Markdorf 16 gibt – die nächstgelegenen in Meersburg, Friedrichshafen und Salem.

Vertrauensverhältnis das A und O

Spricht Klaus Moosmann über Schüler und Lehrer, dann fällt oft das Wort „Wertschätzung“, spricht der Schulamtsleiter von Gemeinden, Räten und Verwaltungen, nimmt er häufig den Begriff Vernetzung in den Mund. Der enge Kontakt, ein Vertrauensverhältnis zwischen Kommunen und Schulverwaltung seien das A und O, damit für die Kinder und Jugendlichen in einer Gemeinde die optimalen Entwicklungsmöglichkeiten angeboten werden können.

Klaus Moosmanns Tipp, die Schule mit einem Lächeln zu betreten, haben die meisten Junglehrer beherzigt.
Klaus Moosmanns Tipp, die Schule mit einem Lächeln zu betreten, haben die meisten Junglehrer beherzigt. | Bild: Jörg Büsche

„Darauf habe ich ebenfalls immer viel Wert gelegt – aufs gute Miteinander mit den Schulträgern“, mit den Gemeinden, so Moosmann. Besonders wichtig sei aus seiner Sicht, „dass das Geld dort investiert wird, wo es den meisten Sinn macht“. Für den Schulamtsleiter sind das die Kindertagesstätten, aber auch die Grundschulen.

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Dass es am Markdorfer Bildungszentrum (BZM) gelungen ist, Real- und Werkrealschule zum Schulverbund zusammenzubinden – vor allem eine einvernehmliche Regelung zu finden –, habe ihn sehr gefreut, erklärt Moosmann. So stehe wieder die pädagogische Arbeit im Vordergrund, nicht etwa schulpolitische Diskussionen.

Inklusion und Integration wichtig

Große Herausforderungen für die Schulen, mithin auch für das Schulamt, sieht Moosmann in den Bereichen Inklusion und Integration. Auch deshalb beschäftigt es Schulamtsleiter Klaus Moosmann, „dass unser Amt derzeit personell nicht gut ausgestattet ist“. Auf der Schulratsebene sind von zwölf Sollstellen aktuell lediglich 7,5 besetzt. Die Folge: Die Beratungs- und Unterstützungsfunktion des Schulamts für die Schulen muss zurückgefahren werden – zugunsten der notwendigen Aufsichtsaufgaben, zugunsten der Personalsteuerung und Unterrichtsversorgung.

Inklusion und der Integration schreiten voran

Und doch zeigt sich Moosmann zuversichtlich, dass die Schulen in den gesellschaftlich so wichtigen Bereichen der Inklusion und der Integration weiterhin voranschreiten. Für beide Aufgaben misst der begeisterte Sportler übrigens auch den Sportvereinen einen großen Stellenwert bei, damit die Benachteiligten zu mehr Teilhabe gelangen.

Lächeln als Erfolgsrezept

„Betreten Sie Ihre Schule mit einem Lächeln.“ Das war der Rat, den Klaus Moosmann den von ihm im September vereidigten Junglehrern jedes Mal mit auf den Weg gegeben hat. Es war auch sein eigenes Erfolgsrezept in der mehr als 40-jährigen Schullaufbahn. Denn sein Lächeln, seine Vorfreude auf die Begegnung mit seinen Schülern, war das, was seine Realschulrektorin in Weingarten am Junglehrer Moosmann besonders geschätzt habe, erinnert sich der Schulamtsleiter. Der sich noch immer sicher ist, „das Lehrer ein schöner Beruf ist“.