Die Stadthalle stand am Wochenende ganz im Zeichen der Eisenbahn. Die Markdorfer Modelleisenbahnfreunde hatten zu den 30. Modellbahntagen eingeladen. Und während am Samstag Sammler und Händler aus der Region Lokomotiven, Waggons, Schienen und Modellbahn-Zubehör jeder Art – und Größe – präsentierten, drehte sich am Sonntag alles um die Modellbahnanlagen. Höhepunkt war auch in diesem Jahr der "Bahnhof Warthausen", die große Gemeinschaftsanlage des Modelleisenbahnvereins. Für die kleinen Besucher dürften indes die Kinderspielanlagen sowie die Bastelecken zum Selber-Fahren und Selber-Kleben noch interessanter gewesen sein.

Viel Andrang beim Spezialmarkt für Modelleisenbahnen am Samstag.
Viel Andrang beim Spezialmarkt für Modelleisenbahnen am Samstag. | Bild: Jörg Büsche

Sie eilen, sie winken, sie lesen Zeitung. Eines aber machen die winzig kleinen Menschlein auf den Bahnhof-Modellen noch nicht. Sie tasten noch nicht mit gesenktem Kopf auf ihren Smartphones. In den Zügen sitzend, an den Gleisen stehend oder auf den Bahnhofsvorplätzen, ob fahrend oder wartend: Alle Welt schaut heute auf das Handy. Und etliche Besucher der jüngsten Modellbahntage in Markdorf taten dies auch. Zum Beispiel Jens Seeberg von den Modelleisenbahnfreunden. Mit seiner von einem Vereinskollegen entwickelten App, "kann ich auf meinem Handy die Dampfloks im Nebenraum der Stadthalle steuern", erklärte er. Die Welt der Miniatureisenbahnen ist längst auf die digitale Spur gekommen. Die Frage lautet nicht mehr H0 oder Spur 1, Dampflok oder modernere Züge. Die Frage ist: digital oder analog? Und welche Folge-Fragen sich aus diesem Umstieg oder Neueinstieg ergeben, das beantwortete Michael Zurell am Samstagvormittag durch seinen Vortrag "Digitale Modellbahn".

Nils, Luis, Gudrun Abend, Magdalena, Sara und Erwin Eich (von links) beim Basteln von Modelleisenbahn-Häusern.
Nils, Luis, Gudrun Abend, Magdalena, Sara und Erwin Eich (von links) beim Basteln von Modelleisenbahn-Häusern. | Bild: Jörg Büsche
Philipp, Andreas, Markus, Sven, Jens Seeberg und Andrezej Klimas (von links) beraten die Besucher, wie man eine Modellbahn pflegt.
Philipp, Andreas, Markus, Sven, Jens Seeberg und Andrzej Klimas (von links) beraten die Besucher, wie man eine Modellbahn pflegt. | Bild: Jörg Büsche

Vorbei die Zeit, da die maßstabsgetreuen Loks nur rasselnde Hänger hinter sich herzogen. Fast vergessen auch ihr erstes Dampfen, das eher ans Paffen von Räuchermännchen erinnerte. Heute schnaufen Dampfloks höchst wirklichkeitsnah, husten, prusten, fauchen im Rhythmus der Beschleunigung. Jeder Huster eine Wolke, jedes Zischen ein Strahl. Dank digitaler Technik tauchen Modellbahn-Dampflokomotiven in den Sound-Track ihrer großen Vorbilder ein. Und sie wurden am Wochenende vom Mann in der Mitte der Anlage gesteuert. Auf seinem Computer-Display hatte er die gesamte Gleisanlage im Blick – wie die realen Vorbilder im Stellwerk. Es war kaum zu entscheiden, ob das Staunen der Herren rund um die Anlage mehr den schmauchend, fauchenden Spur-1-Loks galt oder doch dem geheimnisvollen Tun des umsichtigen Lenkers. Mathias Fetscher, Vorsitzender der Modelleisenbahnfreunde, begrüßt den Trend zur Digitalisierung: "Damit wächst wieder das Interesse am Modelleisenbahn-Hobby."

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