Claudius Hoffmann steht und hat die Stimme erhoben. Er berichtet vom reinen Schrecken. Vom Kernstück der christlichen Lehre. Von all der Schmach, die da zu erdulden ist. Von der Pein des Herrn, den erst die Hohepriester verhöhnen, dann das Volk beschimpft und schließlich die Kriegsknechte mit Fäusten und Stecken traktieren. Die Tortur des Gekreuzigten hat Hoffmann genau beschrieben. Dies in quasi nüchternem Ton. Nur Jesu Flehen zum Vater rief der Schauspieler mit Nachdruck. Ebenso den Sterbensschrei des Gekreuzigten, der den römischen Hauptmann auf Golgatha schaudern lässt. Eindringlicher lässt sich das entsetzliche Geschehen kaum schildern.

Und was hat Bach daran anschließen lassen? Was folgt aufs Grauen der bei Markus beschriebenen Passion? Versöhnliche Klänge, ein „Oh Jesu du“ von reinster Lieblichkeit. Keine Spur von komponiertem Horror, keine dissonante Note. Das Opfer, der Beweis allerhöchster Gnade, bettet sich in ein Gefüge vollendeter Harmonie ein. Hier tönt reine Versöhnung und Zuversicht und Heilsgewissheit. Hier singt der Chor mit größter Milde. Und den von Uli Vollmer dirigierten Sängerinnen und Sängern gelingt allerschönste Klarheit. Auf dass der Kontrast zum unerhörten Geschehen um so größer wird.

Wenn die lange Stille nach dem allerletzten Chorlied, nach „Bei deinem Grab und Leichenstein“ mit dessen gewissermaßen aufmunternden, ja fast freudigen Charakter – ein neuerlicher starker Kontrast zum Inhalt –, wenn diese Stille als Ergriffenheit zu werten ist, dann dürfte sich im sich daran anschließenden heftigen Applaus des Publikums in der St.-Nikolaus-Kirche auch der Dank fürs Berührtwerden geäußert haben. Fürs Berührtwerden durch die Bachsche Musik – in ihrer vorzüglichen Darbietung durchs Schaffhauser Barockensemble.

Auf dessen „historisches“ Instrumentarium sich ebensowohl Verena Wachter, Tobias Knaus und William Lombardi, die Gesangs-Solisten, fabelhaft eingestellt haben wie der Chor der Musikfreude. Es klang, als käme da eine eigene, gänzlich geschlossene und stimmige Botschaft aus dem Chorraum.