Bauhofleiter Stefan Mutter zeigt in seinem Büro ein DIN-A4-Blatt "Reinigungs- und Aufräumarbeiten im Stadtgebiet". Auf dieser Liste stehen 24 Bereiche, die täglich von zwei Mann abgeklappert werden. Außerdem sind zwei Mal pro Woche die Container-Insel an der Planckstraße sowie alle von der Stadt aufgestellten Mülleimer dran. Weitere 14 Positionen sind einmal wöchentlich zu reinigen. Im Regelfall alle zwei Wochen oder nach Bedarf sind Fußwege dran. "Vorsichtig gerechnet, kommen pro Woche um die 45 bis 50 Arbeitsstunden auf den üblichen Touren zusammen", berichtet Stefan Mutter.

Schlachtabfälle weggeräumt

Der Bauhofleiter und vor allem seine Mitarbeiter, die regelmäßig auf Tour sind, haben festgestellt, dass der Aufwand in den vergangenen drei Jahren deutlich zugenommen hat, um Parkhäuser, Tiefgaragen, Straßen, Wege und Plätze in ordentlichem Zustand zu halten. Mutter nennt ein paar Extrembeispiele: "Am Waldrand an der Bergheimer Straße standen mehrere Kanister mit undefinierbaren Flüssigkeiten. In Bürgberg und Ittendorf haben wir auch schon Kanister mit Altöl und Altreifen weggeräumt. Teilweise musste kontaminiertes Erdreich ausgegraben und entsorgt werden. Ach ja, vergangenes Jahr mussten wir auf dem Waldparkplatz Richtung Raderach Schlachtabfälle wegräumen." Der Bauhofleiter sieht in den Unterlagen nach: Allein im Februar sind von Bauhofmitarbeitern mehr als 2,8 Tonnen Abfall gesammelt und auf die Mülldeponie Weiherberg gebracht worden. "Das wird im Frühjahr und in den Sommermonaten eher mehr werden", blickt Mutter voraus.

Beim Markdorfer Recyclinghof sichten die Bauhofmitarbeiter Viktor Martin (links) und Hubert Bisinger wilde Müllablagerungen: Darunter sind beispielsweise Platten eines Ausziehtischs, ein Minitrampolin, Stahlgitter, eine Waage und Betonbotenplatten. Das Sammelsurium an Hinterlassenschaften muss beim Abfallwirtschaftsamt angemeldet werden, damit es später kostenfrei auf der Mülldeponie Weiherberg angeliefert, sortiert und entsorgt werden kann.
Beim Markdorfer Recyclinghof sichten die Bauhofmitarbeiter Viktor Martin (links) und Hubert Bisinger wilde Müllablagerungen: Darunter sind beispielsweise Platten eines Ausziehtischs, ein Minitrampolin, Stahlgitter, eine Waage und Betonbotenplatten. Das Sammelsurium an Hinterlassenschaften muss beim Abfallwirtschaftsamt angemeldet werden, damit es später kostenfrei auf der Mülldeponie Weiherberg angeliefert, sortiert und entsorgt werden kann. | Bild: Toni Ganter

Zweimal täglich muss sein

Einer der Müllschwerpunkte ist laut Mutter der Bereich zwischen Lemon Beat Club, McDonald's, Aldi-Markt und Bildungszentrum, in der dortigen Unterführung und entlang der Fußwege. "Da wird zweimal täglich nachgeschaut und aufgeräumt. Oft liegen leere Glasflaschen und Glasscherben herum", erzählt Bauhofleiter Stefan Mutter. Er vermutet, das Partygänger und Disco-Besucher dafür verantwortlich sind. Hinzu kommen Becher, Verpackungsmaterial und Tüten von Snacks, Fastfood, Getränkedosen und Süßwaren, mit denen sich beispielsweise Schüler in den Mittagspausen eindecken.

Genug der Theorie. Ein paar Eimer, Greifer und Müllsäcke auf einen Pritschenwagen geladen – ab geht's mit den Bauhofmitarbeitern Hubert Bisinger und Viktor Martin auf Tour. Entlang der Hauptstraße werden die Mülleimer geleert. Aus einem fischt Viktor Martin eine große Einkaufstüte, die randvoll mit Hausmüll ist. Im Parkhaus an der Poststraße werden alle Decks und die unmittelbare Umgebung abgeklappert. Viktor Martin schüttelt den Kopf: "Da schau mal. Eine Kühltasche, auch ganz voll mit Hausmüll. Einfach hinter ein Auto in die Ecke gestellt." Dieses Mal bleibt es der einzige große Fund im Parkhaus Poststraße, was nach Martins Erfahrung eher ungewöhnlich ist.

Sperrmüll im Parkhaus Poststraße. <em>Archivbild: Stadtverwaltung</em>
Sperrmüll im Parkhaus Poststraße. Archivbild: Stadtverwaltung

Beim Bahnhofsgebäude sieht die Sache anders aus. Alle öffentlichen Mülleimer sind halb- bis ganz voll, verstreut liegen Coffee-to-go-Becher, Getränkedosen, zahlreiche Glasflaschen, einige davon zerbrochen. Schon nach wenigen Minuten passt nichts mehr in die drei 10-Liter-Eimer. Das Zeug also in einen Müllsack geleert, es wird noch einige Minuten weiter aufgeräumt.

Ausrangierte Möbel neben dem Parkhaus Poststraße. <em>Archivbild: Stadtverwaltung</em>
Ausrangierte Möbel neben dem Parkhaus Poststraße. Archivbild: Stadtverwaltung | Bild: Stefan Mutter

Wilder Müll beim Recyclinghof

Im Bereich der Unterführung Zeppelinstraße, zwischen McDonald's und Aldi, ist dieses Mal nicht so viel wie sonst zu tun – auch das ist laut Hubert Bisinger und Viktor Martin eher ungewöhnlich. Dafür gibt es wieder einmal eine unangenehme Überraschung vor dem umzäunten Recyclinghof: Beispielsweise sind ein Minitrampolin, Betonbodenplatten, Platten eines Ausziehtisches sowie Stahlgitter abgestellt worden. "Diese wilde Müllablagerung wird telefonisch beim Abfallwirtschaftsamt angemeldet. Wir vom Bauhof laden das dann auf und fahren zur Mülldeponie Weiherberg. Dort können wir dann sortieren und entsorgen. Ohne Anmeldung müsste die Stadt für die Müllmenge zahlen... ist ja letztlich auch Steuergeld", erzählt Hubert Bisinger.

Weniger Aufräumaufwand als sonst gibt's dieses Mal neben dem Bildungszentrum auf der Trendsportanlage. Dennoch: "Sechs Mülleimer sind hier aufgestellt. Und trotzdem müssen wir täglich zum Kontrollieren und zum Aufräumen kommen", sagt Hubert Bisinger. Aus dem Unterton wird deutlich: Es gibt eigentlich genügend andere Arbeiten zu erledigen.

Inzwischen bei der Unterführung B 33/Mühlöschle angekommen, geht diese Tour dem Ende zu. In einem Gebüsch liegen zwei Spraydosen Dekofarbe und in der Umgebung Verpackungen von Süßwaren, zig leere Zigarettenschachteln, aufgeweichte Papiertaschentücher... Wieder auf dem Bauhof, laden Hubert Bisinger und Viktor Martin mehrere 120-Liter-Müllsäcke ab. Nach der Mittagspause geht die Arbeit weiter. Und in den nächsten Tagen folgen weitere Reinigungstouren im Stadtgebiet und in den Markdorfer Stadtteilen. Eine lästige Daueraufgabe, für die es schon eine Portion stoische Gelassenheit braucht. Das merkt man beim Mithelfen ganz schnell.

Die Stadt Markdorf veranstaltet zum vierten Mal einen Aktionstag „Saubere Stadt“ am Samstag, 17. März.

  • Während dieser großen, öffentlichen Aufräumaktion wird in der Kernstadt und im Ortsteil Riedheim Unrat eingesammelt. Teilnehmen können Einzelpersonen, Gruppen aus Vereinen, Organisationen und Schulen. Gemeinsam wird von 9 bis 12 Uhr an bereits festgelegten Orten Müll eingesammelt. Helfer sollten auf geeignete Arbeitskleidung, Handschuhe, Warnwesten und festes Schuhwerk achten. Werkzeuge oder Behältnisse werden gestellt.
  • Laut Stadtverwaltung sind die Teilnehmer im Rahmen einer Pauschalversicherung für die Aktion unfall- und haftpflichtversichert.
  • Dieses Jahr wird es erstmals zwei Treffpunkte geben: Für all jene Helfer, die in der Kernstadt Unrat einsammeln wollen, ist die Stadthalle der Ausgangspunkt. Für all jene, die im Ortsteil Riedheim sammeln wollen, ist der Treffpunkt auf dem Parkplatz hinter der Ortsverwaltung Leimbach.
  • Den Aktionstag werden alle Beteiligten mit einem gemeinsamen Mittagessen gegen 12 Uhr in der Stadthalle beenden.
  • Verbindliche Anmeldungen per Telefon oder per E-Mail beim Stadtbauamt bis spätestens Dienstag, 13. März. Bei den Anmeldungen gleich die Anzahl der Helfer und des Sammelgebietes (Markdorf oder Riedheim) nennen. Bei Vereinen oder Organisationen wird ein Betrag von 7 Euro je Helfer gezahlt. Die Anmeldungen werden von Sandra Arnold angenommen, Telefonnummer 0 75 44/50 02 72, E-Mail: s.arnold@rathaus-markdorf.de