Es gibt Termine, die scheinen für viele Jugendliche den gesamten Jahreslauf zu bestimmen. Wie beispielsweise das Minilager in den Sommerferien. Zu einer veritablen Größe hat sich nicht nur dieses Lager gemausert, auch die Markdorfer Ministranten sind längst zu einer Hundertschaft herangewachsen. Und alle wollen sie mit ins Minilager.

"Das ist aber nicht nur für Minis, da gehen auch einige Nicht-Minis mit", sagt Leah Radau, die seit einigen Jahren dieses Ferienlager betreut und begleitet. 73 Kinder seien es in diesem Jahr in der Hütte gewesen, "so viele wie noch nie", benennt sie diesen Superlativ und den großen Beliebtheitsfaktor dieser Mini-Massenveranstaltung. Denn längst habe sich dies rumgesprochen, und so kämen neuerdings auch Freunde mit. "Mir kommt es vor, dass dieser Hüttenaufenthalt seit diesem Jahr so richtig XXL geworden ist", lacht Leah Radau. Ausmaß hin oder her: Es scheint, diese Dimension mache ihr in ihrer burschikos-anpackenden Art keinerlei Kopfzerbrechen.

"Das klingt jetzt erst mal einfacher, als es in Wirklichkeit ist", sagt sie. Es ist ein enormer Aufwand mit einer langen Vorlaufzeit. "Wir stellen das immer selbst auf die Beine, organisieren in wochenlanger Arbeit alles." Warum sie und alle anderen Betreuer dies Jahr für Jahr tun? "Weil wir daraus fürs Leben lernen", sagt Leah Radau und wirft einen konspirativen Blick in Richtung ihres Mini-Kollegen Joost Löbermann. Er zählt mit 19 Jahren ebenfalls längst zu den "Großen" und betreut zusammen mit Leah Radau und rund 20 weiteren Leitern das Lager.

Wandern mit den Eltern kann sowas von öde sein. Im Minilager, wie hier im vergangenen Sommer in Saalbach, wird es zum begeisterten Gruppenauflauf.
Wandern mit den Eltern kann sowas von öde sein. Im Minilager, wie hier im vergangenen Sommer in Saalbach, wird es zum begeisterten Gruppenauflauf. | Bild: Ministranten Markdorf

"Natürlich ist das Lager das Highlight im Mini-Jahr", sagt die 20-Jährige. Da gelte nur eine einzige Maxime: "Die Eltern müssen auf jeden Fall ihren Jahresurlaub danach richten." Wer einmal dabei gewesen sei, der wolle immer wieder mit. "Wochen danach wird noch darüber gesprochen", sagt Leah Radau. Womöglich schon wieder darüber gesprochen?

Dass sich eine so engagierte und in der Tat nachhaltige Jugendarbeit zwar bezahlt macht, ohne für die Leiter bezahlt zu sein, ist die große Anforderung, der Antrieb bei dieser Aktion.

Richtet man den Blick auf den sozialen Aspekt, den eigentlichen Mehrwert des Minilagers, bekundet Leah Radau, fern jeglicher idealisierender Vorstellungen: "Klar gibt's Zoff, aber die Kinder müssen sich eben zusammenraufen." Einfache Sachen seien es, die man hier lerne, ja begreife. Umgangsformen, gemeinsames Essen, aufeinander warten. Sich an Regeln halten und sich gegenseitig helfen. Auch Dinge tun, die nicht selbstverständlich seien: "Alles im Prinzip normale Sachen." In erster Linie sei es der respektvolle Umgang miteinander, fasst Leah Radau alles noch einmal zusammen. Es gehe ihr und Joost Löbermann sowie allen anderen Minis um Nachhaltigkeit, wie man Neudeutsch so schön sagt. Und es geht ihr um die Gemeinschaft, die beim Minilager erlebbar wird. Nie aber geht es um den finanziellen Aspekt. Im Gegenteil. "Wir Leiter haben in der Summe, unter anderem auch durch den Einsatz beim Narrentreffen, 4000 Euro erwirtschaftet und so das Lager bezuschusst. Damit an jedem einzelnen weniger Kosten hängenbleiben."

Sie alle machen das einfach so. Für 'n Appel und 'n Ei und für eine tolle Sache. Warum das ein Projekt ist, das unterstützenswert ist? "Weil unsere Freizeit dafür nicht flöten geht, sondern um ein Vielfaches bereichert wird." Frei nach dem Mini-Max-Prinzip eben.

Aktion Vereinshelden

Der SÜDKURIER lobt drei Preise bei der Aktion "Vereinshelden" aus. Insgesamt beträgt das Preisgeld 5000 Euro, das unter den drei Vereinen aufgeteilt werden wird, deren Projekte unsere Leser als die unterstützenswertesten auswählen. Einen Coupon für die Leserabstimmung veröffentlicht der SÜDKURIER am 7. November. Da werden nochmal alle Projekte vorgestellt, für die dann bis zum 10. November abgestimmt werden kann. Als Sonderpreis der Redaktion wird noch für eine vierte Aktion den in SÜDKURIER-Farben gehaltenen Bus unseres Partners Wegis Reisen (Ahausen) inklusive Fahrer für einen Tag zur freien Verfügung gestellt.