Ein bisschen ist es wie Weihnachten: Vorfreude, Gespanntheit und ein gewisses freudiges Aufgekratztsein mischen sich. Nur wartet das Publikum im Theaterstadel nicht aufs Christkind, sondern auf die Echse. Und die hat keine blonden Locken und trägt außerdem ein grünes Mäntelchen. Doch noch ist es nicht so weit.

Schlange pampt Hatzius erst mal gründlich an

Zunächst wird Michael Hatzius, so heißt der sympathische junge Mann, der in Clownsmaske auf die Bühne tritt, gründlich zur Minna gemacht. „Keine Zaubertricks“, muss er sich anherrschen lassen. Ausgerechnet von einer Schlange, die als Handpuppe auf seinem rechten Arm steckt und ihm alle Clownerien strikt verbietet.

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Schroff, pampig, ungehalten geht es dann auch weiter, als die beiden Schweine im Programm auftauchen. Auch sie sind aus Stoff. Doch wirken sie viel, viel wulstiger als die vergleichsweise niedliche Handpuppen- Schlange. Insbesondere das rechte Schwein, eine ausgewachsene Sau, bringt die Zuschauer ob seiner gut gestopften Feistigkeit schon durch seinen bloßen Anblick zum Lachen. Es ist ständig ungehalten, ja verdrossen – und lässt seinen geballten Unmut am kleineren Schwein neben sich aus, einem Eber. Er nuschelt, stottert obendrein und wird vom Schwein beständig gemobbt: Er sei ja so hässlich.

Normalität geronnener Bosheit

So weit das Kapitel Paarbeziehung mit seinen typischen Spitzen, kleiner und großer Niedertracht und zur Normalität geronnener Bosheit – die sich mal in schnellen, schiefen Blicken, dann wieder als giftiger Kommentar niederschlagen. Allzu Menschliches aus dem Schweinekoben hält den Besuchern den Spiegel vor – und bringt zum Lachen. Wobei das Lachen klingt, als solle es, bitteschön, wieder etwas Distanz schaffen.

Echse lässt den Großkotz quellen

Weniger Probleme bereitet da die Echse, der Meister, der Guru, der Heiler. Ständig paffend, und wenn nicht paffend, dann die Zigarre mit großer Geste durch den Raum führend, zeigt sich da ein Wesen, das alles kann, alles besser weiß, das besonders gutmütig wirken will, aber aus jeder Schuppe den Großkotz quellen lässt. Es schubbert einen bei jedem Satz. Solch einer ist ganz anders. Solch einer fasziniert nur.

Großes Theater mit Puppen und Dialogen

Allein schon das Spiel mit den Puppen, deren Grimassen, deren Körpersprache wirft um. Hinzu kommen die fabelhaften Dialoge oder Monologe. Die sind großes Theater. Hinzu kommt aber noch Weiteres: Michael Hatzius' anarchisch überbordender Einfallsreichtum – und seine ungeheuerliche Spontanität. Er spielt keineswegs allein mit den Puppen. Er spielt auch mit seinem Publikum, lässt es zappeln, spannt es auf die Folter, versetzt es in Panik. Hatzius ist ein Zauberer.