„Die 454 Straftaten sind ein neuer Tiefststand“, sagt Günter Hornstein, Leiter des Polizeireviers Überlingen, zu dem Markdorf, Bermatingen und das Deggenhausertal gehören, bei der Vorstellung der Zahlen.

Markdorf auf „normalem Kleinstadt-Niveau“

Für die Polizeistatistik sei ein Fünfjahresvergleich der Wert, an dem man sich orientieren könne, erklärt Hornstein. Hier liegt der Schnitt für Markdorf bei 503 Straftaten pro Jahr. „Die Stadt bewegt sich auf einem normalen Kleinstadt-Niveau“, so Hornstein.

Die Aufklärungsquote lag 2018 bei 67 Prozent gegenüber 55,6 Prozent im Jahr 2017. Das ist deutlich über dem Schnitt im Bodenseekreis, der bei 61 Prozent liegt. „Das zeigt, dass der Polizeiposten Markdorf sehr gute Arbeit leistet“, lobt Günter Hornstein seine Kollegen.

Mehr Übergriffe auf Polizeibeamte

Weniger erfreulich sei die Tatsache, dass in Markdorf im vergangenen Jahr in sieben Fällen Polizeibeamte beim Einschreiten tätlich angegriffen worden sind. Das bedeutet eine Zunahme von drei Fällen gegenüber 2017 und im Fünfjahresvergleich einen Höchststand. „Vor allem junge Menschen begegnen uns aggressiver und mit weniger Respekt“, berichtet Jörg Schirm, Leiter des Polizeipostens Markdorf. Er und sein Team versuchen, professionell damit umzugehen.

Bild: Müller

Bahnübergang kein Unfallschwerpunkt

Schwerpunktthemen habe es laut Schirm im vergangenen Jahr in Markdorf nicht gegeben. Bezüglich der Situation am Bahnübergang hätten sich immer mal wieder Bürger gemeldet und eine Überwachung des Bereiches gefordert. „Der Bahnübergang war und ist kein Unfallschwerpunkt“, erklärt Jörg Schirm. Generell gebe es in Markdorf keine Bereiche, in denen auffällig viel passiere – weder bei Unfällen noch bei beispielsweise Sachbeschädigungen oder Lärmbelästigungen. „Auch die Trendsportanlage ist kein Brennpunkt“, stellt Schirm klar.

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Die Zahl der Wohnungseinbrüche ging von sechs auf vier Fälle zurück, dazu kommt ein Tageswohnungseinbruchsdiebstahl. Der Überfall in der Bernhardstraße im vergangenen Jahr sei ein besonders schwerer Fall gewesen. „Wir sind sehr froh, dass es der Polizei gelungen ist, die Täter zu ermitteln und diese vor Gericht standen und verurteilt worden sind“, sagt Günter Hornstein.

Wegen der vielen Angeklagten musste der Prozess wegen schweren Raubs und gewerbsmäßiger Bandenhehlerei in das ehemalige Siemensgebäude verlegt werden. Hinter der Mauer ist Presse und Zuhörern Platz zugewiesen.
Wegen der vielen Angeklagten musste der Prozess wegen schweren Raubs und gewerbsmäßiger Bandenhehlerei in das ehemalige Siemensgebäude verlegt werden. Hinter der Mauer ist Presse und Zuhörern Platz zugewiesen. | Bild: Keutner, Christiane (Extern)

Die Zahl der Körperverletzungen stieg von 39 auf 60 Delikte. Bei der Ursachenforschung tun sich die beiden Polizisten schwer. „Die Analyse war nicht erfolgreich“, sagt der Revierleiter. Es gebe keine Örtlichkeiten oder Lokalitäten, in denen die Polizei auffällig oft eingreifen haben müssen. Auch seien alle Feste in der Region ruhig und friedlich verlaufen, es habe keine Auffälligkeiten gegeben. „Es könnte sein, dass sich das Anzeigenverhalten geändert hat und die Leute schneller zur Polizei gehen“, vermutet Hornstein.

Zahl der Einbrüche geht zurück

Körperdelikte und Einbrüche sind Bereiche, die sich im öffentlichen Raum ereignen und laut Hornstein das Sicherheitsgefühl der Bürger beeinträchtigen. Dass die Zahl der Einbrüche kontinuierlich zurückgehe, zeige, dass Präsenz und Prävention der Polizei Erfolg zeige. Auch sei das Thema in der Öffentlichkeit präsent.

Einige Fragen stellten die Besucher des Vortrags an Polizeihauptkommissar Hans Hunger. Weiter von links Organisatorin Wiltrud Bolin, Charlotte Schellinger, Ewald Löhle und Ingeborg Heberle.
Einige Fragen stellten die Besucher des Vortrags an Polizeihauptkommissar Hans Hunger. Weiter von links Organisatorin Wiltrud Bolin, Charlotte Schellinger, Ewald Löhle und Ingeborg Heberle. | Bild: Keutner, Christiane (Extern)

Auch die Zahl der Betrugsdelikte hat erneut zugenommen – von 100 auf 109. Hier warnen beide Polizisten davor, im Internet und am Telefon zu „unbedarft und leichtsinnig“ zu sein. „Falsche Polizisten“ und „Enkeltrick“ sind bekannt.

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Dennoch gibt es immer wieder Personen – vor allem ältere Menschen – die auf die Masche hereinfallen und große Mengen an Bargeld oder Schmuck unbedarft an fremde Personen geben. „Hier können wir nicht oft genug betonten, vorsichtig zu sein“, sagt Jörg Schirm. Die Rauschgiftdelikte stiegen von 28 auf 34, die Sachbeschädigungen sanken von 115 auf 75 Fälle.

90 Straftaten in Bermatingen

In Bermatingen liegt die Aufklärungsquote deutlich höher, sie liegt bei 64,4 Prozent, im Vorjahr lag sie bei 67 Prozent. Die Straftaten in der Gemeinde sind von 97 (2017) auf 90 gesunken. Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist wieder gestiegen, von zwei auf sieben. Die Diebstahldelikte bleiben mit 20 konstant, es gab 13 Körperverletzungen (2017: zehn), 12 Sachbeschädigungen (2017: 15) und vier Rauschgiftdelikte (2017: sechs). Von insgesamt 49 Tatverdächtigen waren neun unter 21 Jahre alt.

96 Straftaten im Deggenhausertal

Im Deggenhausertal gibt es 96 Straftaten (2017: 112). Die Aufklärungsquote liegt bei 53,1 Prozent (2017: 64,3 Prozent). Die Betrugsdelikte sind von 32 auf 34 gestiegen. Die Körperdelikte liegen bei 13, 2017 waren es acht. Wohnungseinbrüche gab es keinen (2017: vier), Diebstähle 16 (2017: 14), dazu kommt eine Einbruchsserie in Gartenhäuser, die bislang noch nicht aufgeklärt ist. Von 40 Tatverdächtigen waren neun unter 21 Jahre alt.