Hin und wieder täte eine Luftveränderung gut, sagt bekanntlich der Volksmund. Dass man den Begriff jedoch nicht nur im übertragenen Sinne, sondern durchaus auch absolut wortwörtlich nehmen kann, war mir bislang noch nicht wirklich bewusst. Am Montag zurückgekehrt aus unserem elftägigen Urlaub an der Ostsee, was denken Sie, fiel mir als erstes auf? Nein, es war nicht der Umstand, dass die Menschen plötzlich wieder schwäbisch schwätzen und mich verstehen. Es war die Luft, oder vielmehr das Fehlen einer ganz bestimmten Luft. Beim Aussteigen aus dem Auto vermisste ich auf einen Schlag die klare, salzhaltige Meerluft, die uns in den vergangenen eineinhalb Wochen so wohltuend begleitet hatte. Auf einen Schlag war die Nase wieder zu, auch der gewohnte frühlingsbedingte Niesreiz stellte sich unvermittelt wieder ein. Auch die schwüle Hitze kam mir schwerer und stickiger vor als an der Küste.

Nun ist es aber beileibe nicht so, dass an der Kieler Förde die Luftqualität ohne Abstriche paradiesisch wäre. Nahezu täglich berichteten unsere Kollegen von den "Kieler Nachrichten" über den Dieselskandal und seine Folgen – auch im Lokalteil. Denn der 250 000-Einwohner-Stadt droht ein Diesel-Fahrverbot auf dem vielbefahrenen Theodor-Heuss-Ring, denn dort sind, wie in vielen anderen deutschen Großstädten auch, die Stickoxidwerte bedenklich hoch. Gegen das drohende Fahrverbot wehren sich Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer und etliche Landespolitiker. Ob's hilft oder ob auf die Schnelle andere Lösungen gefunden werden, wird sich zeigen. Was dieses Szenario anbelangt, ist Markdorf jedenfalls – noch – auf der sicheren Seite, auch ohne die gute Meerluft. Nicht auszudenken, was hier los wäre, würde man alle Diesel-Fahrzeuge aus der Stadt verbannen. Markdorf hätte auf einen Schlag seine verkehrsberuhigte Zone, ganz ohne "shared spaces" und neue Einbahnstraßenregelungen. Also: Einfach mal tief durchatmen!

helmar.grupp@suedkurier.de