Eine Dorfstraße, niedrige Häuser, mit hohen Mauern umfasste Gehöfte, im Hintergrund zeichnen sich vor stahlblauem Himmel kahle Gebirgszüge ab. Auf der kaum befestigten Straße gehen Menschen. Viele Menschen, die, dick gegen die Kälte vermummt, Taschen und Rucksäcke tragen. Männer, Frauen, Kinder, die allesamt schnell gehen, zielstrebig, den Blick nach vorne gerichtet. „Im Irak haben wir kein Leben“, erklärt eine junge Frau in die Kamera, „daher kommen wir bis hier und gehen weiter nach Deutschland.“

Die nächste Einstellung zeigt eine größere Menschengruppe, viele Kinder mit Schals und Mützen, Männer, die sie zurück von der Fahrbahn drängen. „Humedica-Einsatz für Flüchtlinge“ blendet sich über die Bilder, „Ein Erfahrungsbericht von Einsatzkräften im Grenzgebiet“. Schnitt – ein Innenraum ist zu sehen. An der Decke flackert eine Neonlampe, beigefarbene Wände, beigefarbener Fußboden, neben einem Regal lehnt ein Mann mit randloser Brille und Stethoskop. Auf seiner roten Weste steht Humedica. „Florian Bernhard, Arzt“, erklärt ein neuerlicher Schriftzug. Der Mediziner wirkt müde. Er spricht von zunehmenden Flüchtlingsströmen hier im serbisch-mazedonischen Grenzgebiet. Vor allem aus dem Iran, dem Irak und Afghanistan sowie Syrien kämen die Menschen, von dort wegen der kriegerischen Entwicklung. Seit September 2015 setzt sich Humedica in Serbien ein. Täglich kämen rund 10 000 Flüchtlinge durch Presevo, wo dieses auf der Internetseite von Humedica veröffentlichte Video im Herbst gedreht wurde.

Ein Mädchen wärmt sich an einem Heizgerät.
Ein Mädchen wärmt sich an einem Heizgerät. | Bild: Christoph Jorda/Florian Bernhardt

„Inzwischen haben sich die Aktivitäten verlagert“, erklärt Christina Löhr, „Humedica hilft jetzt in Indomeni in Griechenland.“ Die in Markdorf wohnende Ärztin arbeitet am Ravensburger Elisabethen-Krankenhaus in der Inneren Medizin. Ende November war sie ebenfalls in Presevo, gleichfalls als medizinische Fachkraft im Auslandseinsatz, wie es auf der Seite „Mitmachen“ des Humedica-Auftritts im Internet heißt. „Wir haben in einem leeren Ladenlokal praktiziert“, erklärt die junge Ärztin. Vor ihr steht ein Früchtetee auf dem Tisch. „Heißer Tee, eine Suppe aus der Gulaschkanone vor der Tür, das waren schon die ersten wichtigen Dinge.“ Natürlich auch warme Decken – denn die Flüchtlinge, die zum Teil per Zug bis Mazedonien gefahren waren und nun etliche Kilometer Fußmarsch bis Presevo hinter sich hatten, froren, waren erschöpft – demzufolge geschwächt und anfällig für Erkältungskrankheiten.

Freilich war nicht allen Flüchtlingen mit Erkältungsmitteln und Vitamintabletten geholfen. „Da waren auch Menschen mit Kriegsverletzungen“, erzählt Christina Löhr. Und vielen stand im Gesicht geschrieben, dass sie die Schrecken in ihrer Heimat traumatisiert haben.

Doch alle drängten weiter, nach Nordwesten, am liebsten nach Deutschland, wo sie sich Sicherheit erhofften, berichtet die Markdorfer Ärztin von ihren Erlebnissen im serbisch-mazedonischen Grenzgebiet. Am Dienstag, 19. April, wird sie für das Christliche Bildungswerk Markdorf (CBW) im Haus im Weinberg von ihrem 14-tägigen Hilfseinsatz im Humedica-Team berichten. Sie wird erzählen von den Begegnungen in Presevo, von den Gesprächen mit den Flüchtlingen, deren Hoffnungen und vor allem von deren tiefer Dankbarkeit für die Hilfe.

Seifenblasen sorgen für kurze Glücksmomente im serbischen Presevo.
Seifenblasen sorgen für kurze Glücksmomente im serbischen Presevo. | Bild: Christoph Jorda/Florian Bernhardt

Beginn des Vortrags mit Dias und anschließender Gesprächsrunde ist am 19. April um 20 Uhr. Der Eintritt ist frei, es wird aber um Spenden für Humedica gebeten.

 

Humedica

„Nächstenliebe in Aktion“ lautet das Motto der im bayerischen Kaufbeuren ansässigen Nichtregierungsorganisation Humedica, die seit 1979 weltweit humanitäre Hilfe leistet. Dies vor allem durch medizinische Not- und Katastrophen-Versorgung. Humedica engagiert sich auch für die Entwicklungszusammenarbeit. Voraussetzung für die Teilnahme an einem Humedica-Hilfsprojekt ist das Absolvieren eines speziellen Einsatztrainings. Aktuell kümmert sich Humedica um die Flüchtlinge im griechischen Idomeni.

Weitere Informationen unter:
www.humedica.org