"Wir hatten gebangt", gibt Sylvia Westermann von der Tourismusgemeinschaft Gehrenberg-Bodensee zu. Noch Tage zuvor waren die Wetteraussichten alles andere als rosig. Als sich am Samstagmittag doch die Sonne zeigte, erwiesen sich die Befürchtungen als völlig unbegründet. Weggeblasen das Wetter pünktlich zum großen "Apfelfeschd" in der Altstadt. Ein, zwei Grad mehr hätten es um die Mittagszeit zwar sein können, noch herrschte "Kittelwetter". Aber Sylvia Westermann kam bereits zu dieser Stunde in ihrem luftigen Dirndl ins Schwitzen.

Zusammen mit dem Team der Tourismusgemeinschaft und den beiden Apfelköniginnen eröffnete Bürgermeister Georg Riedmann am Samstagnachmittag die Auftaktveranstaltung zu den Bodensee Apfelwochen. Von links: Claudia Herzer-Schneider, Barbara Raeder, Martina Demmer, Sylvia Westermann, Bodenseeapfelkönigin Sabrina Heiß, Südtiroler Apfelkönigin Anna Michaeler.
Zusammen mit dem Team der Tourismusgemeinschaft und den beiden Apfelköniginnen eröffnete Bürgermeister Georg Riedmann am Samstagnachmittag die Auftaktveranstaltung zu den Bodensee Apfelwochen. Von links: Claudia Herzer-Schneider, Barbara Raeder, Martina Demmer, Sylvia Westermann, Bodenseeapfelkönigin Sabrina Heiß, Südtiroler Apfelkönigin Anna Michaeler. | Bild: Helga Stützenberger

Von Entspannung noch keine Spur, gab es doch noch alle Hände voll zu tun. Ein paar Stände wurden hier noch aufgebaut, dort fehlten noch die Kanister mit dem Most, und am Untertor drängten bereits die Musikanten mit ihren Instrumenten in den Schlosshof, wo sich bald schon um die Stände Menschentrauben bildeten und den Durchgang zum Nadelöhr werden ließen. "Es ist unglaublich viel, was an so einer Veranstaltung alles dran hängt", so Westermann.

Gemeinsam haben sie zum Gelingen des „Apfelfeschds“ beigetragen: (von links) Bodenseeapfelkönigin Sabrina Heiß, Südtiroler Apfelkönigin Anna Michaeler, Barbara Raeder, Martina Demmer, Claudia Herzer-Schneider und Sylvia Westermann.
Gemeinsam haben sie zum Gelingen des „Apfelfeschds“ beigetragen: (von links) Bodenseeapfelkönigin Sabrina Heiß, Südtiroler Apfelkönigin Anna Michaeler, Barbara Raeder, Martina Demmer, Claudia Herzer-Schneider und Sylvia Westermann. | Bild: Helga Stützenberger

Unglaublich viel war es auch, was hier Tage und Wochen zuvor geleistet wurde. Und ohne das perfekt eingespielte Team der Tourist-Info wäre so eine Veranstaltung gar nicht möglich. "Sieben Stände mehr als zwei Jahre zuvor sind es", wirft Westermann den Blick in die Runde und freut sich sichtlich über die gelungene Mischung: Äpfel soweit das Auge reicht, dazwischen Blumen und Kränze, ein paar Kürbisse, Körbe und Kisten, Käsewürfel und Apfelkuchen, Selbstgemachtes und Hausgebranntes, Vinschgerl und Wurst und immer wieder kleine Probiererle, die den Gang durch die Marktstraße zum Spießrutenlauf im besten und köstlichsten Sinne werden ließen.

Welch Qual der Wahl bei den zauberhaften selbstgebundenen Kränzen. Irmgard Betzold, Marianne Lehn und Selma Thomas (von links) haben sich schließlich für ein Modell mit Zieräpfelchen entschieden.
Welch Qual der Wahl bei den zauberhaften selbstgebundenen Kränzen. Irmgard Betzold, Marianne Lehn und Selma Thomas (von links) haben sich schließlich für ein Modell mit Zieräpfelchen entschieden. | Bild: Helga Stützenberger

Besonders schön anzusehen war die große Apfeltafel vor dem Lichtblick, die sich in kürzester Zeit füllte mit Menschen, die sich zuvor nicht kannten. Und bald schon ergaben sich aus diesen zufälligen Begegnungen Gespräche beim gemeinsamen Essen und Schwelgen in allerlei apfeliger Köstlichkeiten. Auch im Schlosshof wurde getafelt und aufgetischt. Immer mit dem Apfel im Hintergrund oder im Vordergrund. Je nach Sichtweise und je nach dem: Ob gedeckter Apfelkuchen oder Kartoffelgratin mit Apfel-Topping.

Bei Sonnenschein und milden Temperaturen füllte sich der Schlosshof in kürzester Zeit, und man genoß bei bester Stimmung Kuchen, Kalbsbrust und Gratin.
Bei Sonnenschein und milden Temperaturen füllte sich der Schlosshof in kürzester Zeit, und man genoß bei bester Stimmung Kuchen, Kalbsbrust und Gratin. | Bild: Helga Stützenberger

Den Blick ganz genau auf den Apfel richten musste man aber bei der Apfelolympiade, die rund um den Hexenturm den Kindern ihre Geschicklichkeit abverlangte. So etwa hieß es beim Apfel-Schuss: Ansetzen, anvisieren, abdrücken. Und dann nur noch treffen! Und wer beim ersten Schuss den Apfel verfehlte, hatte auch noch einen zweiten oder dritten Versuch – frei nach der Devise: Augen zudrücken. Ohnehin spielte Treffsicherheit beim Glücksrad vor der Tourist-Information keine Rolle; kleine Preise winkten für alle Olympioniken.

Linkes Auge zu, anvisieren und abdrücken. Alex und Alina versuchen sich im Apfel-Schuss.
Linkes Auge zu, anvisieren und abdrücken. Alex und Alina versuchen sich im Apfel-Schuss. | Bild: Helga Stützenberger
So schwer kann's doch gar nicht sein, den Apfel mit der Armbrust zu treffen, denkt sich Alina.
So schwer kann's doch gar nicht sein, den Apfel mit der Armbrust zu treffen, denkt sich Alina. | Bild: Helga Stützenberger

Mit dem Fortgang des "Feschdes" stiegen mit der Stimmung und den immer schwungvoller werdenden Klängen der Musiker auch die Temperaturen. Und schließlich war sie ganz zurück, die Sonne, die in diesem Jahr nicht aufhören will zu scheinen. "Nein, nicht ein Grad mehr dürfte es haben", ist sich nicht nur Sylvia Westermann sicher, sondern mit ihr auch die Gäste, die in anhaltender Sommerlaune im Schlosshof und in der Marktstraße ein opulentes Fest der Sinne und einen wundervollen Herbstanfang feierten.

BUNDMan kennt fast nur noch die „neuen“ Apfelsorten. Die alten dagegen, wie Goldparmäne, Kaiser Wilhelm oder Jonathan, sind in Vergessenheit geraten. Elisabeth Moll vom BUND hält sie körbeweise bereit.
BUNDMan kennt fast nur noch die „neuen“ Apfelsorten. Die alten dagegen, wie Goldparmäne, Kaiser Wilhelm oder Jonathan, sind in Vergessenheit geraten. Elisabeth Moll vom BUND hält sie körbeweise bereit. | Bild: Helga Stützenberger