„Es gibt keinen Weg zum Frieden“, zitierte Ida Knecht Mohandas Karamchand Gandhi, den friedfertigen Widerstandskämpfer und Pazifisten aus Indien. Und was Bürgermeister Georg Riedmann, der Vorredner der 17 Jahre alten Schülerin zuvor ausgeführt hatte, schien eben diese Hoffnungslosigkeit zu bestätigen.

Von der Vergeblichkeit des Ausrufs „Nie wieder Krieg“

Aufs Scheitern der Pazifisten in den 1920er Jahren – trotz der bitteren Erfahrungen des Ersten Weltkriegs – hatte Riedmann geblickt. Auf die aggressive Außenpolitik der 1930er Jahre und den neuerlichen Kriegsschrecken zwischen 1939 und 1945, um sodann auf die Vergeblichkeit des Ausrufs „Nie wieder Krieg“ zu zeigen.

Denn noch heute stünden den um Verständigung und Ausgleich ringenden Politikern jene gegenüber, die nur auf ihre eigenen Interessen schauen – und andere Staaten dafür herabsetzen. „Russland, die Türkei und die USA“ böten aktuelle Beispiele für eine „fatale, erschreckende und brandgefährliche Politik“, sagte der Bürgermeister.

Riedmann warnt vor Herabsetzung bei gleichzeitiger Selbstüberhöhung

Beim internationalen Maßstab ließ der Bürgermeister es nicht bewenden. Er sprach auch das nationale Geschehen an, das ihm immer mehr Sorgen bereite. Zumal wieder die Scharfmacher das Wort nähmen.

Riedmann zitierte einen AfD-Abgeordneten, der mit der Wortwahl der Nationalsozialisten Menschen herabgewürdigt habe. „Ich habe gezögert, ob ich Ihnen das in einem so würdigen Rahmen zumuten kann“, erklärte Riedmann – und gab dann Begriffe wie „Schmarotzer“ und „Parasiten“ wieder. Wörter, die sich gegen um Zuflucht Bittende gerichtet hatten.

Riedmann warnte vor solcher Herabsetzung bei gleichzeitiger Selbstüberhöhung. Er wünsche sich einen begründbaren Stolz auf die eigene Nation, begründet durch Anstrengung und Leistung, betonte der Bürgermeister.

Kränze wurden auch beim Ehrenmal der Vertriebene niedergelegt.
Kränze wurden auch beim Ehrenmal der Vertriebene niedergelegt. | Bild: Jörg Büsche

Wunsch nach Achtsamkeit und Respekt im alltäglichen Miteinander

Den Wünschen und den Warnungen Georg Riedmanns stellte Ida Knecht recht konkrete Vorschläge bei. Die 17-Jährige hatte sich bei Mitschülern und im Freundeskreis umgehört. Dort gefragt, was sie denn unter Frieden verstünden.

Die 17-jährige Ida Knecht hielt den Vortrag während der Volkstrauertags-Gedenkstunde in der Aussegnungshalle.
Die 17-jährige Ida Knecht hielt den Vortrag während der Volkstrauertags-Gedenkstunde in der Aussegnungshalle. | Bild: Jörg Büsche

„Das Ergebnis hat mich überrascht“, berichtete Ida Knecht den Gästen der Feierstunde. Da war die Rede vom Brücken-Bauen, von Toleranz, von Achtsamkeit und Respekt im alltäglichen Miteinander – gleich ob in der Schule, dem Verein oder sonstwo.

Herkunft und Religion sollten keine Rolle spielen. Was zähle, sei der Wunsch nach Begegnung. Mit solchem Bewusstsein sowie dem Wunsch, „auf allen Ebenen den Frieden zu wahren“ sei ein Rezept gegen Hass und Aggression gegeben. Ida Knecht schloss ihre Rede mit dem zweiten Teil des Gandhi-Zitats: „Der Frieden ist der Weg.“

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