Die „Zukunftswerkstatt hat einen neuen Vize. Künftig wird Reinhard Hendrix an der Seite von Günther Wieth stehen, dem Vorsitzenden des die Markdorfer Tafel tragenden Vereins. Er löst Wolf Martin ab, der sich nach vier Jahren im Amt nicht wieder zur Wahl als stellvertretender Vorsitzender stellen wollte.

Bilden das neue Vorstandsteam der Zukunftswerkstatt (von links): Ursula Jürgensmeyer, Reinhard Hendrix, Günther Wieth und Rosemarie Schempp.
Bilden das neue Vorstandsteam der Zukunftswerkstatt (von links): Ursula Jürgensmeyer, Reinhard Hendrix, Günther Wieth und Rosemarie Schempp. | Bild: Jörg Büsche

Hendrix arbeitet seit August 2017 im Tafelladen am Stadtgraben mit. „Eine Arbeit, die mir sehr viel Spaß macht“, erklärte der pensionierte Luft- und Raumfahrttechniker bei der jüngsten Zukunftswerkstatt-Mitgliederversammlung. „Und jetzt möchte ich gerne etwas mehr Verantwortung übernehmen", betonte er.

Neue Ideen sind jetzt gefragt

Vielleicht wird der neue Vize-Vorsitzende auch neue Ideen einbringen. Die seien nun gefragt, erklärte Günther Wieth. Bei einer anhaltend hohen Zahl an Bedürftigen, an Tafelkunden, die sich Donnerstag für Donnerstag im Stadtgraben mit gespendeten Lebensmitteln versorgen, da ihr Einkommen nicht ausreicht. Trotz der konstanten Kundenzahlen „nimmt eine Gruppe doch zu“, so der Zukunftswerkstatt-Vorsitzende. „Die Zahl der Rentner wächst.“

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Inzwischen machen sie 17,3 Prozent der Tafelkundschaft aus. Und Günther Wieth vermutet, dass sich hier nur die Spitze des Eisbergs zeigt. „Es gibt viele Ältere in Markdorf, deren Rente nicht ausreicht, die aber nicht in die Tafel, weil sie sich schämen.“ Hinzu komme noch eine weitere Gruppe bedürftiger Senioren. Nämlich jene, die alleine den Weg in den Tafelladen überhaupt nicht mehr bewältigen könne.

Wahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergs

Die bedürftigen Senioren zu erreichen, sei schwierig. Sie mithilfe des Mehrgenerationenhauses, der Sozialstation oder anderer sozialer Einrichtungen anzusprechen, verbiete die Datenschutzgrundverordnung. „Wir wissen also auch gar nicht, wie groß der Kreis der in Armut lebenden Senioren ist. Eben hier sei der Vorstand im Zwiespalt. Einerseits „wollen wir natürlich den Bedürftigen helfen“, erklärte Wieth.

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Auf der anderen Seite fürchtet er, dass die Tafel beziehungsweise die Zukunftswerkstatt rasch an ihre Grenzen stoßen könnte. Insbesondere dann, wenn alte Menschen versorgt werden müssen, die nicht mehr aus eigener Kraft in den Tafelladen gehen können. Reinhard Hendrix regte an, „dass sich unsere 75 ehrenamtlichen Tafel-Mitarbeiter in ihrem Bekanntenkreis umhören könnten.“ Bei behutsamer Ansprache sei sicherlich der eine oder andere ältere Bedürftige zu erreichen. Und dann heiße es, in kleinen Schritten vorzugehen – ohne die Kapazität des Tafel-Ladens zu überfordern.

197 Familien haben Tafelausweis

Derzeit wohnen in Markdorf und Umgebung – die Tafelkundschaft kommt außerdem vor allem aus Bermatingen und Salem – 197 Familien, die über den von der Diakonie ausgestellten Tafelausweis verfügen. Bei rund der Hälfte dieser Bedürftigen handle es sich um Hartz-IV-Empfänger. Insgesamt beziffert Günther Wieth den Kreis der von der Tafel unterstützten Personen auf 538 Menschen. „Jede Woche kommen 204 Kunden zu uns“, erklärte der Vorsitzende.

Nach vier Jahren im Amt als stellvertretender Vorsitzender ist Wolf Martin nicht mehr angetreten. Er wurde mit einem Blumengesteck verabschiedet.
Nach vier Jahren im Amt als stellvertretender Vorsitzender ist Wolf Martin nicht mehr angetreten. Er wurde mit einem Blumengesteck verabschiedet. | Bild: Jörg Büsche

Das zweite große Arbeitsfeld der Zukunftswerkstatt ist die Unterstützung von Schülern. „Es kann nicht angehen, dass der Zugang zur Bildung vom Einkommen der Eltern abhängig ist“, sagte Günther Wieth. Die Zukunftswerkstatt arbeite hier eng mit der Schulsozialarbeit an der Markdorfer Jakob-Gretser-Grundschule zusammen.

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Damit benachteiligte Kinder doch an Ferienspielaktionen teilnehmen können. Damit sie ebenso in der Mittagspause ein warmes Essen erhalten wie ihre Mitschüler. Oder damit sie in puncto schulische Erstausstattung nicht hinten anstehen – also gleichfalls eine schöne Schultasche auf dem Rücken tragen. Darüber hinaus finanziere die Zukunftswerkstatt auch noch Sprachförderungsprojekte für Zweit- und Drittklässler. Wieth erklärte dazu: „Schließlich sind Kinder unsere Zukunft.“