Die „Fridays for Future„-Bewegung bündelt in Markdorf ihre Kräfte: Schüler, die Erwachsenen der „Parents for Future“-Gruppe und Jürgen Zahn, Geschäftsführer der Konrad Knoblauch GmbH, bekräftigten am Donnerstag ihren Schulterschluss, um den Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit hier vor Ort gemeinsam einen noch kräftigeren Schub zu geben.

Knoblauch GmbH geht voran

Die Konrad Knoblauch GmbH, ein international agierender Ladenbau- und Inneneinrichtungsspezialist, ist jüngst dem „Entrepreneurs for Future“-Netzwerk beigetreten. Der Begriff Entrepreneur bedeutet im Fachjargon Unternehmertum, bundesweit gehören bereits rund 4150 Unternehmen dem Zusammenschluss ab, der sich den „Fridays for Future„-Zielen verpflichtet sieht. Bei einem Treffen der Akteure am Firmensitz begründete Zahn den Schritt: „Wir sind deutlich aufgewacht zu dem Thema und sind dafür den „Fridays“ sehr dankbar.“ Seit zwei Jahren habe das Unternehmen Nachhaltigkeit auf dem Schirm und man registriere, dass auch den Kunden das Thema zunehmend wichtiger werde.

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Erstmals CO2-Analyse des eigenen Unternehmens

Nun habe man im Unternehmen erste konkrete Maßnahmen ergriffen, so Zahn. Erstmalig ließ man eine CO2-Analyse des eigenen Wirtschaftens erstellen. Die Erkenntnisse sollen bald schon umgesetzt werden, ein emissions-schonenderer Fuhrpark sei ein Stichwort. „Wir haben 250 Mitarbeiter. Wenn wir zeigen, dass wir vorangehen, ist das ein Signal und die Chance, auch unsere Mitarbeiter mit ins Boot zu holen“, betont Renate Bleher, Personalchefin bei Knoblauch und Mitglied der Geschäftsführung. Sowohl Zahn wie auch Silja Beck vom Markdorfer Möbeldesign-Büro Beck Design wünschen sich, dass bald noch weitere hiesige Unternehmen ihrem Beispiel folgen und sich der „Fridays“-Bewegung anschließen.

Rund 1300 Teilnehmer, darunter auch zahlreiche Jugendliche, hatte die erste Markdorfer Klimademo Ende September mobilisiert.
Rund 1300 Teilnehmer, darunter auch zahlreiche Jugendliche, hatte die erste Markdorfer Klimademo Ende September mobilisiert. | Bild: Jörg Büsche

„Manchmal muss man sich nur trauen, denn die Demonstrationen zeigen ja den Wählerwillen und sie richten sich ganz klar an die übergeordnete Politik“, sagt Silja Beck.

Bewusst den Dialog gesucht

„Wir als Parents-Gruppe haben ganz bewusst aktiv diesen Dialog gesucht, denn wir erleben zurzeit bereits wieder eine große Einlullung“, erläutert der Markdorfer Parents-Initiator Dietmar Mogwitz die Beweggründe für den ungewöhnlichen Schulterschluss. Mit Schreckensszenarien bringe man niemanden mehr auf die Straße. Gleichzeitig gelte es aber umso mehr, die „Fridays“-Bewegung nicht nur zu unterstützen, sondern sie in der Mitte der Gesellschaft zu etablieren.

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Mogwitz: „Wir demonstrieren nicht gegen unsere Mitbürger“

Eines ist Mogwitz dabei besonders wichtig: Man demonstriere ja nicht gegen die eigenen Mitbürger, sagt er mit Blick auf die kritischen Kommentare in der Öffentlichkeit und den sozialen Medien, sondern gegen die falsche Politik, die in Berlin gemacht werde. Der Vorwurf, Demonstrieren sei kein Handeln für den Klimaschutz, sei absurd: „Natürlich ist Demonstrieren ein Handeln“, betont Mogwitz.

Die Mitglieder der Markdorfer „Parents for Future“-Gruppe kündigen weitere Aktionen an.
Die Mitglieder der Markdorfer „Parents for Future“-Gruppe kündigen weitere Aktionen an. | Bild: Jörg Büsche

Jugend appelliert an die Älteren

Zum Demonstrieren gebe es für sie als Jugendliche keine Alternative, sagen Madlen Beck und Karol Roller von „Fridays for Future Bodensee„: Denn anders ändere sich nichts. Für die Generationen bedeute der Klimawandel einen großen Unterschied, sagt Roller: „Wir Jungen werden von den Auswirkungen sehr viel stärker betroffen sein als Ihr Älteren, insofern haben wir gar keine andere Wahl.“ Dass Knoblauch sich zu ihren Zielen bekenne, sei wichtig und gut, sagt Madlen Beck: „Denn für uns ist es schon eine große Frage, wie die Wirtschaft in Deutschland zum Klimaschutz steht.“ Ein Engagement wie nun von Knoblauch sende diesbezüglich ein wichtiges Signal, betont die Jugendliche. Und sie hat auch eine ganz klare Meinung: „Unternehmen werden in der Zukunft dann am profitabelsten produzieren, wenn sie nachhaltig produzieren.“

Ein modernes Bürokonzept hat vor knapp zwei Jahren die Konrad Knoblauch GmbH umgesetzt: Das „büroladencafé“, in dem die Grenzen zwischen Arbeitsplatz, Laden und Café fließend sind.
Ein modernes Bürokonzept hat vor knapp zwei Jahren die Konrad Knoblauch GmbH umgesetzt: Das „büroladencafé“, in dem die Grenzen zwischen Arbeitsplatz, Laden und Café fließend sind. | Bild: Konrad Knoblauch GmbH /Jens Pfisterer

Auch in Markdorf noch viele Hausaufgaben

Mit dieser Aussage trifft sie bei Zahn auf offene Ohren. „Für mich ist tatsächlich eher verwunderlich, dass bei unserem Zusammenschluss „Entrepreneurs for Future“ nicht jedes Unternehmen mitmacht“, sagt er. Denn das Klimapaket 2030 der Bundesregierung lasse sich „nicht aussitzen“. Auch hier vor Ort habe man, Stichwort ÖPNV, noch viele strukturelle Hausaufgaben. „Darauf aufmerksam zu machen, ist auch unsere Aufgabe als Unternehmer.“

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Die nächsten Aktionen

  • Lesung mit Kabarett, Dienstag, 19. November, 19 Uhr: Die Autoren des Erklärbuches „Kleine Gase, große Wirkung“, David Nelles und Christian Serrer, informieren in der Stadthalle über die Grundlagen des Klimawandels. Eröffnen wird den Abend der Kabarettist und bekennende „Silberrücken for Future“, Uli Böttcher, der humorvoll seine Ansichten vortragen wird. Gemeinsame Veranstaltung mit dem BUND, der Eintritt ist frei.
  • Nachtdemo durch Markdorf, Donnerstag, 28. November, 18.30 Uhr: Mit der Aktion wollen die Markdorfer „Parents for Future“ den nächsten globalen Klimastreik am Freitag, 29. November, unterstützen und zu dessen Teilnahme motivieren.
  • Klimastreik, Überlingen, Freitag, 29. November, 11.30 Uhr: Die „Parents for Future“-Gruppe lädt zur regionalen Teilnahme am globalen Klimastreiktag ein.