Alles spielt sich rund ums Markdorfer Feuerwehr-Gebäude ab. Angerückt wird im Löschfahrzeug mit eingeschaltetem Martinshorn. Oder „Folgetonhorn“, wie es korrekt heißt. Die Unfall-Situation ist gestellt. Eine Person, so beschreibt es die Übung, wurde, weil unangeschnallt, beim Unfall-Aufprall auf dem Parkplaz aus dem Fahrzeug geschleudert und liegt nun eingeklemmt darunter. Es ist eine Puppe. Trotzdem redet die junge Frau mit dem Feuerwehrhelm und der Schutzkleidung beruhigend auf sie ein. Derweil ihre Kameraden die hydraulischen Rettungsgeräte aus dem Einsatzfahrzeug holen beziehungsweise einen Lösch-Schaumangriff vorbereiten. Weil sich laut Übungsplan ausgelaufenes Benzin entzündet.

Der Verletzte ist bloß eine Puppe: Das Üben des Bergens gehört zur unabdingbaren Vorbereitung auf den Einsatz.
Der Verletzte ist bloß eine Puppe: Das Üben des Bergens gehört zur unabdingbaren Vorbereitung auf den Einsatz. | Bild: Jörg Büsche

Abschlussübung zum ersten Ausbildungsabschnitt der Freiwilligen Feuerwehr. Der wird als Truppmann-Ausbildung bezeichnet und stellt die Grundausbildung dar. Sie währt etwa 70 Stunden und wird nach bestandener Prüfung durch einen – sich über rund 80 Stunden erstreckenden zweijährigen zweiten Teil ergänzt.

Die Truppfrau erklimmt die Leiter ins brennende Haus und der Truppmann sichert ihren Aufstieg.
Die Truppfrau erklimmt die Leiter ins brennende Haus und der Truppmann sichert ihren Aufstieg. | Bild: Jörg Büsche

Die Puppe ist inzwischen geborgen, auf eine Trage gehoben und abtransportiert. Ein weißer Schaumteppich deckt das Szenario zu. Am Schlauchturm nebenan spielt sich ein anderes Drama ab. „Brandeinsatz in einem Wohnhaus“ heißt die Lage. Das Feuer ist im Treppenaufgang vom ersten ins zweite Obergeschoss ausgebrochen. Zum Einsatz kommen Leitern, Leuchten und Lüfter. Außerdem muss eine Person gerettet werden. Dieses Mal ist es ein Feuerwehrmann, keine Puppe.

Die Truppfrau spricht dem Eingeklemmten Mut zu, während ihre Kameraden mit den Bergungsgeräten kommen.
Die Truppfrau spricht dem Eingeklemmten Mut zu, während ihre Kameraden mit den Bergungsgeräten kommen. | Bild: Jörg Büsche

Was im Lernzielkatalog der Landes-Feuerwehrschule so knapp formuliert wird, gewinnt bei der praktischen Anwendung zum Abschluss der Truppmann-Ausbildung Anschaulichkeit, ja Dimension. „Ziel der Ausbildung ist die Befähigung zur Übernahmen von grundlegenden Tätigkeiten im Lösch- und Hilfeleistungseinsatz in Truppmannfunktion“, so heißt es schlicht.

Warten auf Anschluss: Noch liegt die Schlauchleitung nicht vollständig.
Warten auf Anschluss: Noch liegt die Schlauchleitung nicht vollständig. | Bild: Jörg Büsche

Und selbst wenn den Übungsteilen auf dem Gelände der Freiwilligen Feuerwehr Markdorf – abgesehen vom Prüfungsdruck – die Hektik, die Aufregung des realen Einsatzes fehlen mag. Eine Ahnung von der Komplexität des Geschehens gewinnt der Zuschauer trotzdem.

"Für mich spielt die Kameradschaft eine ganz große Rolle. Nur so ziehen im Ernstfall alle an einem Strang. Und natürlich ist da bei mir auch der Wunsch, im Einsatz etwa Positives bewirken zu können. Genau das haben wir bei unserer Ausbildung zum Truppmann gelernt – in Theorie und in der Prasis."Marco Schönfelder, 28, Bauunternehmer aus Heiligenberg
"Für mich spielt die Kameradschaft eine ganz große Rolle. Nur so ziehen im Ernstfall alle an einem Strang. Und natürlich ist da bei mir auch der Wunsch, im Einsatz etwa Positives bewirken zu können. Genau das haben wir bei unserer Ausbildung zum Truppmann gelernt – in Theorie und in der Prasis."Marco Schönfelder, 28, Bauunternehmer aus Heiligenberg | Bild: Jörg Büsche

Beim realen Einsatz gilt es den Überblick zu wahren: auf dem Fahrzeug, wo die für den Einsatz nötigen Geräte von jedem einzelnen Truppmann aufgefunden und bedient werden können müssen – aber auch am Einsatzort, wo das Wasser erst aus dem Hydranten in das erst zu erstellende Schlauchsystem geleitet wird. Bis es schließlich durchs Strahlrohr schießt. Das hält ein Truppmann, manchmal auch zwei Truppmänner. Bis dahin aber haben viele Hände Gerätschaft getragen, Schläuche ausgerollt, Verbindungsstücke angeschlossen – konzentriert und so präzise wie ein Uhrwerk. Man sieht es: Jeder weiß, wo sein Platz ist, wie die taktischen Einheiten der Wehr sich je nach Aufgabe aufteilen – in immer kleinere Gruppierungen, wie die Einsatzbefehle greifen, was sie im Einzelnen bedeuten.

Gemeinsam löscht es sich leichter.
Gemeinsam löscht es sich leichter. | Bild: Jörg Büsche

In der Ausbildungseinheit „Brennen und Löschen“ begegnen die Truppmänner den diversen brennbaren Stoffen – Ölen, Gasen, Kohle, Holz oder etwa Benzin und erfahren etwas über deren Brandverhalten und die Löschmittel. Wie Wasser, wie Löschschaum oder -Pulver, die dem Feuer die Nahrung entziehen. „Das ist viel Physik, auch viel Chemie“, erläutert Herbert Stehle, Ausbildungsleiter der Freiwilligen Feuerwehr in Markdorf, „vor allem ist es aber sehr viel Praxis.“ Denn zu 90 Prozent erklären sich die Zusammenhänge durch die praktische Anwendung.

Die Absolventen des jüngsten Truppmann-Lehrgangs der Markdorfer Feuerwehr und ihre Ausbilder. Bild: Jörg Büsche
Die Absolventen des jüngsten Truppmann-Lehrgangs der Markdorfer Feuerwehr und ihre Ausbilder. Bild: Jörg Büsche | Bild: Jörg Büsche

Kaum weniger anspruchsvoll ist der Bereich „Technische Hilfeleistungen“. Hier kommen die hydraulischen Rettungsgeräte zum Einsatz: der Rettungszylinder, das Schneidgerät, der Spreizer oder der hydraulische Hebesatz. Und auch sie müssen in Theorie und Praxis beherrscht und selbstständig bedient werden können. Für jene Kameraden, die bei der Abschlussprüfung zum Truppmann-Lehrgang das Unfall-Szenario als Aufgabe bekommen hatten, offensichtlich kein Problem. Hier zeigte sich, was Ausbilder Stehle erklärt hatte. „Neben dem Wunsch zu helfen, ist das Interesse an der Rettungs-Technik ganz oft ein weiterer Beweggrund, sich zur Feuerwehr zu melden.“

"Bei der Jugendfeuerwehr habe ich ja schon einiges mitbekommen. Aber jetzt bei der Truppmann-Ausbildung haben wir doch sehr viel dazugelernt. Zum Beispiel wie man nach einem Verkehrsunfall Fahrzeuge öffnet, um eingeklemmte Personen zu retten. Mit hat die Ausbildung sehr großen Spaß gemacht. Sie war wirklich interessant."Philipp Wegmann, 17, Auszubildender aus Markdorf
"Bei der Jugendfeuerwehr habe ich ja schon einiges mitbekommen. Aber jetzt bei der Truppmann-Ausbildung haben wir doch sehr viel dazugelernt. Zum Beispiel wie man nach einem Verkehrsunfall Fahrzeuge öffnet, um eingeklemmte Personen zu retten. Mit hat die Ausbildung sehr großen Spaß gemacht. Sie war wirklich interessant."Philipp Wegmann, 17, Auszubildender aus Markdorf | Bild: Jörg Büsche

Daniel Kneule, Feuerwehr-Gesamtkommandant in Markdorf, betrachtet die Abläufe mit erkennbarem Wohlgefallen. „Ein guter Ausbildungsjahrgang“, heißt sein Urteil. Gut, weil die Auszubildenden sichtlich motiviert sind und sich hineingekniet haben in die Materie – und weil die Ausbilder ebenfalls gut sind, auch zu motivieren wussten. Die Ausbilder-Lehrgänge auf der Landesfeuerwehrschule besuche schließlich niemand, dem der Umgang mit jungen Leuten nicht liege, erklärt Kommandant Kneule.

"Für die Feuerwehr habe ich mich eigentlich schon immer interessiert. Außerdem ist mein Bruder bei der Feuerwehr. Gespielt hab ich schon länger mit dem Gedanken, mich in der Freiwilligen Feuerwehr zu engagieren – und mich dann jetzt auch endlich dazu durchgerungen. In der Gruppe fühle ich mich voll akzeptiert, obwohl ich ja schon etwas älter bin."Judith Bailer, 39, Lehrerin aus Markdorf
"Für die Feuerwehr habe ich mich eigentlich schon immer interessiert. Außerdem ist mein Bruder bei der Feuerwehr. Gespielt hab ich schon länger mit dem Gedanken, mich in der Freiwilligen Feuerwehr zu engagieren – und mich dann jetzt auch endlich dazu durchgerungen. In der Gruppe fühle ich mich voll akzeptiert, obwohl ich ja schon etwas älter bin."Judith Bailer, 39, Lehrerin aus Markdorf | Bild: Jörg Büsche