Die gute Nachricht zum Dixiefest am 6. Mai: Markdorfs Innenstadt ist wieder frei befahrbar. Bis vor kurzem noch ein Baustellen-Teppich, heißt es nun wieder freie Fahrt sowohl aus Richtung Deggenhausertal als auch von Bermatingen her: Die Innenstadt-Baustellen in der Kreuzgasse an der Einmündung Hauptstraße und die Baustelle in der Gehrenbergstraße sind beendet und abgebaut.

Kundenfrequenz zieht wieder an

Über das Ende der Baustellenzeit freuen sich vor allem auch die Händler, deren Kunden aus den Umlandgemeinden dadurch signalisiert bekommen, dass ein Einkaufsbummel in Markdorf wieder hindernisfrei möglich ist. "Baustellen sind natürlich immer schwierig für den Handel. Aber danach hat man in der Regel auch eine verbesserte Situation“, sagt Optiker Uli Gölzer. Und Moni Mayer, die gegenüber in der Hauptstraße die Boutique M3 betreibt, registriert bereits die ersten positiven Auswirkungen: "Wir spüren schon, dass die Geschäfte dadurch wieder anziehen“, sagt sie.

Parken bleibt kostenlos

Die endlich wieder frei anfahrbare Innenstadt sei die positive Seite, sagen die Händler im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Unsicherheit hingegen herrscht hinsichtlich der von der Stadt geplanten Einführung der Blauen Zone zum 1. Juni, die das Parken per Parkscheibe auf zwei Stunden limitieren wird. Kostenfrei wird das Parken in Markdorf natürlich bleiben. „Für die Kunden wird sich die Blaue Zone positiv auswirken“, spricht Apotheker Matthias Maunz die einhellige Meinung der Händler aus: „Sie werden definitiv mehr Parkraum finden und das kostenlose Parken bleibt auch künftig unser großer Standortvorteil.“ Doch wo künftig ihre Mitarbeiter parken sollen, sei eine noch unbeantwortete Frage. Dietmar Bitzenhofer, Inhaber des Herrenausstatters Kappeler und zugleich Freie-Wähler-Fraktionschef, sieht noch eindeutigen Nachjustierungsbedarf seitens der Stadt: "Wir haben im Gemeinderat für die Blaue Zone votiert, aber wir können nicht einfach nur den Hebel auf Blau umlegen.“ Anwohnerparkplätze und abgelöste Parkplätze müssten in dem Blaue-Zone-Konzept noch berücksichtigt werden. Gehe es nach ihm, könnte die Stadt eine Ebene des Bischofsschloss-Parkhauses nur für Innenstadt-Mitarbeiter ausweisen – das Hotel, das dort auch Parkplätze hatte, gebe es ja nicht mehr.

"Für unsere Kunden wird sich die Blaue Zone positiv auswirken."Matthias Maunz, Apotheker
"Für unsere Kunden wird sich die Blaue Zone positiv auswirken."Matthias Maunz, Apotheker

500 Beschäftigte in der Innenstadt

In einem sind sich alle Händler einig: Die Stadt benötigt dringend weiteren Parkraum. Eine Option, die alle befürworten, wäre das von der Stadt bereits angedachte Parkhaus am Bahnhof. „Wenn wir uns so weiterentwickeln, brauchen wir dringend Parkhäuser, das hat auch die IHK-Studie gezeigt“, sagt Lucie Fieber, Geschäftsführerin des Standortmarketing Markdorf Marketing, mit Verweis auf die neuen Wohnbauprojekte im Innenstadtbereich. Die Zahlen sprechen jedenfalls eine eindeutige Sprache: Eine von der Aktionsgemeinschaft in Auftrag gegebene Umfrage, so Fieber, habe ergeben, dass im Stadtkern rund 500 Beschäftigte arbeiten, die mit dem Auto zur Arbeit kommen. Das Argument der Verwaltung, dann sollten diese eben das Fahrrad nehmen oder zu Fuß kommen, greife nicht, da viele Mitarbeiter von auswärts einpendeln. Wo sie allerdings künftig parken sollen, ist ungeklärt.

Blumenaktion im Mai

Abseits des Parkthemas engagieren sich Händler und Markdorf Marketing weiter in der Attraktivierung der Innenstadt. Im Mai ist eine Blumenaktion geplant, die von der Stadt finanziell unterstützt wird. Inhaber aller Markdorfer Häuser – also nicht nur Geschäfte, sondern auch Privathäuser –, die an einer Straßenfront stehen, sollen sich einen Blumenkasten bei einem Floristen bestücken lassen können und dafür zehn Prozent des Kaufpreises für die Blumen erstattet bekommen. Einen Namen hat die Aktion noch nicht, ein Ziel aber schon: "Mit solchen Aktionen wollen wir Markdorf sympathisch machen", sagt Fieber. Grundsätzlich sieht die Standortmarketing-Chefin den Einzelhandel der Stadt aber gut aufgestellt. "Wir haben noch Herrenausstatter, Buchhandel, Haushaltswaren, Schreibwarenladen, Blumenhändler. Das ist ein gutes Signal, wie gesund der Einzelhandel ist.“

Zitat Lucie Fieber
Zitat Lucie Fieber | Bild: Andreas Lang

Händler wollen keine autofreie Innenstadt

Der BUND und die Initiative "Autofreie Innenstadt" wollen am Dixiefest-Sonntag, 6. Mai, ihre Ideen präsentieren. Der SÜDKURIER hatte am Dienstag vergangener Woche darüber berichtet, im Gespräch mit Initiator Armin Hansmann. Nun positionieren sich die Einzelhändler der Stadt zu diesem Thema.

  • Das ist der Standpunkt der Händler: "Wir möchten ganz deutlich Abstand von der Initiative "Autofreie Innenstadt" nehmen, da es nicht unserem Konzept entspricht." Aus ihrer Sicht sei dies ein "utopisches und unrealistisches Konzept", das wesentliche Nachteile mit sich bringe. Leerstände in Kleinstädten nähmen zu und daher wäre es "fatal, den Verkehr nun auch noch aus der Innenstadt zu verbannen". Andere Städte, die autofreie Zonen eingeführt hätten, gingen inzwischen wieder den entgegengesetzten Weg. "Zahlreiche typische Fußgängerzonen werden in anderen Städten wieder liberalisiert", so heißt es in der Stellungnahme der Aktionsgemeinschaft Markdorf, der Einzelhändlervereinigung der Stadt. Der Grund: Kunden, Anlieferer und Geschäftsleute würden die kurzen Wege suchen.
  • So sähe ihre Lösung aus: "Begegnungszonen", also verkehrsberuhigte Straßenabschnitte, die von allen Verkehrsteilnehmern gleichwertig genutzt würden, also die so genannten "shared space"-Räume, die auch die Stadtverwaltung für ihr Mobilitätskonzept für die Innenstadt angedacht hat. Dies fördere einerseits die Aufenthaltsqualität in der Stadt, gewähre andererseits aber auch dem Verkehr die Zufahrt.
  • Die Argumente der Händler: Verbanne man den Verkehr aus der Innenstadt, bedeute dies negative Konsequenzen für den Handel: "Leere Geschäfte, leblose Straßen und verwahrloste Viertel, Abwanderung und die Entwicklung zu Schlafstädten." Das wolle man nicht. Stattdessen sei nötig: "Lebhafte Innenstadt, nahe Parkplätze, qualifizierte Fachkräfte, hohe Kaufkraft und eine geschäftsorientierte Kommunalpolitik." Mit erweiterten Öffnungszeiten, kostenlosem W-Lan, den "Netten Toiletten", kostenlosem Betanken von E-Mobilen und in naher Zukunft auch genügend freien Parkplätzen sehen die Händler Markdorf auf dem richtigen Weg. "Für unsere Kunden tun wir alles, damit sie sich hier wohlfühlen", betonen die Händler.