Mit einem Flyer an die Markdorfer Haushalte wollen sie in den nächsten Wochen in die Öffentlichkeit gehen: Die Initiative Bischofsschloss, die sich gegen den geplanten Umzug der Stadtverwaltung ins Bischofsschloss wendet, hat sich nach dem Abgang ihres früheren Sprechers neu formiert. Am 12. Juni steht im Gemeinderat die nächste Etappe zum Schlossumzug an, die Wochen davor wollen die Akteure der Initiative noch nutzen, um auf sich aufmerksam zu machen. Ziel sei nach wie vor, ein Bürgerbegehren gegen das Vorhaben auf die Beine zu stellen. Im Redaktionsgespräch mit dem SÜDKURIER legen Gerald Wassum, Klaus Feldmaier und Heiner Sondermann vom Kernteam ihre Hauptkritikpunkte dar. Alle drei sind Ingenieure im Ruhestand, die sich in die bautechnischen und wirtschaftlichen Aspekte eingearbeitet haben.

Sie kritisieren den geplanten Rathaus-Umzug ins Bischofsschloss (v.l.) Heiner Sondermann, Gerald Wassum und Klaus Feldmaier.
Sie kritisieren den geplanten Rathaus-Umzug ins Bischofsschloss (v.l.) Heiner Sondermann, Gerald Wassum und Klaus Feldmaier. | Bild: Grupp, Helmar

Rund zehn Mitglieder sind es derzeit, die sich regelmäßig treffen. Feldmaier kümmert sich um die wirtschaftlichen Fragen, auch den Haushaltsplan hat er dafür durchgeforstet. Bei bis zu 70 Millionen Euro für geplante Großbauvorhaben in den kommenden Jahren, sagt er, überfordere das die Finanzen der Stadt. Nach Studium der vorliegenden Informationen habe er den Eindruck, "dass bereits viele Dinge herausgerechnet werden, um die Umbaukosten niedrig zu halten". Bei der Beurteilung der Kostensituation müsse man zwischen notwendigen Kosten und versteckten Kosten unterscheiden. Zu letzteren zählt er nicht nur die vorgesehene Baustraße und den Abriss der Turmstube, die zwar mit 90 000 und 130 000 Euro veranschlagt sind, aber nach Meinung der Initiative deutlich teurer kommen würden. Auch das VHS-Gebäude müsste abgerissen werden und was mit den kleinen Hütten im Schlossweg geschehe, sei ebenfalls offen. Die seien in Privatbesitz, müssten aber auch abgerissen werden, um den Lkw Platz zu schaffen. Laufende Instandhaltung und Energiekosten kämen zuletzt ebenfalls teurer als bei einem Neubau.

Weitere offene Fragen: Halten die alten Gemäuer ohne tiefere Fundierung den Erschütterungen der Baufahrzeuge Stand? Wie steht es um den Denkmalschutz bei der Schlossscheuer? Die Mitglieder der Initiative verweisen auf behördliche Unterlagen, nach denen die Scheuer zumindest teils denkmalgeschützt sei. Wie lassen sich die vom Architekturbüro Braunger Wörtz vorgesehenen modernen Baumaterialien und die nicht dem historischen Original entsprechenden Dachziegel mit dem Denkmalschutz vereinbaren? Der Schlossscheuer-Umbau wäre ein "geplanter Gewaltakt", sagt Wassum.

Für ihr Vorhaben eines Bürgerbegehrens erhielten sie bereits viel Zuspruch, sagt Sondermann. Dass die Verwaltung die Bürger nicht wie angekündigt bei den Planungen mitnähme, sondern zuerst Fakten geschaffen würden, kritisiert Feldmaier. Dies bekämen sie auch in ihren Gesprächen mit anderen Bürgern häufig rückgemeldet.

 

Die Pläne und die Initiative

  • Der aktuelle Stand: Am 12. Juni sollen im Gemeinderat die Entwurfsplanung und die erste Kostenschätzung vorgestellt werden. Bislang werden Sanierung und Umbau des Schlosses auf rund 11,8 Millionen Euro taxiert, mit +/- 25 Prozent Unschärfe. Die Stadt hatte das Schloss für 3,85 Millionen erworben.
  • Die Initiative Bischofsschloss zählt nach eigenen Angaben aktuell rund zehn feste Mitglieder. In der Regel ein Mal monatlich finden montags Treffen statt, die Termine sind auf der Homepage vermerkt. Die Homepage enthält außerdem zahlreiche Infos zu den Zielen, zum Schloss, zu den Hintergründen und eine Umfrage.

Informationen im Internet: http://www.initiative-bischofsschloss.de