Zu einem Einsatz in der Gemeinschaftsunterkunft des Landkreises in Markdorf-Steibensteg musste die Polizei bereits am Montagabend vergangener Woche ausrücken. Der Vorfall wurde aus polizeiinternen Gründen erst jetzt öffentlich kommuniziert, da dem ersten Ermittlungsstand zufolge noch unklar gewesen sei, ob es sich eventuell um eine beabsichtigte Suizidhandlung gehandelt haben könnte.

Mann hält sich selbst Messer an den Hals

Wie Markus Sauter, Sprecher der Polizeidirektion Konstanz, auf Anfrage des SÜDKURIER mitteilt, sei ein 38-jähriger Asylbewerber nach seiner Rückkehr von einem für ihn offenbar unbefriedigenden Arztbesuch in der Unterkunft dermaßen in Rage geraten, dass die Hauswirtschafterin des Landkreises, die an diesem Abend in der Unterkunft war, die Polizei verständigte. Als die Polizeistreife eintraf, sei der Mann zunächst in einen rückwärtigen Raum des Gebäudes geflüchtet, bevor er von den Beamten gestellt werden konnte. Der Mann, so Sauter, habe sich dann ein Küchenmesser an den Hals gehalten und sich anschließend auf die Polizisten zubewegt und auch sie bedroht. Die Beamten hätten ihn aber nach einem kurzen Wortwechsel überreden können, das Messer aus der Hand zu geben, woraufhin er sich widerstandslos habe festnehmen lassen. Der 38-Jährige wurde daraufhin in eine psychiatrische Fachklinik verbracht.

Heimleiter wurde hinzugerufen

Diesen Vorgang bestätigt auch Nadine Larisch, Referentin von Landrat Lothar Wölfle und in Vertretung von Robert Schwarz Sprecherin des Landratsamtes. Bernhard Hitzler, der als Heimleiter des Landkreises auch für die Unterkunft in Steibensteg verantwortlich ist, und die Hauswirtschafterin hätten den Bericht der Polizei bestätigt. Hitzler selbst sei zum betreffenden Zeitpunkt nicht vor Ort gewesen, er sei aber von der Hauswirtschafterin, die auch die Polizei verständigt hatte, hinzugerufen worden. Nach Darstellung des Heimleiters sei der 38-Jährige nicht anderen Personen gegenüber aggressiv aufgetreten, aber man habe davon ausgehen müssen, dass der Mann in seinem psychischen Ausnahmezustand eine Gefahr für sich selbst darstelle. Als die Polizei eintraf, sei er in Panik geraten und habe sich mit dem Küchenmesser bewaffnet. Nach seiner Entwaffnung sei er dem Bericht des Heimleiters zufolge freiwillig in das Polizeifahrzeug gestiegen, so Larisch.

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Reger Wechsel bei den Bewohnern der Unterkunft

In der Unterkunft, die seit Februar 2016 als Flüchtlingsheim genutzt wird, hat es im Laufe der vergangenen beiden Jahre rege Wechsel in der Belegung gegeben. Immer wieder ziehen Familien aus, neue Familien ziehen ein. Vor einem Monat waren einige alleinstehende Männer, alle aus Nigeria, neu eingezogen (siehe Infokasten). Durch den stetigen Wechsel und die beengten Platzverhältnisse gestaltet sich das Zusammenleben der Bewohner aus drei unterschiedlichen Ländern und Kulturen nicht immer einfach. Betreut werden die Bewohner der Unterkunft außerdem auch von den Johannitern in Friedrichshafen, von denen ein Sozialarbeiter ebenfalls zwei Mal die Woche für mehrere Stunden vor Ort ist.