Man mache zu wenig, behaupten die Einen. Und oft mache man nicht das Richtige, sagen die Anderen. Überhaupt fehle das Grundkonzept und ein Identifikationselement, ein Markenzeichen. "Man" bildet zusammen ein Konglomerat, das aus Stadt, Wirtschaftskreis, Aktionsgemeinschaft, Proma und Tourismusgemeinschaft die fünf Säulen von Markdorf Marketing darstellt. "Das unbekannte Wesen", fasst bei der Hauptversammlung Geschäftsführerin Lucie Fieber kurz und passend zusammen, "nach dem viele schon lange fragen".

Eine von vielen Veranstaltungen in Markdorfer in diesem Jahr ist die Auftaktveranstaltung zu den Bodensee Apfelwochen. Seit über 20 Jahren ein Termin, von dem Gastronomie, Handel und Gewerbe profitieren und der als Gästebringer fungiert.
Eine von vielen Veranstaltungen in Markdorfer in diesem Jahr ist die Auftaktveranstaltung zu den Bodensee Apfelwochen. Seit über 20 Jahren ein Termin, von dem Gastronomie, Handel und Gewerbe profitieren und der als Gästebringer fungiert. | Bild: Helga Stützenberger

Was macht Markdorf Marketing und wer mischt da alles mit? Dass es bei Mitsprache von Vielen nicht immer einfach ist, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen, zeigt sich bei der Diskussion zur Standortbestimmung und Festlegung eines Pflichtenheftes für Markdorf Marketing. "Wir haben ein großes und attraktives Portfolio. Wir tun schon sehr viel", sagt Georg Riedmann auf die Frage von Jens Neumann, ob Markdorf Marketing nicht genügend tue, um die Stadt und ihr Image voranzubringen.

Veranstaltungen im richtigen Monat?

"Das Dixiefest zum Beispiel war ein echter Knaller", so der Bürgermeister, der gleichzeitig Vorsitzender des Vereines ist. Man müsse sich Gedanken machen, wann welche Aktionen stattfinden und ob es die richtigen Monate sind. Er selbst wünsche sich eine jährliche, nicht periodisch stattfindende Veranstaltung, wie etwa die bevorstehende Jubiläumswochenende der Stadtkapelle vom 25. bis 29. Juli, um Markdorf dadurch Einzigartigkeit zu verleihen.

Ruf nach einem Alleinstellungsmerkmal

Auch aus den Reihen der Vereinsmitglieder erklang der Ruf nach einem Alleinstellungsmerkmal. Nur wo suchen und wie generieren? Aktionen und Werbemaßnahmen allein machen noch kein erfolgreiches Standortmarketing. Für Georg Riedmann läge das Problem darin, "dass Markdorf Marketing als kommunale Einrichtung gegründet wurde und jeder nun sagt: Jetzt mach mal!" Dass Lucie Fieber die Ärmel hochkremple und einfach mache, schätzt Riedmann sehr an ihr. Flinkes Agieren auf äußere Umstände und auf Zuruf stellt er als große Stärke heraus.

Braucht umfangreiche Planung

Und die Schwäche? Trotz aller Aktivitäten ist der Ruf der Mitgliedsmehrheit nach mehr Schwung und mehr Machergeist zu vernehmen. Gemeinsam gelte es nun, so Riedmann, die Stadtplanung weiterzuentwickeln aber auch alte Pläne, wie etwa jene zur Attraktivierung der Ochsenlücke eventuell wieder heranzuziehen. "Eine konzeptionelle Stadtentwicklung braucht eine sehr umfangreiche Planung", betont er. Dazu müsse man sich ein Bild machen können, wie Markdorf in 15 Jahren vom Proma bis zum Rathaus aussehen könnte.

Zigarettenkippen und graue Häuserfassade. Mag man da sitzen und sich vom Einkauf erholen? Das Konzept für die "Ausruhe-Bänke" in Markdorf muss wohl neu überarbeitet werden.
Zigarettenkippen und graue Häuserfassade. Mag man da sitzen und sich vom Einkauf erholen? Das Konzept für die "Ausruhe-Bänke" in Markdorf muss wohl neu überarbeitet werden. | Bild: Helga Stützenberger

Im Kleinen solle man beginnen mit dem, was jetzt und Schritt für Schritt leistbar sei. Er selbst denke dabei zunächst an das Naheliegende, etwa an die Sitzplätze, also kleine "Ausruh-Oasen" in der Innenstadt, nach deren Installation der Wunsch immer lauter geworden ist. Dass so ein leicht scheinendes Unterfangen gar nicht so leicht ist, weiß Lucie Fieber aus Erfahrung. Denn ein paar dieser Sitzplätze gibt es bereits in Markdorf. Einladende und weniger einladende.

Diskussion über Außenwirkung

Dass überhaupt eine Diskussion angestoßen wurde über Markdorfs Außenwirkung, begrüßt Riedmann sehr. Auch wenn vieles im weiteren Verlauf kontrovers diskutiert wird – es ist konstruktiv. "Das ist die Diskussion, die wir hier brauchen!", betont er. Und dass der Wunsch nach einem Markenbildungsprozess immer lauter wird, ist von allen Seiten deutlich vernehmbar. "Dafür kann man viel Geld ausgeben oder sich selbst damit befassen", sagt Riedmann. Arbeitsgruppen bilden, Konzepte erarbeiten und Ergebnisse präsentieren könnte nun ein Anfang sein.

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Das sagen Stadträte, Vereinsvertreter und Händler

  • Jens Neumann (FW-Stadtrat und stellvertretender Vorsitzender der Stadtkapelle: "Wir sind in den letzten Jahren im Standortmarketing nicht viel weiter gekommen", stößt Stadtrat Jens Neumann die Diskussion an. Wesentliches Kriterium und Entscheidung über die Attraktivität einer Stadt seien die weichen Standortfaktoren, wie etwa Kulturangebot, Einkaufsmöglichkeiten, Bildungsangebote, welche zum Image einer Stadt beitragen. "Tut man genügend, oder muss man noch mehr tun?", spielt Neumann den Ball an alle Mitspieler weiter. "Hier sollte man nochmals ansetzen und sich fragen: Sind wir wirklich gut aufgestellt?" Vergleiche zieht er zu Salems neuer Mitte. "Da passiert gerade ganz viel. Markdorfs Bürger dagegen sind in Sorge, dass bei uns relativ wenig geschieht." Baulich bedingte Beeinträchtigung seien in jüngster Vergangenheit zwar ein Hindernis gewesen, "aber es fehlt einfach ein Konzept für die nächsten Jahre".
  • Susanne Scheffel (Buchhändlerin): Für Susanne Scheffel von der Buchhandlung Wälischmiller gilt nicht den fehlenden Aktionen in der Stadt die Sorge, sondern dem Image. "Wir sind sehr gut aufgestellt, was Aktionen betrifft", sagt sie. Aber sie sei der Meinung, man müsse den Alltag in der Stadt attraktiver gestalten. "Es geht jetzt darum, uns aufzuhübschen." Damit sei das ganze Gesicht der Stadt gemeint. Sitzplätze sollen die Aufenthaltsqualität erhöhen, sollen einladend wirken. Was sie bislang wenig täten. "Wir müssen was an unserem Flair tun." Ob überhaupt und inwieweit sich dies mit dem Umbau des Bischofsschlosses vereinbaren ließe, sei die Frage und eine Herausforderung.
  • Susanne DeitersWälischmiller (Sprecherin der Umweltgruppe im Gemeinderat): Viele Aktionen seien an ihr vorbei gegangen, räumt die Stadträtin ein. "Es gibt über den Sommer unzählige Angebote, da geht vieles unter." Es ginge ihr weniger um die Quantität der Angebote, als um deren Qualität. "Man muss für Markdorf was Einzigartiges finden", ist sie der Überzeugung. Sommerfeste seien ihrer Ansicht nach abgenutzt. "Mir fehlt einfach die Frische in der Stadt."
  • Maria Wirth (Camping und Hotel Wirthshof): Dass es in der Vergangenheit über den Sommer und überkommunal gesehen zu viele Feste gab, betont auch Maria Wirth. "Wir haben irgendwann angefangen, einige Feste miteinander zu verbinden." Was ihrer Meinung nach auch gut gelungen sei. Gerade die Apfelwochen schreiben seit 25 Jahren eine Erfolgsgeschichte, von der Händler, Gastronomen und Kommunen bis heute partizipieren. "Sinnvoll wäre jetzt aber einmal, sich zu besinnen und zu fragen: Wer sind wir und was wollen wir nach außen transportieren? Und was haben wir, was andere nicht haben?" Das gelte es nun, herauszuarbeiten.
  • Christiane Oßwald (Stadträtin der Umweltgruppe): Auch Christiane Oßwald bemängelt ein fehlendes Grundkonzept und einen klar definierten Markenkern. "Die Frühjahrsblumenaktion ist zwar nett, aber da wird Markdorf doch auch nicht schöner", sieht sie in dieser Aktion kaum einen Mehrwert für die Stadt. Auch die Flaggen, die jetzt wieder die Innenstadt zieren, hält sie für überflüssig. Mehr noch: "Das ist doch nur Arbeit und ob da Flaggen hängen oder nicht, da kommt doch keine Person mehr in die Stadt." Es benötige ein solides Konzept von Grund auf und eine klare Struktur. "Mir gefällt dieses Klein-Klein-Denken überhaupt nicht." Es fehle ihrer Ansicht nach ein großes Ganzes, die Substanz, die nun gemeinsam erarbeitet werden müsse. (hst)