Freiheit für die Eierschneider! Holt sie aus ihren Verliesen, rettet sie aus dem Dunkel ihrer Küchenschubladen-Kerker! Denn in Wahrheit sind sie gar keine Industrieprodukte, sondern handgeschmiedet allesamt. Von kunstfertigen Mönchen in entlegensten Hochgebirgs-Regionen dort droben und ganz, ganz weit hinten in Tibet. Wer das nicht glauben will, dem sei der Besuch eines Martin-Herrmann-Kabarettabends empfohlen. Dort nämlich ist die Nummer mit der handgeschmiedeten tibetanischen Gebetsharfe im Standardprogramm. Sie kommt so sicher wie das Krippenspiel in der Adventszeit. Und die Gebetsharfen-Nummer ist – ebenso wie sentimentale Weihnachts-Rituale ein steter Publikumserfolg.

Für diejenigen, die sich mit fernöstlicher Spiritualität nicht so gut auskennen wie mit der christlichen Weihnacht, nur soviel: Die tibetanische Gebetsharfe besteht aus einem Rahmen und einem in zehn bedeutungsvollen Windungen dort eingelegten Draht. Wird der Draht angeschlagen, tönt er teils harmonisch, teils dissonant. Ying und Yang fügen sich zu umgreifender Konsonanz, sobald der Gebetsharfen-Meister die Saiten anschlägt. Martin Herrmann macht's, verquickt das virtuos-filigrane Zupfen und Zirpen mit dem Bericht über seine Erfolge im esoterik-affinen Segment der Damenwelt – und erntet, wie jedes Mal, glucksende Begeisterung.

So harmlos-schlaksig Martin Herrmann sich auch auf der Bühne gibt: Er ist es nicht. Aus dem bethlehemischen Krippensetting macht er ein bedrückendes Ehe-Tribunal, dass den bösen Szenen skandinavischer Dramatiker jederzeit gerecht werden könnte. Könnte – wäre der Konflikt zwischen dem Heiligen Josef und der Jungfrau Maria nicht ins Oberbayerische versetzt. Sodass Josef argwöhnt, der Riedmaier Alois könne der Kindsvater sein, während sich die schrill-resolute Maria mit flüchtigen Begegnungen mit Erzengeln herausredet. Spätestens da dann brechen alle Dämme. Menschenbeobachter Martin Herrmann hat alle im Saal auf seiner Seite. Ob er Kirchenleute, Ärzte oder depressive Piloten aufs Korn nimmt, oder ob er gegen den Ehefrust anfutternde Frauen zu Diäten rät – sämtliche Bosheiten quittiert das Publikum mit herzhaftem Gelächter.