Mittagspause im Gewerbegebiet Riedwiesen. Aus den Gebäuden ringsum eilen Menschen zu ihren Autos, fahren in Grüppchen in die Stadt oder suchen sich zu Fuß die nächste Gelegenheit, um etwas zu essen. Bis auf zwölf Menschen, die sich auf dem Gelände eines bekannten deutschen Softwareherstellers eingefunden haben. Sie tragen Sportsachen und stehen im Halbkreis einer Frau in blauer Trainingsjacke gegenüber. An ihren Händen haben sie mit Klettverschluss hellgraue Hanteln aus Kunststoff befestigt. Auch die Frau in Blau trägt das längliche Sportgerät an ihren Händen. Sie geht abwechselnd in die Hocke, hebt den linken, dann den rechten Arm, lässt sie hin und her schwingen und wechselt danach wieder in den Stand, wobei sie einen Ausfallschritt nach hinten macht und in dieser Stellung kurz verharrt. Die Teilnehmer folgen ihren Anweisungen. Sie schreitet derweil den Halbkreis ab und gibt hier und da Hilfestellung.

Ihr Name ist Katja Eberle. Sie ist Trainerin und Mitglied im Turnverein Markdorf. Im Rahmen der laufenden Gesundheitswochen, bietet der Verein zwei Termine für eine bewegte Mittagspause an. Die gleichnamige Aktion dauert eine Dreiviertelstunde. "Wir sind zum fünften Mal bei den Gesundheitswochen dabei und zum ersten Mal machen Teilnehmer aus fünf Betrieben mit", sagt die 40-jährige Trainerin. Durch die Aktion verfolgt sie ein Ziel: "Ich möchte, dass sich bei den Teilnehmern ein gutes Gefühl einstellt." Danach sollen sie auch in Zukunft die Motivation haben, sich zu bewegen und den Sport längerfristig in ihren Alltag integrieren.

Das Training diene als Ausgleich zur Büroarbeit, so die Trainerin. Verspannungen, ausgelöst durch die ständige sitzende Haltung auf der Arbeit, sollen sich lösen. Als Kontrastprogramm zum Arbeitsalltag ist dann auch der Übungsort ausgewählt: "Draußen, an der frischen Luft", sagt die Trainerin. Muss ein Sportler zwangsläufig ins Freie, um zu trainieren? "Nein, jeder sollte für sich zu Anfang die Frage beantworten, was er gern macht, also ob er gern allein oder in der Gruppe trainiert und dergleichen", antwortet Katja Eberle.

Anschließend führt die vierfache Mutter die Gruppe auf einen Feldweg hinter dem Betriebsgelände. Es folgt die eigentliche Übung: das Reaktive Gehen. Jetzt entfalten die Hanteln ihr volles Potenzial: Sie sind hohl und im Inneren befinden sich ein bis vier Röhrchen. Diese sind mit einem speziellen Granulat gefüllt. Am Umkehrpunkt der Armbewegung bremst zunächst die Hülle und danach zeitverzögert die Füllung ab. Durch diesen Vorgang spannt sich der Muskel reflexartig, um eine Verletzung zu vermeiden. Die Muskulatur im Oberkörper, besonders der Rumpf, muss den plötzlichen Impuls stabilisieren. "Dabei trainiert der Sportler insbesondere die Tiefenmuskulatur", erklärt Katja Eberle. Die Gruppe ist aus einer gewissen Distanz bereits zu hören: Beim Laufen ertönt durch die Bewegung des Granulats ein Rascheln, "ein Zeichen für die richtige Benutzung der Hanteln", sagt die Trainerin.

Die Szene erinnert ein wenig an Parademärsche: Die Gruppenmitglieder schwingen während des Laufens kraftvoll ihre Arme von links nach rechts und zurück oder heben im Gehen schwungvoll den linken und dann den rechten Arm. Viel Platz zwischen den Teilnehmern verhindert, dass einer dem anderen in die Quere kommen könnte. Zum Schluss geht es zurück auf das Betriebsgelände. Hier angekommen, strecken sich die Teilnehmer noch mal aus der Hocke heraus in den Stand. Zuletzt hat Katja Eberle einen Rat an alle, die mehr Sport in ihrer Freizeit treiben wollen: "Sport soll Spaß machen. Es nutzt nichts, wenn sich jemand Dogmen auferlegt, so zum Beispiel unbedingt dreimal in der Woche zum Sport zu gehen", sagt sie und ergänzt: "Hauptsache er oder sie bewegt sich und macht es gern."

Ein weiterer Termin ist geplant: Am Donnerstag, 22. März, können Freizeitsportler von 12.15 bis 13 Uhr unter der Anleitung von Katja Eberle in der Mittagspause trainieren. Treffpunkt ist das SAP-Gelände, Dornierstraße 3. Interessierte müssen sich vorher anmelden: katja.eberle@wirthshof.de

Die Reaktivhanteln

Bei einem normalen Lauftraining beansprucht der Sportler überwiegend die Muskelgruppen der unteren Körperhälfte. Das sogenannte Reaktive Gehen aktiviert zusätzlich die Muskulatur der oberen Körperregion. Die Besonderheit einer Reaktivhantel steckt in ihrem Innern. An dieser Stelle befinden sich Röhrchen. Diese sind mit einem Granulat gefüllt, dass bei technisch korrekter Ausführung hin- und herschwingt. Beim Gehen mit den Hanteln bremst am Umkehrpunkt der Armbewegung zunächst die Hülle und dann zeitverzögert die Füllung ab. Der Muskel spannt sich reflexartig. Neben der Arm- und Schultermuskulatur muss die Rumpfmuskulatur diesen Impuls stabilisieren. (set)