„Mamma Mia Bavaria“ heißt das neue Programm von Luise Kinseher. Mit dem ist die bayerische Kabarettistin nun im Theaterstadel aufgetreten. Dabei hagelte es Pointen. Schließlich war die Kinseher einmal mehr in ihre von TV- und Nockherberg-Auftritten her wohl vertraute Rolle als bajuwarische Symbolfigur geschlüpft. Und verfügt die Bavaria als gegossene Bronzestatue über genug Gewicht, Wucht und Nachdruck, um den Stoibers, Seehofers und Söders herzhaft den Marsch zu blasen, so zielt das Mamma-Mia-Programm auf die wirklich große Politik.

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Mama Bavaria muss die Welt retten

„Reinkarniert“, wiedergeboren sei sie. Weil‘s gerade so chaotisch sei. In Bayern sowieso, aber auch sonst überall. Es fehle an Leitfiguren. Die Germania schmolle, Liberty aus New York sei im Dauerstress und Europa, Europa sei hoffnungslos überfordert mit ihren viel zu vielen Kindern. Erklärte die Kinseher und äffte eine piepsig-hysterische Symbolfigur nach, zuständig für alles zwischen Portugal und Polen. Mithin liege es an ihr, an Mama Bavaria, die Welt zu retten. Aber gerade nicht durch lautes „Mia san Mia“, durch weißblaue Großmannssucht oder durch Raumfahrtprogramme à la „Bavaria One“. Für das missbrauche Markus Söder seit Kurzem ihren guten Namen, schäumte die Bavaria.

Böser Blick auf die Politik und viel Selbstironie

Ein bisschen widersprüchlich geht es schon zu in Kinsehers neuem Programm. Denn einerseits knüpft Bavaria an jene Urszene an, als eine knappe Handvoll Bayern umher wuselte, gewandet wie die Bavaria an der Münchner Theresienwiese: im Fell, zottelig, neben eleganten Römern, neben anderen Stämmen. Damals muss es verhältnismäßig tolerant zugegangen sein, in „Mama Bavarias Wirtshaus – 24 Stunden geöffnet, an sieben Tagen in der Woche“. Anderseits aber scheint sich die Mama Bavaria nicht ganz sicher, ob Franken auch Bayern sind. „So, so, aus Würzburg“, sagte sie, als sich jemand von dort aus dem Publikum meldete auf die Frage, ob denn Bayern im Saal seien.

Schonungslos ist Bavarias Bestandsaufnahme, schneidend Kinsehers Humor. Obendrein singt und jodelt sie. Ihren bösen Blick auf die Politik mildert Selbstironie. Und auf der Bühne ist sie ein Ereignis – selbst wenn sie in die Rolle einer schnatternden Norddeutschen schlüpft.

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