Die letzte Woche darf ich, Luana Hug, in Kolumbien in meinem Projekt in Riohacha genießen. Ich kann es noch gar nicht wirklich realisieren und habe gemischte Gefühle. Einerseits fällt es mir schwer allen, die ich kennenlernen durfte, Tschüss zu sagen, aber andererseits freue ich mich sehnsüchtig auf mein Zuhause in Deutschland. Bis jetzt habe ich den Freiwilligendienst im Ausland keineswegs bereut.

Luana Hug mit ihren Grundschülern und ihrer Cousine auf einem Straßenfest, auf dem die Schule Essenstände mit typischen Essen und Spezialitäten angeboten hat. Bilder: Privat
Luana Hug mit ihren Grundschülern und ihrer Cousine auf einem Straßenfest, auf dem die Schule Essenstände mit typischen Essen und Spezialitäten angeboten hat. | Bild: Hug, Luana

Im Gegenteil, ich bin sehr dankbar, dass ich die Möglichkeit hatte und so viel lernen und erleben durfte. Es hat meine Sicht auf viele Sachen verändert und ich habe mich persönlich weiterentwickelt. Es fühlt sich an wie ein wunderschöner Traum, der bald zu Ende geht. Alles was ich gelernt habe werde ich nie vergessen. Dieses Jahr wird mein restliches Leben beeinflussen.

Kolumbien wurde zum Lieblingsland

Kolumbien ist jetzt mein Lieblingsland. Ich hoffe, dass ich oft zurückkommen kann. Das Land, die Leute, das Klima, die Kultur und die Sprache sind mir sehr an das Herz gewachsen. Kolumbien ist vier Mal größer als Deutschland, hat aber nur 49 Millionen Einwohner. Viele Bereiche sind einfach nur Wüste, Dschungel und Berge. Es gibt einfach alles, was man braucht von Hitze am Meer zur Kälte in der Hauptstadt Bogotá. Es gibt keine vier Jahreszeiten und die Temperatur bleibt fast das ganze Jahr hin gleich. Es wird das ganze Jahr um 6 Uhr morgens hell und um 18 Uhr dunkel. Die Biodiversität ist nach Brasilien die größte. Kolumbien ist reich an Tieren, Pflanzen und Traumorten. Dabei vergisst man ganz schnell die Probleme wie Sicherheit und Armut im Land.

Freude auf die Familie in Deutschland

Am meisten freue ich mich aus Deutschland auf meine Familie und Freunde, die ich sehnsüchtig vermisse. Auf die Freiheit und Sicherheit freue ich mich auch schon. Dass man mit seinem Handy in der Hand rumlaufen kann und keine Angst haben muss, dass man ausgeraubt wird. Mir wird es sehr schwer fallen, mich wieder anzupassen, mich nicht ständig, um meine Sachen zu sorgen und einen Ort finden muss, um sie zu verstecken.

Luana Hug auf dem Straßenfest mit ihren Grundschülern Maria-Valentina, Oved und Juan-Camilo.
Luana Hug auf dem Straßenfest mit ihren Grundschülern Maria-Valentina, Oved und Juan-Camilo. | Bild: Hug, Luana

Die Freiheit im Sinn, dass ich egal welche Urzeit ist, wieder alleine rausgehen kann und nicht ab Dunkelheit die Straßen meiden muss. Ich habe hier gelernt, früh aufzustehen und früh ins Bett zu gehen, da es einfach sicherer ist und viele Kolumbianer auch so leben. Ich habe mich angepasst und bevorzuge es, am Tag zu leben und einfach früh aufzustehen und mit den Einheimischen im Meer zu schwimmen.

Regenwasser aufkoche, Kanister Wasser kaufen

Außerdem freue ich mich schon darauf, mir keine Gedanken über das Wasser machen zu müssen. In Deutschland kann man ohne Probleme Leitungswasser trinken, aber in Kolumbien geht das nur an wenigen Orten. Auf Inseln oder im Amazonas musste ich das Regenwasser aufkochen oder ich muss mir einen Kanister Wasser kaufen, den es aber auch nicht überall gibt. Auf die medizinische Versorgung in Deutschland warte ich auch schon. Wir haben so viele tolle und gut gebildete Spezialistenärtze, die in Kolumbien viel schwieriger zu finden sind, da es noch an Bildung mangelt. In Kolumbien kann es mit der normalen Krankenversicherung ewig dauern, einen Termin zu bekommen oder man muss in andere Städte dazu reisen. Deshalb sind die mit Geld dort noch besser dran.

Abschied an der Schule mit den Lehrern.
Abschied an der Schule mit den Lehrern. | Bild: Hug, Luana

Ich vermisse so sehr das tolle Essen aus Deutschland. Sei es von Zuhause oder vom Restaurant. Vor allem vermisse ich das saftige Körnerbrot und die Käsevielfalt. Wir haben eine riesige Essensvielfalt. Es gibt Essen aus anderen Ländern, viel mit Gemüse und wir werden über gesundes Essen informiert und es ist uns wichtig. Natürlich ist das ein Luxusproblem, aber ich vermisse es. Hier ist man froh Essen zu haben und billiges zu finden, was vegetarisch oder vegan sehr schwer macht.

Fester Teil der Gastfamilie

Natürlich gibt es auch Sachen in Kolumbien, die ich vermissen werde. Allererst die Gastfamilie, bei denen ich das Jahr wohnen durfte und die sich um mich gesorgt hat als wäre ich Teil der Familie. Sie hat mir immer alles erklärt und mich auf alles gut vorbereitet. Dank ihnen habe ich mich gut und schnell an die Kultur anpassen können. Die Rektorin, die auch Teil der Familie ist und die Lehrer und Schüler werde ich auch sehr vermissen. Ich hoffe eines Tages zurückzukommen, um all die Leute und Freunde wiederzusehen. Vor allem werde ich meinen Alltag und meinen Wochenablauf mit meinen Hobbies vermissen, den ich mir langsam aufgebaut habe. Der Schwimmkurs im Meer ist schon wie eine kleine Familie für mich geworden. Genauso wie die Tanzstunden namens „Rumba-Terapia“.

Luana Hug, in Kolumbien in meinem Projekt in Riohacha genießen. Ich bereite mich schon auf Deutschland vor in Sachen Abschiedsgeschenke suchen, Koffer packen und Mitbringsel kaufen.