Wertsachen sollte man lieber zuhause lassen oder direkt am Körper tragen. In Deutschland muss man sich darüber keine Gedanken machen. Hier haben wir schon den ersten Überfall erlebt. Meinen 19. Geburtstag durfte ich in der kolumbianischen Kultur erleben und habe mit meiner kolumbianischen Familie und Freunden gefeiert.

Während in Deutschland jeder mit seinem Handy herumläuft, sieht man hier in der Stadt fast niemand mit seinem Smartphone. Die Einheimischen haben extra für draußen alte Handys. Man sieht, wenn dann Touristen mit ihren Smartphones, die sollten aber in größeren Gruppen unterwegs sein. Hier gibt es das Sprichwort „er/sie gibt mir die Papaya“, was soviel heißt wie, wenn du schon zeigst, was du hast, gibst du mir die Chance es zu klauen. Hier denken wenige, ach das ist dein Besitztum und du musstest dafür hart arbeiten. Hier denken sie nur, wieso hast du das und ich nicht. Natürlich sind nicht alle so, aber es gibt viele arme oder ungebildete Leute in Riohacha.

Meine Schule liegt drei Häuser von meinem Wohnort entfernt und man braucht höchstens eine Minute. An einem Tag durften meine Mitfreiwillige Felicitas und ich schon um 13 Uhr nach Hause, da bei Regen die Mittagsschule ausfällt. Das heißt, dass die Straßen sowieso unbelebt sind. Ich war schon zuhause, als ich zwei Minuten später Felicitas die Türe aufschließen hörte. Genau in diesem Moment wurde sie ausgeraubt. Ein Motorrad mit zwei Männern kam um die Ecke: Sie haben Felicitas alleine mit einer Tasche gesehen und haben ihre Chance genutzt. Als sie gerade die Tür ausschloss, rissen sie ihr die Tasche aus der Hand und sind Sekunden später waren sie wieder weg. Ihr Smartphone und ihre Schulsachen haben sie mitgenommen. Sie konnte nichts machen, das ging alles so schnell.

Nicht nur Felicitas passiert so etwas, sondern auch den Einheimischen. Eine Lehrerin wurde bereits dreimal ausgeraubt. In dem Haus, in dem wir wohnen, arbeitet eine Ureinwohnerin aus der Wüste. Die Ureinwohner werden „wayuu“ genannt. Sie meinte, dass sie in einem ziemlich armen und gefährlichen Viertel von Riohacha wohnt. Sie wurde von ihrem eigenen Nachbar ausgeraubt, als er sie mit ihrem Smartphone telefonieren sah.

Aber es gibt auch Erfreuliches zu berichten: Ich bin 19 Jahre alt geworden. Zu meinem Geburtstag habe ich abends ein paar Freunde und Familienmitglieder eingeladen und sie haben gemeinsam das kolumbianische „Happy Birthday“ für mich gesungen. In Kolumbien wird dazu geklatscht, sich bewegt und es wird alles mit sehr viel mehr Enthusiasmus gesungen. Außerdem wurde noch Salsa getanzt und Vallenato gehört. „Vallenato“ ist die typische Musikrichtung aus Riohacha. Man hört sie fast überall. Sie besteht immer aus einem Akkordeon-Spieler und einem Sänger. Dazu gibt es extra einen Tanz.